Ich, Basecap und Al Pacino

Drehbuch für eine Episode im Café.

V. (Name geändert) und ich sitzen in einem kleinen Café in der Klenzestraße.
Prokrastinieren so vor uns hin.

Schön ist es.
Sanfte jazzige Musik, alles ruhig, bis auf das Rascheln von umgeblätterten Zeitungen.

Die Tür geht auf.
Der Typ kommt rein, dicke Polarjacke, gute Schuhe, gute Jeans, orange Brille, oranges Basecap mit Los Angeles County Jail Aufdruck.
Typ Rolf Zacherl, ein wenig jünger, Anfang 50 oder so. Schleicht so in den Laden rein, mutmaßlich breit, oder übernächtigt, oder beides.

In dem Moment steht eine ältere Dame auf, hat schon gezahlt, will los. Basecap macht kehrt, hält ihr die Türe auf “So, junge Frau, hier die Tür ist offen” Sie kennen sich nicht, er unterhält sich vorzüglich mit ihr. Sie weniger mit ihm.

Kommt wieder rein, setzt sich neben uns an den freien Tisch, bestellt umständlich einen Espresso, zieht die Handschuhe, im Übrigen das Einzige, dass er abgelegt hat, wieder an. Trinkt seinen Espresso. Murmelt vor sich hin.

V. und ich unterhalten uns weiter, angesichts der kleinen Einlage war das Gespräch kurz unterbrochen.
Wir waren bei Filmen und der vergangenen Lust an Blockbustern, sprachen darüber das Tom Schilling, Leander Haußmann und Sven Regener jeder für sich oder alle zusammen besseres und unterhaltsameres abliefern als sämtliche amerikanischen Blockbuster. Dass kleine deutsche Filme, wie Emmas Glück uns mehr bewegen, als der idiotischen, persönlichen Krise von Iron Man im dritten Teil zu zusehen.

Basecamp beugt sich zu uns rüber, flüstert “Ah, die Herren sind vom Fach? Macht ihr auch Filme?”
Verzeihung, er hätte gelauscht und ihm wäre so gewesen und legt los:

Er wäre gerade von LA zurückgekommen, plant gerade die Super Original Gangster Style Nummer, authentisch aus dem 70igern, mit Al Pacino, dem Al überhaupt.
Daher auch sein Gangsteroutfit. Ok, er trägt ein County Jail Base Cap. Das wird dann wohl gemeint sein.

Ich sag’ ihm, er solle Al sagen, dass der sich mal so reinhängen solle, wie im Kaufmann von Venedig.
Hört mir Basecap überhaupt zu? Er redet ohne Punkt und Komma weiter.
Also er hat hier gerade nen Deal laufen und braucht jetzt “stupid german money” von der Filmförderung. Deswegen ist er hier und überhaupt, gleich würde er den Griechen treffen.

Wir sitzen da, starren ihn an wie die Schlange ein Karnickel ansieht, und finden die Pause nicht zur Erwiderung. Egal, red nur weiter.

Er hätte da ein Schreiben, ein Non disclosure und er dürfe da eigentlich gar nicht darüber reden. Fuchtelt damit herum.
Wir sagen korrekterweise nichts.

Also, der Grieche würde gleich kommen und das wäre dann überhaupt der, den man kennen muss, wenns ums Geld für den Film geht.
Sprachs.
Die Tür ging auf, rein kommt ein beleibter Typ im Sweater Schluffioutfit.
Der Grieche

Nach Bussi Begrüßung “Mensch und ich sag Dir, heirate nie, die Scheisse in Las Vegas bereue ich heute noch” geht es gleich zur Sache.
Basecap erklärt sein Original Gangster Outfit, weißt auf die Kappe hin. Der Grieche schweigt.

Der Typ reicht dem Griechen das (angebliche) Non disclosure rüber. Der springt auf, muss aus dem Auto die Brille holen. Sein Wagen, die Klenzestraße ist eine schmale Straße, parkt in zweiter Reihe, sprich, blockiert die gesamte Fahrbahn muss weg. Also parkt er um. Der Stau löst sich auf.

Ich guck raus, seh’ seinen Benz und als der Grieche losfährt, sehe ich den Hänger hinterdran.
Auf dem: Eine Betoneinfassung für Kanaldeckel, so wie sie in die Straße eingelassen werden.
Spaßig, was Filmproduzenten oder wegen mir Spezialisten für Filmförderung so nebenbei machen.

Nach 15 Minuten und einem schier endlosen Monolog von Basecap kommt der Grieche wieder.
Wir wissen zwischenzeitlich ungefragt, dass Angelina Jolie die weibliche Hauptrolle spielen wird. Gut, damit wäre der Film für mich gestorben, Danke für den Tipp.
Und Unendliches mehr erfahren wir, dass ich vergessen und vermutlich auch verdrängt habe.

Egal. Der Grieche kommt wieder rein. Wir sind als Gesprächspartner erlöst, frei.

Der Rest des Dialoges geht im Rascheln der Zeitungen unter.
Wir versuchen unauffällig dem Kellner zu signalisieren, dass wir zahlen wollen.

Der Grieche rauscht wieder ab.
Alleine mit Basecap.
Der Kellner kommt. Wir dürfen zahlen.
Das Handy klingelt, Basacap geht ran.
Wir sind erlöst.
Ich versuche mich beim Gehen zu verabschieden. Wir sind Luft, auch gut.
Wir wissen alles, was wir wissen müssen.
Und ab.

Und wer nun denkt, ich hätte mir das aus den Fingern gesogen.
No Mam. No Sir.
Basecap

Etwas verstohlen, hier am Ende des Textes, die vorgelesene Version.

12 Gedanken zu “Ich, Basecap und Al Pacino

  1. Herrlich. Ich wundere mich noch, dass Basecap nicht noch den Schritt von NDA zu NSA gemacht hat. Immerhin nur ein Buchstabe Unterschied. Letztlich sind es doch solche Typen, die einen Cafe Besuch lebenswert machen. Ich kann mir schon vorstellen wie Basecap innerlich die Dankesrede für den besten Film bei den Academy Awards fertig hat.

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    • Wenn er seinen Redefluss auch nur einmal kurz unterbrochen hätte, wäre ich vielleicht sein Drehbuchautor geworden.
      Ich habs echt versucht.
      Und so wird er die Rede wohl in meiner Abwesenheit halten müssen.

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      • Ich höre da so einen negativen Unterton raus. Wahrscheinlich ist Dir nicht bewusst, wer Basecap ist und wie dankbar Du sein kannst, dass er euch an seiner Weisheit hat teilhaben lassen. Was nützt ihm ein guter Drehbuchautor, der nicht weiß, wie man eine Rolle für Angelina schreibt 😉

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      • Das ist doch das Problem. Basecap sieht vor seinem geistigen Auge wie Angelina sich bemüht die Rolle ihres Lebens zu bekommen und wird für Basecap und den Griechen alles tun. Wenn Du allerdings Angelina bereits in der ersten Szene erschießen lässt, dann wird es schwierig sie davon zu überzeugen.

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