Teil 3 – Der Regen

Fortsetzung von „Der Regen – Wie es begann“

 

Die Flucht.

Wenn alle fliehen, ist es dann besser zu bleiben, wo man ist?
Mit der Flucht versuchten sie wegzukommen von den anderen, die auch flohen.

Ein Zusammenleben auf dem engen Raum, der in den Zeiten, als der Regen noch nicht begonnen hatte, gewöhnlich war, dieses Zusammenleben war ausgeschlossen, abgeschlossen, vorbei und unmöglich.

Wenn nichts mehr so ist, wie es mal war, dann setzt die Flucht ein.
Dann werden alltägliche Begegnungen mörderisch, dann läuft man in Bögen, in großen Bögen. Geht sich aus dem Weg.

Nicht der Beginn der Flucht war das Problem, hier versuchten alle noch voneinander weg zu kommen.
Da regierte der Instinkt. Der Jäger ruhte noch. Alle waren Schaf und Reh und rannten.

Später dann, als der Mangel regierte, später dann, begann die Zeit des Jagens.
Und dann musste der gedankenlosen Flucht Einhalt geboten werden, wollte man nicht zur Beute werden.
Man musste innehalten, dem Drang weiter zu laufen, einfach gerade aus, einfach weiter, man musste dem Drang widerstehen.
Und sich Besinnen. Musste.
Wenn man wenigstens ein kleines Weilchen länger weiterleben wollte.

Nicht allen gelang das.
Sie sorgten für den Vorsprung anderer.
Das Gesetz der Wildnis. In der Wildnis ist die Jagd nicht sadistisch, nicht gemein. Sie bereinigt, holt als erstes die Schwächeren.
So war das am Anfang. Und die Stärkeren überlebten wieder einen Tag mehr.

Die Gründe für die Jagd?
Gummistiefel, wasserfeste Sportjacken, Kopfbedeckungen, ein Schokoriegel, ein Schluck klares Wasser.
Feine Uhren, Schmuck, modische Markenware war irrelevant, Dreck, wertlos. Wurde niedergetrampelt, achtlos weggeworfen.
Was zählte, waren die Dinge, die einem einen Tag Vorsprung, einen Tag weiterleben ermöglichten.

Was in den Zeiten vor dem Regen grausame und seltene Anekdote war, das Töten wegen weniger Cent, einer Zigarette, einem wertloses Gegenstand, wurde Tagesordnung.
So ändern sich die Zeiten.

Wenn der echte Mangel Alltag wird. Wenn die Hemmschwelle sinkt, weil der Magen knurrt, die Haut brennt und der Gaumen trotz des vielen Wassers, das von oben kam, verklebt ist.

Alle Teile der Geschichte:

„Der Regen“
„Der Regen – Wie es begann“
„Teil 3 – Der Regen“
„Teil 4 – Der Regen“
„Der Regen – Tag 8“
„Teil 5 – Der Regen – Die Zuflucht“
„Teil 6 – Der Regen – Hunger“
„Teil 7 – Der Regen – Konfrontation“
„Teil 8 – Der Regen – Bilder aus der Vergangenheit“
„Teil 9 – Der Regen – letzte Wege“

 

IMGP2862

 

Anmerkung des Autors:
«Der Regen» ist so eines dieser Gedankendinger, die vor einer halben Stunde noch nicht einmal existiert haben.
Von dem ich auch nicht weiß, ob und wie er weiter geht.
Vielleicht mach‘ ich es ein wenig vom Feedback abhängig und ganz bestimmt davon, ob mir noch etwas einfällt.
Hab deinen Rücken im Blick. Sie kommen, Dich zu holen. Lauf.

24 Gedanken zu “Teil 3 – Der Regen

  1. Meiner Meinung können wir nicht wissen, wie wir reagieren würden, weil wir heute aus unserer Sicherheit etwas für uns festschreiben, das im Überlebensfall dann ganz anders aussähe.
    Dem Kampf ums Überleben sich zu stellen und Ideen zu entwickeln dem Unheil zu entkommen….versuchen das Chaos zu bändigen , dazu bedarf es starker Menschen….und ich meine nicht die Muskelkraft….
    die Schwachen, Hilflosen bleiben im Tierreich und beim menschlichen Geschlecht sowieso immer auf der Strecke….., da können wir noch so zivilisiert sein….. leider…..
    Ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergesponnen wird……
    was machen die Mächtigen, die über die Vorräte an Wasser, Lebensmitteln verfügen, die Konzerne……
    weglaufen nützt nichts….wohin auch, wenn alle betroffen sind….. ein(e) Ideenentwickler(in) muß her……

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    • Bist Du wirklich schwach, wenn Du nicht für Dein Überleben kämpfst und Dir andere ebenso wichtig sind? Ist das wirklich Schwäche? Was, wenn ich behaupte, es bedarf großer Stärke und Mut, sich in diesem Fall gegen das Überleben zu entscheiden, um andere zu retten?

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      • so war mein Kommentar nicht gemeint: ich mag keine reine Egoisten, die nur mit Ellenbogen kämpfen; es gäbe in einem solchen Fall Menschen, die sofort aufgeben, weil sie eben zu schwach sind zu kämpfen, es gäbe die Mitläufer und es gäbe die, die abwägen, ob sie FÜR jemanden aufgeben und sie hätten meine Hochachtung.
        Wenn nur ein Böser übrig bleibt, gäbst Du dafür auch Dein Leben oder würdest Du kämpfen?
        Wir wissen ja noch nicht, was uns diese Geschichte zu erzählen gedenkt, wir nehmen ja schon Dinge vorweg, die eintreten könnten….sie wird noch viel Diskussionsstoff für uns bereithalten…

        in einer Geschichte von Velma Wallis Zwei alte Frauen wird so ein Szenario in einem Inuitstamm erzählt, wieder aus einer anderen Warte.Zwei alte Frauen lassen sich aussetzen, weil die anderen sonst nicht überleben können und kämpfen dann aber allein für sich weiter , überleben und retten später sogar wieder ihren eigenen Stamm.

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  2. „Wenn nichts mehr so ist, wie es mal war, dann setzt die Flucht ein.
    Dann werden alltägliche Begegnungen mörderisch, dann läuft man in Bögen, in großen Bögen. Geht sich aus dem Weg.“
    Schön geschrieben…..

    Menschen essen (nicht immer nur) in Not auch Menschenfleisch, etwas für mich unvorstellbares, aber es ist passiert und ich könnte nicht sagen, wie ich mich im Überlebenskampf verhalten würde, kenne ich doch noch nicht einmal wirklichen Hunger.

    Das Foto gefällt mir übrigens sehr!

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    • Danke schön.
      Über das Essen habe ich gar nicht so sehr nachgedacht.
      Ich weiß gar nicht, ob das eine Grenze ist, über die ich jetzt (schon) nachdenken möchte.
      Würde im Gepäck jedoch, dem spärlichen, etwas von Interesse sein, ein altes Brot, aufgeweicht, ein Stück Wurst,
      etwas Folie zum Abdichten.
      Ja, das wäre schon eher was, zum Nachdenken.

      _
      Meine Güte, es ist spät, ich bin zerstochen und radikal. Verzeihung 😉

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      • Guten Morgen, ich hätte dazu schreiben sollen, dass ich durch Karin’s ersten Kommentar auf den Gedanken über extreme Situationen kam. Einen schönen Tag und jetzt freue ich mich, die Fortsetzung lesen zu dürfen 🙂 LG!

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  3. Guten Morgen, ich hätte dazu schreiben sollen, dass ich durch Karin’s ersten Kommentar auf den Gedanken bezgl. Der extremen Situationen kam…. Einen schönen Tag und jetzt freue ich, die Fortsetzung lesen zu dürfen 🙂 LG!

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