Die andere Seite…

Randfiguren.
Lästig im Anblick.
Ungeliebt.
Am liebsten aus den Augen, aus dem Sinn.

Dennoch.
Im Stadtbild präsent.
Nicht mehr wegzudenken.
Erst die, dann hoffentlich später, viel später, ich.
Befürchtenswerterweise wohl nicht vermeidbar.
Unvermeidlich.
In langsamer Fahrt unaufhaltsam darauf zusteuernd.
In absurder Umgebung, das Ziel klar vor Augen.

Armut.
Ohne Obdach.
Hunger.

Nicht im Osten, nicht im heißen Süden, nicht in der Steppe, nicht im Urwald.
Hier.
Zwischen Schaufenstern, voll mit Überfluss, voll mit falschem Frieden.
Hier.
Wo schwere Karossen mit dunklen Fenstern entlang gleiten, wo Alte in schweren Lederkombis Motorräder fahren, deren Wert Jahre des Essens bedeutet.
Einfach so, einfach mal eben gekauft und dann, wenn der Reiz verflogen, in die Garage gestellt, zu den anderen Kurzzeitersatzbefriedigungen.

Hier, im Juni, im August, im kalten Dezember, im eisigen Februar. Immer voll mit Hunger, ganz im Frieren, im Kalt, im Klamm. Nur die Geldbörsen, die sind leer.

Schlafen, unter Brücken, neben eisigem Nass, der Lungenentzündung wieder ein wenig näher.

Wer da noch sagt, man wäre selbst Schuld, man hätte es ja in der Hand, ist ein Zyniker vor dem Herrn, der schlimmsten Art.

So schreibe ich das nieder, in Unfrieden mit mir, mit denen die haben. Ohne Macht. Kein Handeln, dass sichtbar hilft, nie das ganze Elend lösend, wenn, dann nur dem Einzelnen von kurzer Hilfe. Kein Lichtblick, keine Rettung, nur kurz ein Erhellen, so schnell vorbei, so schnell vergangen.

Und wieder ist es Weihnachtszeit, die Gärten sind geschmückt mit hellen Lichtern, 1000 Rudolphs mit roten Nasen, abertausend dämlichen roten Männern, die sich abseilen, blinkend, leuchtend. Im Wettstreit mit dem Nachbarn, Im Gleichtun, im gefallen wollen, im Zwang.

Im Kauf nicht einen Moment verharrend, wenn wieder Überfluss den Besitzer wechselt, später Tand gegen Tand getauscht wird.
Und oh so bald vorüber, die Lieder verklungen, die Dekoration nur noch dem Abbau harrend.
Dem nächsten Irrsinn, der geistlosen Indenhimmelknallerei entgegen sehnend.
Wo früher die Alten die Schultern hochzogen, bei all dem Sirenenklang und Böllerschlag, herrscht trunkene Freude statt Ruhe und Frieden.
Immer getreu dem Wort, dass Bradbury so weise niedergeschrieben hat, dass man nur lauter machen müsse, wenn das Interesse schwindet.

Mir graut vor diesen Tagen, dem Blendwerk, dass sie sind, dem Sinn, sich kleine Freuden zu bereiten, so sehr entzogen.

Jahr um Jahr vermag ich schlechter, nur mit stetig wachsendem Zweifel, dass Wenige, dass ich kann, zu spenden.
Hege Argwohn, wittere Betrug und Selbstbereicherung, bei all dem organisierten Spenden und Elend.
Weiß nicht, wem ich noch trauen kann, weiß nicht, wie ich es verteilen soll, das wenige.

Google, sonst nie um Antworten verlegen, muss passen, wenn es darum geht ein Vergleichsportal anzuzeigen, dass mir die Organisationen aufzeigt, bei denen ich nicht die Mitarbeiter, sondern den eigentlichen Zweck finanziere.

Ich hatte meinen Lebkuchen schon, das langt. Mehr brauch ich nicht.

road to nowhere

4 Gedanken zu “Die andere Seite…

  1. Aber kann man es nicht einer Organisation in seiner Stadt, z.B. der Tafel, schenken?! Oder kann man nicht einem der bekannten Pennern einfach mal ein Lahmacun kaufen oder einem seine (älteren) Handschuhe geben?

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