Gedachtes Gedankengeschmiere

Oder wie ich sagen würde, das Schreiben.

Vor ein paar Monaten habe ich damit begonnen.
Vorher habe ich nie mehr als ein paar Geschäftspapiere, Projektbeschreibungen oder Anschreiben “verfasst”.

Seit ich “raus” bin, aus dem Teil meines Lebens, der langjährigen leitenden Position, noch immer unschlüssig, wie es denn nun weiter gehen wird, seit dem schreibe ich.

Aus einer Laune, einem schrecklich schön weinhaltigen Abend heraus, ist der Blog hier entstanden.
Hat sich aus Sicht des Namens irgendwie in eine verkehrte Richtung entwickelt. Aus Sicht des Namens. Sonst nicht.

In dem Prozess, mich aus meiner Vergangenheit zu lösen, begann das Schreiben, zaghaft, zögerlich, ziellos.

Heute ist diese Ziellosigkeit Teil dessen, was den Reiz für mich bedeutet. Mich nicht festlegen zu müssen. Oder zu können. Noch nicht.
Offen und frei für meine Eingaben.
Die manchmal von Außen kommen, von meiner Liebe, ein Eindruck, eine Geste, ein Wortfetzen.
Die Katze, das Klackern meiner Tastatur, Klänge der Musik die ich höre.
Alles ist Inspiration, Idee und Leitfaden.
Klein, dünn, schnell zerrissen und dennoch oft, genug, mir weiter zu helfen.

Ich spiele mit meinen Gedanken und der Versuch, diese nieder zu schreiben steht hier.

Es ist, wieder und wieder ein Katz und Maus Spiel.
Immer wieder auf der Suche nach der Methode.
Sei es ein Notizbuch oder ein Diktaphon als Hilfsmittel. Unlängst habe ich erwogen, mir ein Flipchart neben den Sekretär zu stellen.
Ein Ort, an dem ich kleine Worte groß aufschreiben kann.

So oft schon bin ich Nachts aufgewacht, hatte perfekte Formulierungen, Themen und Gedanken im Kopf und bin mit dem Gedanken wieder eingeschlafen, dass ich das auch morgen noch, morgen… chr chr chr… und fort waren sie.

So ist er halt, der Amateur. Hat nie die richtigen Mittel in den Händen. Schafft umständlich, was Routine und Erfahrung leicht von der Hand gehen lassen würden.
Jedoch: Stets war Spontanität mein bester Freund.
Neue Werkzeuge schaffen neue Möglichkeiten.
Und so bleibe ich Amateur, der sich ausprobiert, keine Routine entwickeln will. Schreibe am Sekretär, im Auto, auf den Schreibblock, ins iPad, egal, Hauptsache, ich schreibe.

Geschichten übers Denken.
Wie das so ist mit den Gedanken, den freien, sie wollen raus und spielen. Und während ich das denke, ist er weg, der Gedanke, hat irgendwo ein Geräusch gehört und ist, wie im Theater: Ab!
Das ist schon eine schlimme Sache, aber so ist das eben mit dem Denken.

Querschläger:
Mit 14 hab ich mir ab und an gedacht, ich sollte mit dem Denken aufhören, eine Ausbildung als Schlosser oder Kfz Mechaniker machen, damals mein Inbegriff, für den Stillstand, die Resignation, die Einfallslosigkeit, und der nahenden Verfettung. Dem Montag bis Sonntag Abend Bier(kasten), der hässlichen Kuh von Ehefrau und den quälenden Blagen getrost entgegensehen. In einer Bude aus Eiche Rustikal, nem Farbfernseher und einem großen Kühlschrank. Mit kühlem Bier drin.

LeserInnen, die diese Laufbahn eingeschlagen haben, mögen mir das oben Geschriebene nachsehen. Ich war 14!
Und so war eben mein Bild von ”nicht mehr denken”.
Borniert, blasiert, eingebildet, 14 halt.

Und dann habe ich nicht aufgehört mit Denken, mich um Kopf und Kragen gedacht. Anstatt irgendetwas, sei es Schullaufbahn oder Ausbildung, Neigung oder Interesse, durchzuziehen, dachte ich so vor mich hin und hab mal schnell 10 Jahre verdacht.

Heute schreibe ich darüber, wie das so war. Das alles hier. Das ganze Leben und so.
Noch immer denke ich und denke und chr chr.
Heute schlaf’ ich schneller ein dabei.
Der Kasten Bier ist aber noch immer fern. Immerhin.

“Leg dich doch mal fest” sag ich mir und lächle in mich hinein, lächle meine Gedanken an, wohlwissend, dass ich das nicht kann, es auch auf weitere Sicht nicht schaffe, mir einen Stil, mir ein Sujet vorzunehmen und dabei zu bleiben.
Ist halt so.
Mach’ ich halt noch ein wenig so weiter.
So lange es gelesen wird. Hier könnte ein Smiley stehen, tut er aber nicht. In Texten haben die nichts zu suchen. In Kommentaren schon, aber nicht hier. Punkt.
Danke fürs Lesen.

12 Gedanken zu “Gedachtes Gedankengeschmiere

  1. Beinahe oder tatsächlich eine mal mehr, mal weniger feurige Wortsymphonie!
    Diese überhebliche Arroganz mit 14 – kannte ich auch.
    Vielleicht war das „Aussteigen“ gerade noch rechtzeitig, Perfektionisten machen weiter…

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  2. Ich hätte gewettet, dass du schon viel länger schreibst. Du hast einen ganz eigenen, schönen, besonderen Stil. Ich lese deine Texte gern. Schon die Art und Weise, wie du die Sätze bildest, wie du die Absätze machst, führen automatisch dazu, dass man den Text ruhig und bedacht, besonders aufmerksam und genussvoll liest.

    Zu den abendlichen Gedanken über Texte: Manchmal kommen mir abends Ideen, über die ich schreiben möchte. Auch Formulierungen sind dann schon dabei. Ich habe sie morgens allerdings nicht vergessen. Versuchs mal, indem du Gedanken immer und immer wieder wiederholst. So funktioniert das bei mir.

    Weil ich damit konform gehe, dass Smileys nicht in Texte gehören, in Kommentaren allerdings auftauchen dürfen, will ich den Kommentar natürlich nicht ohne abschließen 😉

    Hab einen schönen Tag!

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  3. muss mal ein bißchen lästern -:))) an Stelle des Bieres trinkt man(n) Wein -:))))
    dass Sie erst so kurz schreiben, merkt man den Texten wirklich nicht an, mir gefällt das Spontane, eben nicht schreibtechnisch Vollendete, es strotzt vor Lebendigkeit und so wie man den größten Teil des täglich Gedachten schnell wieder vergißt, so ist das auch mit Ihren Textideen. Sie werden irgendwann wiederkommen oder durch andere genauso wichtige, originelle ersetzt.
    Das Schreiben als einen wortspielerischen Luxus betrachten, den Sie sich gönnen sollten so lange es Spaß macht, ja warum denn nicht. Nur sich nicht selber unter Druck setzen.
    Es wird Artikel geben, auf die kaum Resonanz kommt und andere, da überschlagen sich die Kommentare….deswegen muss der Inhalt nicht gleich schlecht sein, es ist wie bei jeglicher Literatur „ein weites Feld“…. warum festlegen…..frei sein…wenigstens beim Schreiben.
    Man liefert sich ja mit seinem Gedankengut einer größeren Öffentlichkeit aus, dazu muss man auch Mut haben.
    Flipchart würde ich eher durch einen Katzenkratzbaum ersetzen, an den kann man(n) auch Zettel pinnen -:)))) und Gnä Frau wäre begeistert…..-:)))
    Lieber Oliver, ich mag Ihr Schreiben, habe grundsätzlich Hochachtung vor Leuten, die ihre Haut hier schreibend zu Markte tragen, bitte nicht mit den Textspielereien aufhören, im Spiel steckt ja auch eine große Portion Ernsthaftigkeit….. und wenn der Blogname Sie stört, dann könnten Sie ihn jederzeit ändern…..hier ist alles möglich. Ich lese jeden Morgen noch vor dem Frühstück in die Blogs hinein, die ich mag und dazu gehört auch der Ihrige.
    immer noch novembersonnige Grüße vom Dach in Hanau
    Karin

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  4. Egal wie lange du schon Texte verfasst: Du machst es gut! Mit 14 wollen, nein können wir die Welt aus den Angeln heben. Mit 14 sind wir unsterblich, unbeschreiblich. Daher fing ich auch erst mit 15 an 😉 Und ich höre nie mehr damit auf.

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  5. Herr Faktoid, irre ich, oder hör ich etwa von Ihnen Gejammer?
    Jetzt aber ab in die stille Kammer, alles ist bekannt, das kennen wir schon, das, wovon Sie sprechen, mein Werter, ist die spezielle Fron jeden Schreibers, doch wissen wir auch um den süßen Kuss jeder Inspiration, die wir in anderen finden.
    Warum an höchsten Anspruch uns binden wollen?
    Ach, nein…es findet seine Form, wirst sehen,
    im Vorangehen, langsames Schreiten, mit Muse/Muße dein Geist langsam berühren lassen und weiten, nichts zu schwer deuten,
    das Schreiben bereut nicht, es freut sich, dass es ist.
    Nur so, by the way…damit Du es auch nicht vergisst…

    LG,
    die Karfunkelfee

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  6. Immer noch nicht genügend nachgelesen, aber in diesem Texte erneut gebadet. Famos, daß Sie dem Denken die Treue hielten. Statt Flipchart ist’s eine kleine Kladde, stets verfügbar, die ich ständig mit mir herumschleppe und in die ich, von anderen belächelt; Wortfetzen eintrage.
    Und Festlegen öffnet nur Tor und Pforte der Monotonie.

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  7. Das mit den perfekten Formulierungen geht mir beim Autofahren ganz oft so.. Und wie ich mir dann jedes Mal eine Maschine wünsche, die meine Gedanken aufs Papier bringen kann .. ohne dass ich sie aussprechen muss..

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