Meine Schrift

Meine Handschrift.
Ungeübt. Ungelenk. Krakelig.
Nur von mir selbst zu entziffern. Nichts für die Nachwelt.

Meine Schrift war nie schön. Hatte nie einen eigenen Stil.
Buchstaben sind Buchstaben. Nicht Zeichnung.
Heute sind es Krakel, hingeschmiert, der Stift mit verkrampfter Hand geführt. Keine Routine. Keine Profession.

Ich habe ein Notizbuch. Schreibe Gedanken und Fragmente hinein.
Ich erschrecke über die verblassende Fähigkeit, diese Worte angemessen aufzuschreiben.

Der Buchstabe, der kleinste gemeinsame Nenner, genutzt von denen, die Schreiben, er ist mir gleich.

Doch das Wort, das ist mir heilig.

Es quält mich zu sehen, wie grausam verstümmelt große Worte, geschrieben von meiner Hand aussehen, Worte wie „Liebe“, „Leben“ oder „Wasser“. Durch meine Handschrift deformiert, zur Karikatur verzerrt, das weiße Blatt beschmutzend, darniedergeschrieben.
So nieder, nah am Zerschmettern.

Es bekümmert mich, ihnen nicht das Maß an Schönheit zuschreiben zu können, dass sie verdienen.

Im Schreiben selbst liegt die Hoffnung, in den kleinen Notizen, den langen Texten, geschrieben von Hand, Mit jedem Wort die Hand, die den Stift hält lockernd.
Die Hand, findet zu ihrem gewohnten Griff, löst den Krampf, wird frei.
So schreibe ich mich in die Freiheit.
Ein um das andere mal. Ins Schöne geschrieben.
Das Entweihen der Worte zu enden.

So schrieb Goethe:
handschrift_werther

16 Gedanken zu “Meine Schrift

    • Nein, das ist Goethe….
      So sah Handschrift aus, als Tastaturen bestenfalls irres Gespinst im Kopf eines Einzelnen waren, als die Feder, meinetwegen der Stift noch die einzigen Werkzeuge waren, die Buchstaben zu Wörtern und Wörter zu Sätzen formten.
      Als Wörterschmiede noch in emsiger Handarbeit kostbarstes schufen.
      Das ist ein Schriftbild.
      Meine Handschrift ist es nicht im Ansatz wert, gezeigt zu werden. Leider leider…

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  1. Liebe, Leben, Wasser stehen ihrem Ausdruck für sich selbst,, sind unabhängig, sind, was sie sind.
    Sie Schrift und Wort werden zu lassen, impliziert die Bereitschaft, sich auseinanderzusetzen mit ihnen.
    Der Rest ist imho kosmetisch und Deine Schrift ein Spiegel Deiner selbst.
    Auch Deiner Sorgfalt für Dich selbst.
    Ich schmiere auch in meine Kladde.
    Doch einen handgeschriebenen Brief
    schreibe ich mit Genuss und Zeit, mein Wille, dass der Empfänger ihn gut und mit Freude lesen kann. Inhalt und Form…

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  2. Es hilft tatsächlich zum Ende zu lesen. War auch schon auf dem Zug Deine Schrift zu beneiden. Eine schöne Schrift ist etwas tolles, aber letztlich sind es doch die Worte selbst, die die Kraft haben. Klar ist es immer besser kraftvolle Worte in schöner Schrift zu lesen, aber im Zweifel ziehe ich die Kraft der Schönheit vor.

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  3. Warum bist du nicht Arzt geworden? Dann hättest du sagen können „das muss so sein“ 😉
    Wie viele Menschen haben wirklich eine schöne Handschrift? Deine Handschrift ändert sich oftmals schon mit der Hingabe, die du dem Schreiben widmest. Man kann sich besonders viel Mühe geben, man kann etwas „husch, husch“ schreiben, man kann neue Darstellungen von Buchstaben ausprobieren. Wichtiger ist letztlich doch, dass jeder seine eigene Note in der Handschrift hat.
    Vielleicht ist die Optik der Handschrift am Ende nicht deine Stärke – die Worte sind es aber! Und damit bist du vielen, vielen Menschen sehr weit voraus. Worte finden und durch Worte schön schreiben zu können, ist so viel stärker, berührender und schöner als eine ansprechende Handschrift zu haben.

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  4. Falls Du ebenfalls „Opfer“ hinterlassen hast…:
    Meine ehemaligen Lehrer haben eine Selbsthilfegruppe gegründet, weil sie darin gescheitert sind, mir eine lesebare Schrift anzutrainieren. Ich habe gefühlt zwanzig Deutschlehrer verschlissen 😉

    Ich hatte (bei meinen Gedanken) nie Zeit zum „sauber schreiben“.
    Na, dann war ich wohl doch nicht allein.

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