Selbstwahrnehmung und Realität..

Wo soll es denn hin gehen?
Was ist der Maßstab, die Messlatte?
Ist alles, was man tut von vorne herein schlecht, weil es immer irgendwo jemanden gibt, der es besser macht..?

„Nicht wichtig“, sagen die Einen, „mach’s doch besser“, „du kannst es besser“, die Anderen. Wo ist die Wahrheit?

Wie Abhängig mache ich mich von äußerem Urteil? Wird etwas automatisch schlechter, wenn es von außen mäßig oder schlecht be-, verurteilt wird?

Mann, mann, mann, was für idiotische, ins Nichts führende Gedanken…. Mach’s weg.. kusch….
Ich schiebe es mal auf die Hitze..

Stevie Wonder spielt Master Blaster aus seinem letzten guten Album Hotter than July….
Reminds me of days long ago.

Da war ich 15, 16.. Der erste Sony Walkman kam ein Jahr vorher auf den Markt. Unerschwinglich, Lichtjahre weit weg von meinen finanziellen Möglichkeiten.
Ich hab‘ mir ein altes, mit Kompaktkassetten funktionierendes Siemens Diktiergerät, dass natürlich nur Mono war, zum Walkman umgebaut.
Es war nur doppelt so groß wie der Sony… Die Akkus hielten dafür auch nur halb so lang…

siemens

Der Stereo Kopfhörer, mühselig, in zahllosen Versuchen, umgelötet auf Mono, beschallte dann wenigstens beide Ohren.
Die billigsten, die ich in einem der Elektroläden in der Schillerstraße bekommen konnte.. Die 10 Mark Klasse..
Peter Murphy von Bauhaus kreischte „Bela Lugosi is dead“ und sie haben mich aus dem Bus geworfen, weil’s so laut war..

Ich war ich und das war gut. Ich war Punk.. Halbpunk zumindest.. selbst genähte knallenge Hosen, die Nähte permanent aufgeplatzt und wieder zugenäht. Meistens mit der Farbe des Stoffes. Meistens.

Die Haare mit Seife knallhart präpariert.. Gab es damals schon so etwas wie Geruchswahrnehmung? …Ich befürchte es.
Mein Vater hat mir einige Jahre vorher den Windsor Krawattenknoten beigebracht.
Dementsprechend gab es statt andauernd zerschlissenen T-Shirts ab und an obenrum ein mehr oder weniger (weniger!) gebügeltes Hemd mit 1A gebundener Krawatte, die ich meinem Opa irgendwann aus dem Schrank geklaut hatte (sorry…)

Musik und Punk war damals mein Lebensinhalt.
Vor allem Musik.

Eine Platte kaufen und dann wochenlang, wie ein Verhungernder konsumieren. Bis es wieder etwas Frisches gab.
Wie der Protagonist aus der Schachnovelle, jedes Fitzelchen, jedes noch so kleine Detail aus dem Angebotenen extrahieren.
Die Lyrics, die Credits, die Bilder. Querverweise einprägen..
Ich wollte alles über die Musik wissen, restlos alles.

In vielen Jahren habe ich ein recht großes Wissen über Musik, später auch Filme in mir angereichert. Bis heute weiß ich nicht, wozu.
Es ist einfach da und wartet auf Anwendung. Welche? Keine Ahnung.

Ich habe eine iTunes Bibliothek mit rund 15.000 Liedern.
Neulich habe ich mir aus Langeweile eine intelligente Playlist gebastelt.
„Zeig‘ mir alle Lieder, deren Playcount kleiner 1 ist, sprich, alle Lieder, die noch nie gespielt wurden.“
Im Moment sind es um die 4000.
Das wäre mir früher nicht passiert.

In den 80igern habe ich stundenlang übe die Zusammenstellung eines Mixtapes gebrütet. Wer nicht weiß, was das ist, darf Wikipedia bemühen, unfassbar, selbst dafür gibt es einen Eintrag.
Erklärung Mixtape

Ich hatte einen Kassettenrekorder, das krudeste Modell, dass es gab. Aber ich konnte meinen Plattenspieler, irgendeinen NoName Schrott, anschließen!
Die Kassette wurde seitlich eingeschoben, es gab nur einen Schlitz, die Bedienung erfolgte über knochenstauchende Tasten. Das Tape wurde mit Hilfe eines Hebels, den man wie den Mechanismus eines Kaugummiautomaten drehen musste, ausgeworfen. Ohne Münzeinwurf.

siemens trabant

Später war mir klar, warum sowohl bei dem Diktiergerät, als auch bei dem grünen Monster die Typenbezeichnung „Trabant“ war..

Egal, ich habe Mixtapes aufgenommen und verschenkt. Jede(r), die/ der jemals so etwas geschenkt bekommen hat, weiß um die Mühen, die darin gesteckt hatten.
Gelegentlich hat es sich gelohnt 🙂
Wenn man, bzw. ich mit dem „Lohn“ etwas anzufangen wußte. Ich war jung.

Was soll’s: Tempus fugit – amor manet

Mixtapes sind tot, wahllose Konsumation von Musik ist das Motto heute.
Playlists stellt iTunes, dank mediokrer Genius Funktion, selbst zusammen und eine Krawatte habe ich nicht mehr zum Üben.
Die ist verloren gegangen.

6 Gedanken zu “Selbstwahrnehmung und Realität..

  1. diese herrlichen Jugendfanalitäten…..jede Jugend hatte sie auf ihre Weise, die sich dann im Laufe des Lebens wieder verlieren oder normalisieren…und doch trauert man seinen Verrücktheiten immer wieder nach….manche leisten sie sich dann wieder im hohen Alter, aber das steht auf einem anderen Blatt (ich meine jetzt nicht etwa Demenz oder Alzheimer, nein, sie nehmen sich wieder neue Freiheiten).
    Kramen Sie weiter in den Erinnerungsschubladen, es macht Spaß sie zu lesen.

    Einen Sonntagsgruß in den hier grauen Morgen

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