In die Vergangenheit…

Emporgeholt, aus den Tiefen des Blogs.
Ein Sommertext im nahenden Winter.

Es ist kurz nach 8, Sonntag morgen.
Auf dem schnellsten Weg ging es heut morgen ab in die Berge…
Irgendwo, bei Rottach Egern, für mich: Klein Kanada, ohne Bären und Elche.

Ab vom Schuss und doch nur wenige Meter von der Strasse entfernt, die trotzdem, dank Steilwand unerreichbar ist.

Mobilfunknetz? Fehlanzeige.
Ich bin offline… tippe ins iPad, irgendwo wird es schon wieder eine Anbindung geben.
Ausser zwei Flaschen Bier habe ich noch ein paar Brote dabei.. Ich wollte mehr einpacken, aber plötzlich hatte ich es eilig, wollte raus aus dem Haus.

In die Stille, die innere.
Mittlerweile ist die Sonne um die Biegung und über die Felswand gekrochen. Es wird warm, richtig warm…
Faktor 50 liegt auch zuhause.. super, gut gemacht.

Hier war ich als kleiner Junge, als alles noch einfach war und Eidechsen mein täglicher Höhepunkt gewesen sind.
Eidechsen sehe ich heute nur noch eine.
Ich bin zu laut, zu ungestüm, zu ungeduldig, erhasche dennoch einen Blick und sie ist verschwunden. Früher wäre ich verharrt, bis sie wiedergekehrt wäre, hätte sie mit bloßen Händen gefangen, das Gefühl ihrer trappelnden Füße in meiner hohlen Hand genossen.
So ändern sich die Zeiten.
Der Ort jedoch hat seinen Zauber über Jahrzehnte bewahrt.
Wird ihn noch bewahren, wenn ich und alle anderen schon lang nicht mehr sind.
Das hat für mich etwas ungemein beruhigendes.

Ich bin gern hier, einmal im Jahr muss ich hier her. Es treibt mich…
Vielleicht ist es die Sehnsucht, mit der Erfahrung von heute noch einmal klein zu sein.
All dem, was mich geprägt hat, aus dem Weg zu gehen, es besser zu machen, wenigstens anders.. Wenigstens hier.

Ich könnte mich beeinflussen, aber all die anderen, die mich zu dem gemacht haben, wer ich bin? Auch sie haben ihre Spuren in mir hinterlassen.
Nein, es würde nicht helfen…
Es ist wie in Sartres „Das Spiel ist aus“.
Die ewige Tretmühle, geprägt von Wiederholungen immer des Selben..

Ok, trotzdem mag ich es hier.
Es verbindet mich mit dem kleinen Jungen, der ich mal war, manchmal, im Zorn, noch immer bin.

Der Wasserfall rauscht, nur selten ist etwas Lautes kein Lärm.
Wasser, schon immer war ich mit Wasser verbunden..
Genieße das Gefühl, wenn das Nass mich umschließt. Und immer lieber zu kalt als zu warm.

Was sagt das über mich aus?
Ich weiß noch, als ich klein war, in dem Hinterraum unseres Buchgeschäftes, dass damals auch Obdach war, viel zu klein, nur ein Raum für Mutter und mich. Dort war es oft kalt.
Ich hab mich auf die harten Rippen der schwachen Zentralheizung gelegt, immer war es kalt.
Wahrscheinlich habe ich mich irgendwann am das Frieren gewöhnt. Daher das kalte Wasser.

Rauschen, Zirpen, ab und an eine Rabe. Ein echter Rabe..
Selten, aber scheinbar hier zu Hause..
Auch so eine Macke von mir und die ist bis dato unergründet.
Ich grüße Elstern, Krähen und Raben. Von Herzen…
I simply do….

Heute war ich das erste mal seit Jahren im tiefen, infarktkalten Wasser, dass mich beinahe umgebracht hat, so kalt…

Ich wollte reinspringen, wie ich es als Junge getan habe.
Habe es dem kleinen Jungen nachgemacht und es war schrecklich schön.

Ich muss die Bilder holen gehen, muss diesen Gang tun, sie heraussuchen.
Der Gang, ist der Gang nach Hause, zu meiner Mutter. Dort sind die Bilder.
Ich will meinen Blick sehen, sehen, wer ich war. Woher ich komme. Will die Fotos.
Ich muss zurück in die Vergangenheit.

IMGP1883

IMGP1077

Anmerkung:
Monate später war ich da, habe mir meine Bilder geholt.
Es war gut, wichtig und voller Erkenntnis.
Die beste Entscheidung seit langem. Zum richtigen Zeitpunkt getroffen.
Die Bilder, sie existieren nicht mehr. Auf ihnen bin ich der kleine glückliche Junge, der ins Wasser sprang, dem nichts, beinahe nichts etwas anhaben konnte.
Dafür gab es andere Fotos, die ich vergessen hatte, nun endlich zu mir zurückgekehrt. Bei mir. Wieder in mir.

11 Gedanken zu “In die Vergangenheit…

  1. Schöne Bilder, schöner Text und Erinnerungen. Und ja, Eidechsen fangen, der warme weiche Körper auf der Hand, den Daumen auf dem Köpfchen und sie anschauen, das Muster der Haut, den Kopf die Augen, dann freilassen und wieder fangen. Ich weiß nicht ob ich es noch könnte.

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  2. Wege in die Vergangenheit, die kalt und bleich darnieder liegt, sie mögen nicht einfach sein. Dabei ist sie immer nur einen Schritt entfernt. Wie wir von uns selbst. Unserem kindlichen Selbst. Lasst uns alle springen: 1 … 2 … 3! 😀

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  3. ….▐▬▌A L L O★

    ☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞

    Ein wunderschöner BLOG EINTRAG ..Das ist echt schön geschrieben …

    ☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞☜♥☞

    Ich wünsche dir einen schönen gemütlichen Sonntag…glg,Laura♥

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