analoge Erinnerungen

Schön, nun ist sie 50 geworden, am 28. August.
Unbemerkt. Zumindest ist es an mir spurlos vorüber gegangen.
Warum?
Sie steht auf dem Abstellgleis, ist nur noch Erinnerung.

Ab und an mit Wehmut noch einmal genossen, umständlich installiert und nach kurzer Zeit wieder in den Keller verfrachtet. Sowohl den, unten im Haus, als auch dem im Hirn.
Verblasst zu einer weit entfernten Erinnerung. Das Konkrete fehlt mir, der Bezug.

Genau so verblasst wie die Aufnahmen, die auf ihr noch zu finden sind.
So mühselig, so zeitintensiv aufgespielt.

Manchmal unter dem Druck des Verliebtseins bespielt, um einen guten Mix zusammen zu stellen.
Dem, der ihr Herz öffnet.
Wenn sie es begreift.
Tut sie das nicht, ist sie die Falsche.
Dead simple.
So war das damals.
Die Magie des Mixtapes muss zünden.

Heute zündet gar nichts mehr. Mein Tapedeck, das fünfte oder sechste, ist tot. Die Antriebsgummis sind verrottet.
Der Motor läuft noch, das Display, mit den wunderschönen Balken würde im Takt pulsen, wenn das Band noch vorangetrieben werden könnte.
Der Zahn der Zeit. Vollkommen unabhängig vom Kaufpreis. Egal, ob 150 Mark oder 2.000. Die Kunststoffe lösen sich auf.
Irgendwie schon wieder romantisch, fast wie ein alter Grabstein, der überwachsen, angeschlagen und verwittert ist.
Nur noch ein Symbol.
Es gab eine Zeit, da hatte es eine Bedeutung.

Prince, Black Album 1994.
Prä Internet Zeit. Für mich.
Du willst ungestört kommunizieren? Geh in die Telefonzelle, greif zum Hörer, werf‘ 20 Pfennig ein und spreche acht Minuten.
Das war, wenn ich mich recht erinnere, eine Einheit, im Ortstarif.

Prince, damals Einer, den ich gern hörte.
Da haben wir 1988 zusammengelegt, sind ins Frankfurter Waldstadion gefahren und haben uns die Lovesexy Show reingezogen.

Ein paar Jahre später, dann eben das Black Album. Als Gerücht. Nie wirklich existent.
Die Münchner Stadtzeitung, damals schon der Prinz, hatte einen Kleinanzeigenteil.
Ein paar Seiten gefüllt, mit Kontaktanzeigen und dem Verkauf oder der Suche nach Krempel.
Und der einen Anzeige, auf die ich gewartet habe:
Black Album, Prince, und eine Telefonnummer.

Der Kontakt war hergestellt, der Preis? Lächerlich, kein Geld.
Mein Vorschlag, in der Wunderbar einen drauf zu machen, war eh‘ die bessere Idee.
Gesagt, getan, getrunken.
So einfach war das.
Das Tape hat es möglich gemacht.
Die Bereitschaft, sich um etwas wie Musik zu bemühen war so viel größer als heute.

Das Tape, die Kompaktkassette, ist nur noch ein Relikt. Für mich.
Mag sein, dass sie in irgendwelchen Nischen weiter existiert.
Selbst mir, als Fan von Analogem ist sie zu umständlich geworden.
Es gibt kaum noch Schätze, die ich in den vielen Umzügen in einer Plastiktüte von Keller zu Keller mitziehe.
Sie haben ihre Bedeutung verloren.
Das Black Album habe ich schon lange auf CD und höre es schon fast genau so lange nicht mehr.

Lauter Erinnerungen, die verblassen, wie die Aufnahmen auf den Magnetbändern.
Der Gedanke gefällt mir noch heute.

IMGP2884

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