kurze Unterbrechung

In der Medizin ist eine Synkope eine plötzlich einsetzende, kurz andauernde Bewusstlosigkeit, die mit einem Verlust der Haltungskontrolle einhergeht und ohne besondere Behandlung spontan wieder aufhört.
sagt Wikipedia…

Ich nenn’ es kurze Unterbrechung oder Reboot.
Ich pflege einen lockeren Umgang mit der Synkope.

Dinge, die kein Mensch braucht:

Nach einer veritablen Nahrungsmittelvergiftung, Danke, lieber Imbissverkäufer, dezenten zwei Liter Flüssigkeitsverlust und klatschnassen Sachen, beschloss ich es, etwas ruhiger angehen zu lassen. Ein wenig.

Am Vortag hatte ich mir den Mist eingefangen.
Heisshunger hat es reingetrieben. Das Raus war eine ganz andere Angelegenheit.
Am nächsten Tag, in Erfüllung meiner Pflichten, das versprochene samstägliche Frühstück.
In der Nachbarstadt.
Der Weg dorthin, gemütlich bis anstrengend langsam.

Irgendwie ist es mir gelungen, zwei Stück trocken Brot und einen Kaffee, die Allzweckmedizin, zumindest für mich, unter Schweissausbrüchen und etwas gedämpfter Vitalität zu mir zu nehmen.
Held oder Idiot, wie nah ist das manchmal beisammen.

Den Nachmittag habe ich dann im Bett verbracht.
Ein wenig Schlaf brachte ein wenig Erholung.

Am Abend dann eine entschleunigte Version von mir.
Erfolgreiches Proben für “mein Leben in der Zeitlupe”.

Ist echt schön, wenn man mal einen Gang runterschaltet.
Ich muss die beiden Käfige für das halbe Dutzend Meerschweine (Manche Dinge wären besser Fiktion) noch sauber machen. Es waren keine Freiwilligen zu finden und die Armen können nicht in der eigenen Scheiße versinken.
Also runter in den Keller und Streu holen.

Der Weg runter, getrieben von der eigenen Schwerkraft ein Leichtes. Das bisschen Schweiss. Kein Thema.
Rauf, bepackt mit den beiden Beuteln Streu, ein anderes Thema.
Etwas mühselig.
Ziemlich mühselig. Ich keuche.
Hilfe, scheinbar nicht zu erwarten. Auch nichts neues.

Im ersten Stock angekommen, fühle ich mich ziemlich leicht.
Lustiger Tunnelblick.
Oh, und noch Reste des leckeren Hühnchens in mir. Not for long…
Das Licht geht langsam aus, wie am Ende der alten Bugs Bunny Filme, wenn der Kreis langsam kleiner wird, nur das bei mir kein grinsender Hase noch schnell eine Möhre knabbert.

Am anderen Ende der Tunnelröhre sehe ich, weit entfernt, eine Kloschüssel.
Wieso hab ich ein Fernglas vor den Augen und schau auch noch verkehrt herum durch?
Wieso ist alles so weit weg, aber dafür so herrlich abgedämpft…

Irgendwie verfehle ich die Schüssel, hänge dafür über der Wanne, kompaktes Bad sei Dank und ab da mach ich eine kleine Pause. Bin dann grad mal weg.

Ein leerer Raum, Boden, Decke, Horizont schwarz.
Musik, wie von Pink Floyd, vermutlich Pink Floyd.
Echos, alles voller Echos. “hütet euch vor den Echokugeln”, wie die schweizer Fledermaus aus Kalle Wirsch in Schwizerdütsch sagen würde.

Antworten, Begreifen, Ach du meine Güte, hier gibt es alle Antworten. Auf Gefragtes und Ungefragtes.
Muss sie mir merken… Die Fragen und die Antworten.
He, mach das Licht aus. Was soll das, hier sind Wahrheiten.

Badezimmer, Badewanne, unerfreulicher Anblick.
Meine zukünftige Exfrau faselt was von Krankenwagen, ich fasel was von “lass mal”.
Und dann sind sie da, jagen mir ne Spritze rein und ab da beginnt die unerfreulichste Woche meines Lebens. Und die überflüssigste.
Wegen einer Minute voller Wahrheiten.
Das ist nicht fair.
Ich konnte mir nicht mal etwas davon merken.

Echos

9 Gedanken zu “kurze Unterbrechung

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