Besuch in Haidhausen – 1

Nicht mehr als eins, zwei Jahre habe ich dort verbracht,
zwischen 4 und 6.
Den Rest meiner Kindheit lebte ich im Glasscherbenviertel.
Die prägenden Jahre jedoch waren ganz offensichtlich die Zeit in Haidhausen.

Und gestern war ich mal wieder da.
Nur, um zwei, drei Stunden durch das Viertel zu schlendern.
Um zu erleben, wie sich das Viertel geändert hat und wie manches so geblieben ist, wie es war.

Letztlich frisst die Gegenwart die Vergangenheit auf.
Die unverfälschten, über die Jahre geretteten Orte und Dinge werden rar.

Ein kluger Mensch meinte neulich zu mir, dass mich die Suche nach Authentizität ausmachen würde, die Suche nach dem Echten. Gut beobachtet.

Mich erfreuen die kleinen Dinge, die ich festhalten möchte. Von denen ich mir wünsche, dass sie nicht verschwinden.

In Ermangelung eines besseren Wortes und weil ich seit Jahrzehnten nicht mehr an die Dinger gedacht habe, nenn ich sie mal Schuhabkratzer.
Und die dürften weniger wegen des Hundekots auf den Strassen, als aus der Zeit stammen, mutmaße ich mal frech, als noch Pferdefuhrwerke durch die Strassen fuhren.
Pferdemist ist im Gegensatz zu Hundescheisse kein Drama, aber in der Wohnung möchte ich ihn auch nicht haben. Verschwunden sind sie wohl, weil zu Viele darüber gestolpert sind. Schade.
Gefunden am Johannisplatz, etwa gegenüber des Haupteinganges der Kirche.
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Dieser Hinterhof, erreichbar über die Schiltbergerstrasse ist, würde man ihn ausräumen, die Mülltonnen und Fahrräder entfernen, fast stehengeblieben in der Zeit.
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Freundliche Schilder weise auf die Verpflichtungen des Mieters hin. Grandios.
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Witzigerweise Lichtjahre von Augenhöhe entfernt, man muss sich in dem kleinen Innenhof verrenken, um das in drei Meter Höhe angebrachte Schild zu entdecken.
Vermutlich einer der Gründe, weswegen es noch da hängt. Kleinod!

Eher ein grusliger Ort, damals in den 70igern. Für mich.
Hier verbrachte ich meine Zeit im Kindergarten, bewacht von überlebensgroßen Pinguinen.
Den einen ganzen Tag.
Danach hab ich mich im Klo im Hinterzimmerwohnraum unseres Buchgeschäftes eingesperrt und mich einem nochmaligen Hingehen verweigert.
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Steinstrasse, Ecke Milchstrasse. Früher konnte man hier durchfahren. Den Namen des neu entstandenen Platzes kennt Google Maps noch nicht. Alt kann er wohl nicht sein. Heute ist es hier verkehrsberuhigt. Ein gelungener Platz mit Lokalen, die im Sommer zum Verweilen locken.
Der Trinkbrunnen wirkt zumindest so, als würde er hier seit Jahrzehnten stehen. Das möchte ich recherchieren.
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Eine Haustür in der Steinstrasse, direkt neben der wunderbaren und unscheinbaren kleinen Bar, Maria Passagne. Wenn der Türgriff irgendwann mal fehlt, ich war’s nicht. Ehrlich…
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Das Coca-Cola Abfüllwerk in der Steinstrasse, das alte Lokal, der Bürgerbräukeller, in dem sie versucht haben Adolf weg zu putschen, alles restlos verschwunden. Eine mickrige Tafel erinnert an den Ort.

Und ob das Herrenpissoir, Preysing- Ecke Kellerstrasse noch da ist, muss ich mir noch erlaufen…
Dazu später mehr…

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