Nur eine Geschichte

Silhouetten, Schatten, Frauen, Männer, Kinder.
Menschen, alleine, in Gruppen, mit Hund, ohne.

Massen, wogend, vor-zurück.
An jedem Ort, an dem Menschen sind, sind Geschichten.
Hundert Menschen sind hundert Geschichten.
Miteinander verwoben oder dünne Fäden, starke Stränge.
Jeder hat ein Band.

Versuche Dir die Geschichte, des Menschen, der Dir in der Bahn gegenüber sitzt, der Dir auf der Straße entgegen kommt, vorzustellen. Nur ein wenig. Nur ein wenig.

Versuche Dir vorzustellen, dass dein Gegenüber ein ganzes Leben in sich trägt. Versuche es. In den wenigen Minuten, die ihr euch gegenüber sitzt. In den Momenten, an denen ihr aneinander vorbei eilt.

Stell Dir vor, wie es war, als er jung war.
Wie war es, Tag für Tag in seinem Leben? Was war es, dass seine Gedanken und Gefühle geprägt hat?

Früher Tot der Eltern? Des Bruders? Glückliche Kindheit?
Einzelkind? Liebe oder Schläge? Hänseln oder Freundschaft?
Alleine unter vielen oder gemocht?

Was ist es, dass in dem Gesicht deines Gegenübers geschrieben steht? Woher die Runzeln und Falten, die Grube, der Mund?

Warum so fahrig? Verliebt? Voller Angst? Ungeduldig, im Warten auf den Geliebten? Angst, den Briefkasten zu öffnen?

Was ist es, was dein Gegenüber treibt? Was meinst Du?

Stell Dir vor, all die Geschichten um Dich herum.
So viele.
Alle nur im Kopf der Protagonisten.
Nichts weißt Du, über die Sorgen, die Nöte, die Freude, das Lachen. Nichts.
Nur, dass jeder eine Geschichte in sich trägt.
Und es ist nicht Deine.

5 Gedanken zu “Nur eine Geschichte

  1. Das ist ein wildes Stück „on the road“- Literatur!!
    Und sich für Sekunden verlieben, beim kurzen Blick in Menschenaugen, irgendwo, das ist verrückt toll, dass das möglich ist, immer wieder…

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    • Ja der, oder ein Protagonist in einer Edgar Ellen Poe Geschichte, der während seines Spaziergangs durch die Straßen einer Stadt nur durch Beobachtung der Passanten einen Mordfall löst.
      So zumindest habe ich das in Erinnerung behalten 🙂

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