Die Insel

Die Insel war nicht wirklich eine Rettung.
Sie war karg und leer.

Seine Knie, die Hände, alles zerschunden.

Die Insel wollte ihn nicht, hatte sich gegen den Eindringling gewehrt.
Bot Wellen und schroffe Felsen auf.
Ließ ihn nur widerwillig auf das Land.

Die Insel war kein Ort zum Leben, kein Ort zum Überleben.
Sie war Feind von allem, was von ihr zehren wollte.
Gab nichts aus freien Stücken.
Barg kaum genug, um der Flut zu trotzen.

Eine Quelle gab es nicht, nichts, was den Durst lindern würde.
Kein Strauch, kein Baum, keine Höhle, nichts, was Obdach vor der Hitze des Tages, der Kühle der Nacht Schutz bieten würde.

Nachdem die Erschöpfung so weit aus ihm gewichen war, dass er sich erheben konnte, sich ein Bild von diesem Ort machen konnte, stieg eine Verzweiflung auf, die größer war, als die langen Stunden, die er in den Fluten verbrachte.
Als er sich nur noch an eine Planke klammerte, sich noch immer vor den Tiefen zu retten versuchte.

Er sah, dass es nichts gab, was ihm hier zu Hilfe kommen würde.
Er trug nichts bei sich, nur Fetzen. Die Schuhe, abgestriffen, schon längst versunken.
Hier war nichts, kein Frieden, kein Stillen des Hungers, des quälenden Durstes, kein Schatten, nichts was ihm Erholung bieten würde.

Die Stunden hier, sie zehrten, wie die Stunden auf dem Wasser.
Er war mehr als angezählt.

Niemand, nur er selbst würde das Handtuch werfen können.
Kapitulation, der letzte Ausweg.

Hier war nichts, was ihm dienlich sein würde.

Er machte kehrt.
Ging ins Wasser, schwamm weiter.
Weg von der Illusion, dass hier die Not geringer wäre, als dort, von wo er kam.
Hier draußen würde er, wenn die Zeit gekommen war, sanft hinabsinken.
Die Insel bot ihm nichts.
Ihr würde er sich nicht hingeben.
Er schwamm, langsam, gleichmäßig, ließ sie hinter sich.
In die Nacht.

Insel

4 Gedanken zu “Die Insel

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