Ein gemeinsames Geheimnis

Die Gnädige Frau B. und ich sitzen im Café, haben eben festgestellt, dass wir noch immer kein Geheimnis teilen.
Das kann so nicht angehen. Nein, das geht gar nicht.
Daran müssen wir etwas ändern.

Und zwar aufs Drastischte.

Gedacht, gesagt, getan.
Wir brainstormen kurz, springen in den Toyota, den besten von allen, beten um den vierten Zylinder, auf das er seine Arbeit mit verrichten solle und rasen los.
Was man mit dem Toyota so rasen nennen kann.

Zuckeln also gen Eppendorf, nur da kann es gelingen, da muss es sein.
Eppendorf, wir kommen, zieh dich warm an, Bonny und Clyde are on the run. Aber wie.

Mit Bleifuß auf dem Gas geht es ab, Zylinder Numero vier bequemt sich ab und an zur Mitarbeit und wir erreichen unsere Destination.

Hundefrisörsalon “Bon Chichi – Eppendorf”, so steht es auf dem mit Goldbarockpudeln umrahmten Eingangsschild.

Wir haben das alles ausbaldowert; Hundefrisörsalons haben keine Kameras montiert, schon alleine wegen der Intimssphäre der werten Vierbeiner.
Kein Pudel darf nackt photographiert werden, No Sir, das geht gar nicht.
Gut für die Pudel, gut für uns.
Die Kasse in dem Laden, vermutlich zum brechen voll. Wer mit Goldbarockpudel verziehrt, nimmt richtig Kohle, dass das mal klar ist. Und es muss sich lohnen.

Ich also Mütze tief ins Gesicht, Sonnenbrille auf und rein in den Laden, fuchtel mit dem ausgestreckten Finger in der Jackentasche rum, brüll was von »her mit der Kohle«, grabsche über die Theke und hoffe, dass der Fluchtwagen auf allen Zylindern läuft.

Es klappt, und das nicht schlecht. Der Packen Kohle ist mehr als erwartet, ich sprinte raus, angesichts der zu tief ins Gesicht gezogenen Mütze fast in den nächsten Kunden, der mit Lackschuhen und Köter an Hundeleine auf den Laden zu stolziert, springe in den Supertoyotafluchtwagen und wir sausen, dröhnen, scheppern los. Wie üblich dann doch nur auf drei statt vier. Wenns regnet mag er nie…

Ab in den nassen Sonnenuntergang.
Fett mit Kohle, die für die nächsten zwei Wochen langt und dem bestmöglichen gemeinsamen Geheimnis, dass wir zwei Wilden teilen können. Ab ins nächste kleine Hotel, untertauchen und dann über die Grenze, weiter, Richtung Norden.
Yeah.

fucking Pudel

Hier die Lesung zum Text.
Viel Vergnügen!

11 Gedanken zu “Ein gemeinsames Geheimnis

  1. Welchem morgendlichen Übermut entsprang dies Gangstergeschichtchen?
    Nur ein lockerer Freigeist denkt sich so was aus. Stringente Spießer fegen Laub und tragen bittere Knödel im Bauch….Unser Hund pinkelt ungezogen in solche Salons…

    Gefällt mir

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