Telekommunikation

Moment, ich geh’ mal in mich.
Wie war das früher mit dem Telefonieren?
Als Schallplatten noch der heißeste Scheiß waren und digital irgendein Wort, dass keinen so richtig interessiert hat.

Mit ein paar wenigen Ausnahmen, mein Freund B. hat mir irgendwann Anfang der 80iger zu erklären versucht, wie binäres Rechnen funktioniert, bla bla bla… Wo ist die Message? Mein Ding war das nicht.

Aber, wie war das nun früher, als nur Kirk ein tragbares Gerät zum unterwegs mit anderen sprechen hatte und CB Funk, der mir immer fremd geblieben ist, mal außen vor bleibt.

Da war über die Ferne miteinander in Kontakt bleiben, wie soll ich sagen? Archaisch war das.

Wir hatten ein Wählscheibentelefon, grün, Marke Post, die einzige Marke im Übrigen, mit Sonderausstattung, einem extra langen Kabel.
Wesentlich mehr Sonderausstattung gab es nicht.
Ok, den hübschen (haha) Stoffüberzug fürs Telefon gab es noch, aber den hatten wir zum Glück nicht.

Man musste während des Telefonats, dank des langen Kabels, nicht im Gang stehen, wo alle mithören konnten, durfte sich in sein Zimmer verdrücken und wenn mal für jemand anders einer dran war, konnte man das Telefon nebst sich träge entwirrendem Kabelgewölle, zu den Eltern ins Wohnzimmer bringen. Luxus!

Ich hatte Telefonverbot, ich hab’ zu viel und zu lang telefoniert, mein Rekord war irgendwas über 8 Stunden.
Selbst für heutige Verhältnisse noch achtbar.
Jaa, ihr Hipster, ihr Smartphonetelefonierer, macht das mal nach, da verreckt euch der Akku auf halber Strecke.

Telefonverbot also.
Meine Eltern hatten ein kleines Wählscheibenschloss ans Telefon montiert. Ohne den passenden Schlüssel war da nichts mehr mit Nummern wählen.
Dachten sie.
Das Schloss zu knacken, war ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen nicht möglich.
Glasklar, es musste anders gehen.

Die nächste Telefonzelle war einen halben Kilometer weit weg, meist besetzt und der Spaß kostete richtig Geld, 20 Pfennig pro 8 Minuten. Für Inlandsgespräche. Das ging wirklich nur im Notfall. Man beachte oben erwähnte 8 Stunden Gesprächszeit.

Die Lösung war eine andere.
Keine Ahnung, wo ich den Tipp her hatte, Internet gabs noch Jahrzehnte nicht frei verfügbar, in einschlägigen Zeitschriften stand das nicht, weil es keine einschlägigen Zeitschriften gab. So einfach war das damals.
Die Lösung war, Analog sei dank, die Nummer des Gesprächspartners, oder viel wichtiger, der Gesprächspartnerin, durch kurzes schnelles Betätigen der Gabel zu wählen.
Im Sinne von einmal drücken für eine Eins und fünf mal schnell drücken für eine Fünf.
Klappte ganz gut. Gelegentlich verwählte ich mich, egal, war ja nicht mein Geld.

Auf Dauer aber dennoch lästig, eine Alternative musste her.
Die war dann auch schnell ersonnen, nachdem ich entdeckt habe, dass sich unter der Notrufnummernabdeckung, in der Mitte der Wählscheibe, eine große Schraubmutter befand, die die Wählscheibe befestigte.
Sehr praktisch.
Flugs abgeschraubt, war das Telefon der Wählscheibe nebst Schloss entledigt.

Eine neue Wählscheibe aus Pappe anzufertigen, war dank Originalvorlage ein Leichtes.
Draufgeschraubt, gewählt, gesprochen.
Und ab da wurde es wieder teuer und sie haben es nie begriffen, wie ich es gemacht habe.

Zu gerne hätte ich in meinen Sachen von Früher noch diese alte Pappwählscheibe.
Nothing beats that.
Analog rules.

grünes_Telefon

Telefonschloss

28 Gedanken zu “Telekommunikation

  1. Wir hatten das gleiche Telefon.
    Zweimal.
    Die Sonderausführung mit 15 m Zusatzstrippe führte in den Partykeller, der übrigens auch genutzt wurde, wenn jemand ungestört alleine sein wollte.
    Telefonierend punktete einzig die wohlmodulierte Stimme, die sich bemühte, Gesten zu verbalisieren in stimmlichen Ausdruck: undenkbar in Zeiten von Facetime und Botox. Aber immerhin flirten sich die Jungspunde noch an, indem sie sich ihre Smartphones zeigen, der Charme eines Wähltelefons der Post ist wohl eher dezent zu nennen, das grüne Wählscheibentelefon (mit und ohne Gobelinüberzug) wirkte dabei eher subtil verhalten, doch es konvenierte trefflich mit bahamagrünen palmengeschmückten Badezimmerfliesen, biss sich jedoch mit den grünen Neonfarben des PC64, den Prilblumen und der allgegenwärtigen Modernisierung, die sich über P wie Plastik und C wie Chemie im binären Modus zu definieren schien.
    Plastickschick…das ist modern, Kind…

    Wenn man im Keller leise den Hörer des grünen Telefons abnahm, konnte man oben das Gespräch mithören.,,
    oh Schand über den heimlichen Lauscher an der Wand. ..
    dem es nur um den Kick ging, sich nicht dabei erwischen zu lassen.
    Ich hab Trio im Ohr, Stefan Remmler:
    Sabine, Sabine, Sabine..
    (Hommage an alte Telefonzeiten.)

    Gefällt mir

    • Oh, das heimlich lauschen hätt‘ ich mir auch nicht entgehen lassen. Wer weiß, was da so alles ans Licht gekommen wäre.
      Doch umgehend ergreift mich die Paranoia, dass auch meine Gespräche abgehört wurden…
      Ich muss bei alten Telefonen an Flash & the Pan denken, der immer so schön mit Telefonstimme gesungen hat, oder Rah Band – Clouds Across The Moon… Hello, this is your intergalactic operator 🙂

      Gefällt mir

      • Es war äußerst spaßig, jedenfalls meistens. Ich hatte keine Abgst, abgehört zu werden, weil ich Vertrauliches lieber in ein Paar Augen spreche und die Botschaft von Cobra, übernehmen Sie! verinnerlichte.
        Mein erster Freund, Elektronik-Crack, bastelte Mini-Spione und von daher hatte ich abhörtechnisch keine Illusionen mehr. 😉

        Der Song „Clouds across the moon“ löst noch heute wundervolle Gefühle aus…
        I will Try again…next year….
        Ich hielt das damals echt für dramatisch und heute…
        J.R. Ewing lacht nur darüber: hehehe
        und Pan Tau tippt an die Melone und schrumpft ins Hosentaschenformat.
        Ich will die Märchenbraut wiederhaben…

        Gefällt mir

  2. Zu deinem Text fällt mir ein: Ruf doch mal an! 😀

    Gestern habe ich lernen dürfen, dass die Telekom nun doch die Internet Flatrate nicht abschaffen (darf!) wird. Aber haben die jetzt nicht auch einen neuen Chef? Na ja … Dafür soll der Mobilfunk vermutlich wieder im Preis steigen. Indirekt versteht sich. Flatrates dort ade? Hm … Smart ist das nicht. In den USA und Kanada telefoniert man soweit ich weiß viel günstiger mobil. Wo das Problem in Europa liegt verstehe ich nicht. An den geldgierigen Fingern, der Konzerne?

    Gefällt mir

    • Check mal die Mobilfunkpreise in Österreich.
      Dann merkst Du recht schnell, dass das kein europäisches Problem ist, sondern einfach der Tatsache geschuldet ist, dass wir lediglich hier bei uns abgezockt werden.
      Ist schon hochunterhaltsam, (not!) wenn man erkennen darf, dass die gleiche Leistung wo anders wesentlich günstiger angeboten wird…

      Gefällt mir

      • Ich habe mein Mobilfunkverhalten schon vor Jahren drastisch eingeschränkt. Doppelte Grundgebühr zahlen ist für mich ein schlechter Witz. Österreich also? Okay ich gehe 😀

        Gefällt mir

  3. Ich bin noch aus der Zeit, als endlos telefonieren 20 Pfennig kostete. Ich musste immer heimlich in die Telefonzelle an der Strassenecke. Kein Spaß bei 36 Grad im Schatten. Das ein oder anderemal kam ich völlig dehydriert wieder zurück. Dann gab es Wasser mit einem Löffel Zucker drin.
    Als dann auf 8 Minuten limitiert wurde, musste ich meine Telefonate kürzen.

    Oliver 2.0

    Gefällt mir

    • Da war dieser Spruch in den alten Münztelefonzellen: Fasse Dich kurz!
      Da galt es noch als unhöflich, lange zu telefonieren, wenn draussen schon der nächste wartete.
      Do you remember: Am Abend, als die Immobilienanzeigen in der Süddeutschen waren, da musste man zu zweit zum Sendlinger Tor, einer hat die Telefonzelle besetzt, der andere hat schnellstmöglich versucht, eine Zeitung vom Verkäufer zu ergattern. Those were the days…

      Gefällt mir

  4. Mein lieber Faktoid, ich stelle fest, dass Du sehr privilegiert aufgewachsen bist. Erst das Bonanzarad und jetzt das grüne Telefon. Ich musste mit dem grauen aufwachsen 😉 8h telefonieren. Respekt. Es stimmt schon. Das gemeinsame Telefonieren war ein sehr guter Indikator, ob etwas zu einer Beziehung werden konnte oder nicht. 8h habe ich nie geschafft, aber aus Sicht meiner Eltern auch zu lange gesprochen.

    Gefällt mir

  5. Au Mann, wir hatten so ein Telefon in der WG …und dort auch das Problem, dass es stundenlang belegt war. Weil einer der WG-Genossinnen ihre Beziehungsprobleme mit ihren freund, der übrigens zwei Straßen weiter wohnte, ausdiskutieren musste. Hätte ich damals den Trick mit der Zelle gekannt…Ein Wählscheibenschloß haben wir anderen auch erwogen. Ich machte es anders: ich stöpselte das Telefon immer wieder aus und nahm es mit auf Reisen…irgendwann hat sie (die Wg-Genossin) es kapiert, mit dem Ollen Schluss gemacht und ist ausgezogen…

    Gefällt mir

    • Ich versuch‘ gerade mal den Transfer auf den heutigen Stand, über den dann in zwanzig Jahren geschrieben wird (geschrieben, haha).
      „Als ich nur alle 6 Monate ein neues Telefon gekauft habe, teurer als sein Vorgänger und noch fehlerbehafteter. Mann, waren das wilde Zeiten. Wir mussten zum Telefonieren das Gerät ans Ohr heben…“

      Gefällt mir

Was gesagt werden muss...

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s