Der Fluch des Banalen

Noch einmal, vielleicht nicht das letzte Mal, kehre ich zum Blindtext zurück.
Mit einer Mischung aus verletztem Stolz, leichter Verärgerung und einem gehörigen Maß an Verwunderung.

Lorem Ipsum, dieser verfluchte Schwachsinn an zerhackstückeltem Latein und anderen grammatikalisch, interpunktiven Tretminen ist der meistgelesense Text der vergangenen Woche. Ich korrigiere, des letzten Monats.

Ist klar, ich habe die Nachricht verstanden.
Wozu hänge ich mich an den Tropf, zapfe, einem Blutspender gleich, Seele und Gedanken ab, wenn Phrasen aus dem Generator http://loremipsum.de mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung erhalten.

Ja, das kleine Schreiberherz ist getroffen, pumpt nur noch schwer und unter Schmerzen.

Ich bitte von Beileidsbekundungen und Spendenaktionen abzusehen. Die wahre Stimme der Leserschaft hat schon im Urteil über das Ipsum gesprochen. Da gibt’s kein Zurück mehr. Das steht schon da, schwarz auf weiß.

Einst schrieb ich einen Verriss über Oasis https://foodandwineporn.de/2013/08/09/oasis-pah/ , deren Unfähigkeit, eigenes zu erschaffen, deren Armseligkeit, verglichen mit dem Genius eines Lennon, eines Mccartney (Sir…), geschrieben mit dem hypnotischen “Tommorow never knows” im Ohr.
Auch hier brandete mir, gemessen an den damaligen Zugriffszahlen eine beachtliche Menge an Abspruch meiner musikalischen Kompetenz und Urteilsfähigkeit entgegen.
Gut, damit kann ich leben, das dieses Oasis Ding zum meist gelesenen Text des August wurde. Ist in Ordnung. Da standen Worte, zu Sätzen zusammengefügt, die, sagen wir mal, Sinn ergaben. In deutsch.

Wodurch sich allerdings das Maß an Zuwendung zu Lorem Ipsum erklärt, mir ist es ein Rätsel.
Und auch Ansporn.
Arbeite ich doch schon seit Jahren fieberhaft an dem RTG – dem RandomTextGenerator. Erstmal in Betrieb genommen, wirbelt er Phrasen und Worte furios herum, setzt immer neue Sätze zu sinnfreien, landessprachlich verständlichen Satzungetümen zusammen.
Die offene Betatestphase ist seit Jahren im Bundestag im Umlauf. Ich muss das nur noch um das Lyrikmodul erweitern.

Nicht mir mir, geschätzte LeserInnen. Nicht mit mir!

Fuck Lorem

15 Gedanken zu “Der Fluch des Banalen

  1. Guten Morgen an den verärgerten, in seinem Stolz Gekränkten,

    da ich kein Lateiner bin, war meine erste Tat nach dem Lesen der Überschrift zu googlen, was sich hinter den Worten Lorem Ipsum verbirgt und Google klärte mich auf, daß es mehr oder weniger ein Nicht-Unsinn-Text ist, den Layouter für ihre Arbeit benutzen als Sinn im Unsinn, also war mir klar, daß Sie uns Leser auf ein nicht vorhandenes Glatteis führen und etwas austesten wollten.ich habe es als einen HUMORIGEN Spielversuch betrachtet und dementsprechend war mein Kommentar.

    Ich verstehe die Gekränktheit überhaupt nicht, was haben Sie denn erwartet? Wäre es Ihnen lieber gewesen, wir hätten diesen Artikel ignoriert?
    Vielleicht sind wir Leser verführt worden, damit ebenso spielerisch umzugehen und „gelesen“ hat diesen Text wohl in seiner ganzen Länge wirklich keiner.
    Auch die Aufforderung an Sie, den Text zu übersetzen, habe ich seitens der Kommentatoren als „Neckerei“ aufgenommen.

    Sie sollten sich als Autor davon frei machen, was, wann und wie oft angeklickt, geliked oder kommentiert wird, nicht jedes Thema interessiert jeden gleich, auch wenn es Ihnen im Moment des Schreibens wichtig vorkommt.

    Ich wünsche ein schönes Wochenende und es grüßt

    Karin, die auch nur „banale“ Kommentare schreibt.

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    • Da sag ich einfach mal.: nur nicht alles ernst nehmen, was hier so geschrieben steht, ists doch nur Spiel mit Worten. Hier ist Platz für Nachdenkliches und Unterhaltsames, so es gelingt, aber sicher nicht für echten Ärger. Hier erlaube ich mir mal einen Smiley 😉

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  2. Ärgere Dich nicht. Vielleicht hatten einige der Anderen auch ein hintergründiges Rätselwerk vermutet…freu Dich doch, dass so viele Interesse an Deinem Einfall hatten und es amüsant gefunden haben, in die Fälle getappt zu sein. 🙂

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  3. Was das nicht von dir so herausgefordert, weil der eigentliche Text schon Fragen aufwirft und du in einem der nächsten oder dem nächsten Eintrag auf ihn rückverweist -und nun gleich noch mal?

    Man könnte dir da auch Manipulation unterschieben. 🙂

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  4. Oh Herr Faktoid! Wie ich Ihren Unmut verstehe. Da schreibt man sich die Seele wund und die Fingerkuppen und was ist der Dank?! Soll ich Ihnen mal verraten, was bei Bittemito die meistgelesenen Artikel sind? Der Schweinkram! Die Verwegenen Verse. Pseudopornoschund, den ich nur schrub um Aufmerksamkeit zu erregen. Ich habe und bin erregt! Ausnahmsweisezwinkersmiley.

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    • Es gibt da gewissen Kur-Anstalten, Sie wissen schon, Blogging Burn-out-Syndrom ist die Kerndiagnose, da darf man tagelang in mollig warmen Wortfetzchen baden, kriegt Fangopackungen aus alten Intelligenzmagazinen auf den Rücken geklebt, all das zur Wiedereingliederung in normale Schreibprozesse ohne erklärbare Ursachen, mit implizierter Fantasielosigkeit…

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  5. Die von mir erdachten Knüller fanden kaum Beachtung, die leeren, hohlen Zeilenfüller – zig Kommentare. Nehm ich das richtig wahr?
    Ich habe mich dann gefragt, für wen ich schreibe. Was die ursprüngliche Motivation: Für mich. Zwischendrin kam der Ehrgeiz dank hoher Leserzahlen. Die gehen jetzt zurück. Für wen schreibe ich nun? Für mich.
    Die Lesezahlen gingen zurück, die Abonnentenzahl stieg. Egal, ich schreib für mich.

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