Teil 4 – Der Regen

Am schlimmsten waren die Nächte.
Die viel zu lange, nicht enden wollende Dunkelheit.
Licht war des Nachts Mangelware.

Der Herbst war über die Lande gebrochen.
Die Nächte waren schon jetzt unerträglich kalt.
Feuer würde wärmen und war der Tod zugleich.
Nicht auszudenken, wie der Winter unter ihnen wüten würde.
Wie er die Massen schleifen würde, bis Ausgleich geschaffen war.
Die Balance von Mensch zu Natur wieder hergestellt war.

Ohne Licht war man länger alleine.
Licht verriet einen auf Kilometer.
Nur die Unbedachten entzündeten am Anfang der Flucht Abends ein Feuer.
Sie bereuten bitter und nur einmal.

Die beiden kletterten, wenn die Dunkelheit nahte, auf Bäume.
Zwängten sich zwischen Geäst, banden sich fest und verharrten.
Der verfluchte Regen, er dämpfte alles, jedes Geräusch.
Jemanden kommen hören, niemand hatte früher darauf geachtet, war nun das Wichtigste. In der Nacht.
Nur einem dummen Trampel gelang es nicht mehr, sich ungehört zu nähern.
Dumme Trampel starben aus.

Der Schlaf war schmerzhaft, kam nach kurzer Eingewöhnung dennoch schnell.
Sie rollten sich ein, Embryos gleich.
Das Gesicht nach unten.
Damit das Wasser nicht eindrang und ablaufen konnte.
Der Nacken, verspannt, zum Zerreissen.
Chiropraktiker hätten Hochsaison.
Berufsbilder aus der Vergangenheit.
Einer Vergangenheit, die keine 80 Tage her ist.
Und wenn der Bedarf noch so groß ist, keiner wollte ihn abdecken…

Der Herbst hatte auch sein Gutes.
Der Herbst fütterte die Hungrigen. Die mutigen Hungrigen.
Die Apfelbäume voll. Die Tomaten reif, Die Gurken, die Wasserspeicher, ungenießbar.
Die Mutigen wagten sich des Nachts vor, opferten Schlaf und schlichen sich an die Ränder der Plantagen.
Fraßen sich satt.
An apple a day…

Keine Freude ohne Opfer.
In der Serengeti sind es die Wasserlöcher, hier die Plantagen.
Die Jäger lauerten.
Mit aufgerissenen Augen, flach am Boden, Beute, hier nicht die Durstigen, sondern die, die den Hunger nicht mehr ertrugen.
Essen mussten!
Die Jäger waren schlau. Kein offensichtliches Patrouillieren. Keine zur Schau Stellung der Präsenz.
Wer hat jemals Wölfe Wachtürme aufbauen lassen. Leise, unauffällig und dann, schnell und lautlos.
Nicht wie die Beute, die schrie. Kurz und vorbei.

IMGP2621

 

 

Alle Teile der Geschichte:

„Der Regen“
„Der Regen – Wie es begann“
„Teil 3 – Der Regen“
„Teil 4 – Der Regen“
„Der Regen – Tag 8“
„Teil 5 – Der Regen – Die Zuflucht“
„Teil 6 – Der Regen – Hunger“
„Teil 7 – Der Regen – Konfrontation“
„Teil 8 – Der Regen – Bilder aus der Vergangenheit“
„Teil 9 – Der Regen – letzte Wege“

 
Anmerkung des Autors:
«Der Regen» ist so eines dieser Gedankendinger, die vor einer halben Stunde noch nicht einmal existiert haben.
Von dem ich auch nicht weiß, ob und wie er weiter geht.
Vielleicht mach‘ ich es ein wenig vom Feedback abhängig und ganz bestimmt davon, ob mir noch etwas einfällt.
Viel Vergnügen?

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