Teil 6 – Der Regen – Hunger

Sie waren beide eingeschlafen.
Nicht gut. Kontrollverlust.

Sie rissen sich gegenseitig aus dem Schlaf, schreckten hoch, schluckten den Schrei runter, beide.
So schnell wie der Schlaf über sie kam, war er vorbei.
Sie wurden diesmal nicht für ihre Unachtsamkeit bestraft.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Die Erholung hatte kaum eingesetzt und würde nicht lange anhalten.
Der Tag, grau, verhangen hatte gerade erst begonnen.
Es regnete.
Immer wieder die enttäuschte Hoffnung, hochzuschrecken und festzustellen, dass es nicht vorbei war. Der Kampf würde wieder einen Tag weitergehen.
Wenn sie Glück hatten und den Tag überstanden.

Ein Geräusch übertönte sogar den Regen. Leerer Magen gibt laut.
Welche Entscheidung würden sie treffen?
Alles zusammenessen?
Immerhin ein Stück Käse, haltbare Chemiewurst aus einem geplünderten Supermarkt und noch drei Kaugummis.
Oder das Wenige einteilen, strecken und den Hunger als Dauergast in sich akzeptieren?
Letzteres. Immer letzteres, sie waren so vernünftig.
Sie hatten noch zwei Flaschen Wasser, drei Liter und dann?

Der Wald voller Beeren, sie hatten kleine Plantagen mit Blaubeeren gefunden und kein sauberes Wasser, das giftige Nass von den Beeren zu waschen und Angst, sie so zu essen.
Der Schock des Durchfalls, des Fiebers und des Flüssigkeitsverlustes saß tief. Das Risiko einer Wiederholung wollten sie nicht eingehen.

Ein Tier zu jagen war ein Witz.
Sie hatten keine Ahnung vom Fallenbau, Fischen war wegen des Wassers tabu.
Pfeil und Bogen?
In Filmen lief man über kurz oder lang mit guten Waffen herum.In Wirklichkeit war ein Stock das äusserste der Möglichkeiten.

Mäuse, einen Hasen, ein Reh mit einem Stock zu jagen war Zeitverschwendung.
Die Wildparks der Umgebung waren leergefangen.
Das Gesetz der Wildnis wieder einmal. Die Kaninchenställe und Meerschweinchengehege, ein Festmahl.
Die zutraulichen Rehe hatten keine Chance ihre Scheu zu verlieren. Sie starben grausam und alle auf einmal. Machten satt für wenige Tage.

Die Mahlzeit war karg und kurz. Sie würde nicht lange vorhalten. So wenig, wie das Getrunkene.
Die Vorräte, vorher überschaubar, taugten nur noch als Alibi, um das Fehlen zu verbergen.

Sie mussten weiter. Ihr Ziel? Abgelegene Häuser. Nicht die Verfallenen, sondern die Wochenenddomizile und Alterssitze im Grünen. Weitab von Hauptstraßen und Siedlungen.
Hoffnung auf Eingewecktes, das Hunger und Durst zugleich stillen konnte. Mit etwas Glück.
Es war ihnen schon gelungen, einen solchen Ort aufzusuchen, ihn mit Erfolg für sich einzunehmen und leer zu essen. Einbruch und einfacher Diebstahl wäre es gewesen, wenn noch Recht gesprochen würde.
Immerhin, kein Totschlag.

Dennoch Todesstrafe.
Der Ausnahmezustand war verhängt, plündern bedeutete den Tod.
Aber wo kein Kläger…

 

 

Alle Teile der Geschichte:

„Der Regen“
„Der Regen – Wie es begann“
„Teil 3 – Der Regen“
„Teil 4 – Der Regen“
„Der Regen – Tag 8“
„Teil 5 – Der Regen – Die Zuflucht“
„Teil 6 – Der Regen – Hunger“
„Teil 7 – Der Regen – Konfrontation“
„Teil 8 – Der Regen – Bilder aus der Vergangenheit“
„Teil 9 – Der Regen – letzte Wege“

 
Anmerkung des Autors:
«Der Regen» ist so eines dieser Gedankendinger, die vor einer halben Stunde noch nicht einmal existiert haben.
Von dem ich auch nicht weiß, ob und wie er weiter geht.
Vielleicht mach‘ ich es ein wenig vom Feedback abhängig und ganz bestimmt davon, ob mir noch etwas einfällt.

Wie wäre es mit einem Pfefferminzblättchen?

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