Digital vs. Analog

Gedanken zur Beständigkeit, zum Fortschritt und in meinem Fall, Rückbesinnung zu Bewährtem, nicht dem Zeitgeist blind folgenden, nicht dessen verpflichtet sein, was gerade gut und teuer ist.

Ich habe hier schon Liebeserklärungen https://foodandwineporn.de/2014/01/21/liebeserklaerung/
an die Schallplatte verfasst, kleine Oden an die Kompaktkassette https://foodandwineporn.de/2014/01/05/selbstwahrnehmung-und-realitat/ und das Mixtape geschrieben.
Der Vergangenheit und dem, was auch nach Jahrzehnten noch besteht zu huldigen, war mir ein Bedürfnis.

Digitalkameras produzieren, neben dem obligatorischen Smartphone Unmengen von Bildern.

Mittlerweile bin ich angesichts von tausenden Fotos, bearbeitet oder roh, etwas paranoid, was den Verlust Derselben betrifft.

Ich kopiere in regelmäßigen Abständen riesige Datenmengen zwischen mehreren Rechnern hin und her, lade Daten in die große Datenwolke, bin kurz gesagt, milde hysterisch, was das Ableben dieser Daten betrifft.

Datenträger, wie eine selbstgebrannte DVD meinetwegen, verfallen nach wenigen Jahren, selbst erzeugte CDs ebenso.
Bandsicherungen? Nein, nicht zu Hause. Zu aufwändig.

Abtippen auf Lochkarte? Schöne Option. Wie groß ist die Datenmenge, die eine Lochkarte erfasst? 80 Byte immerhin, das wären bei durchschnittlichen 5 MB pro Bild nur lächerliche, ich runde mal ab, 65.000 Lochkarten pro Bild.

Nicht sehr effektiv. Ich bekomme einfach nicht genügend Lochkarten her, deshalb streiche ich diese Option, obwohl es immerhin schon Papier ist, dass ja bekanntlich geduldig ist.
Feinsinnige LeserInnen werden die Ausrede wohl erkannt haben.

Wo alle Speichermedien versagen werden,
in fünf – 10 Jahren wird eine USB Schnittstelle ferne Vergangenheit sein, eine SD Speicherkarte ein Fremdwort und JPG ein lange überholtes Dateiformat, dass vielleicht seinen Namen, jedoch nicht seine Funktion beibehalten haben wird, wo das alles versagt, werden Lösungen gebraucht, die von Dauer sind.
Die dem Fortschritt entgegentreten.

Was bleibt?
Simpel. Ab ins Fotolabor mit den Bildern.
Beinahe jede Woche gibt es bei irgendeinem Fotolaboranbieter eine Sonderaktion, die Abzüge für wenige cent bietet.
Hochladen, bestellen, warten, ab in den Schuhkarton damit.

Sicherlich auch nichts für die absolute Ewigkeit, die Chemie des Materials lässt’s schon auch verfallen, aber gemächlich.

Und selbst wenn es verfällt, es verblasst ja nur, verbirgt nicht alles auf alle Ewigkeit, wie ein digitaler Datenträger, der eine Macke hat, sondern verblasst nur ein wenig.

So wie eine Kompaktkassette etwas dumpfer wird, die Schallplatte einen Knackser hat oder das Buch ein Eselsohr oder einen Riss.

Der Inhalt ist jedoch noch immer erkennbar.

Ein Lächeln auf einem Foto verschwindet nicht mit dem Alter.
Selbst, wenn nur noch eine verschwommene Andeutung erkennbar ist, es bleibt ein Lächeln.
Und das ist ein schöner Gedanke, nicht wahr?

Das Analoge erlaubt Unschärfe, Ungenauigkeit, kann Rauschen und nur noch in Fragmenten existieren und wird dennoch nicht seinen Informationsgehalt verlieren.

Nichts, von dem, was hier geschrieben steht, ist von Dauer.
Texte, die wenige Tage alt sind, werden kaum noch hervor geholt.
Stets fordert der Leser neues, will unterhalten sein.
Einmal gelesen und zack, weiter zum Nächsten, der etwas anzubieten hat.

Gedruckt in einem Buch.
Das ist das Ziel.
Das hat Bestand.
Papier nur für die wichtigsten der Botschaften.
Nur dem wahren Gehalt vorbehalten.
Alles andere ist nur Blendwerk, Fastfood, ohne Wert, noch schlimmer, ohne Bestand.

Ohne Strom, ohne Netzwerk, ohne Computer, ohne Software kein Geschriebenes.
Schlägt nur eines fehl, ist Stillstand.

Darum endet hier, was enden muss.
Denn dort schreiben, wo keine Zukunft ist, ist wie Schreiben auf Einwegpapier, dass unter dem Stift, wenn Gedanken fließen, in feinen Staub zerfällt, ins Unwiederbringliche vergeht.
Ist vergeben.
Schade um den Geist.
Es endet.
Hier.
Jetzt.

Danke.

Verstand Versoffen

11 Gedanken zu “Digital vs. Analog

  1. Wenn Du sagen würdest:
    Ich schaffe nicht mehr zu bloggen, weil ich arbeite,
    weil ich eine Freundin habe, weil ich andere Freunde habe, weil mein Leben sonst zu viel wäre, mit all diesem Blog und seinen Kommentaren und dem lesen bei anderen…dann…
    …könnte ich Dich verstehen und würde sagen: Tschüss, machs gut.

    Aber..Du machst das an etwas anderem fest.
    Denn der blog ist Dir nicht erfolgreich genug, wie Du sagst.
    Andere würden Deine alten Sachen nicht lesen.
    Damit tust Du jedem blogleser Unrecht, der anders ist, der nicht oberflächlich ist, der nicht entertaint werden will, denn auch diese gibt es, die mögen Dich als Mensch und was Du schreibst und wieso Du das tust und sie sind nicht einmal so selten.
    Ich lese sie in Deinen Kommentaren und sie nehmen sich für DICH Zeit.
    Denen tust Du Unrecht.

    Denk mal drüber nach.

    Die Karfunkelfee

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  2. Man müßte eigentlich akzeptieren, kann es aber nicht. Ich pflichte der Karfunkelfee bei und fühle mich auch getroffen. Ich lese noch nicht lange bei Ihnen, aber selbst in der kurzen Zeit haben Sie meinen Gedanken so manches mal auf die Sprünge geholfen, in eine neue Richtung gelenkt gar. Sie wollen für die Ewigkeit schreiben? Aber das liegt doch gar nicht in Ihrer Hand! Ihre Worte ziehen hinaus, unterwandern andere Geschichten, spiegeln sich wider in vielerlei Wortgetümmel…
    Wie gesagt: Man müßte akzeptieren…was bleibt einem denn übrig.
    Alles Gute wünsche ich Ihnen trotzdem oder gerade deswegen.

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  3. Oftmals hatte ich erst die Idee und den Mut zu schreiben, nachdem ich etwas von Dir gelesen habe.

    Ich kenne den Punkt, an dem Du jetzt stehst, gut. Sehr oft habe ich Accounts und Blogs gelöscht.

    Ich verstehe Dich, finde es aber trotzdem schade.

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  4. virtuelles Handhaben …hire und fire…..
    schade, denn auch ich schließe mich vorbehaltlos den beiden Kommentatorinnen vor mir an. Sie wissen doch gar nicht, wann und was und wie viel wir in Ihrem Blog stöbern, Sie möchten Resonanz, die, die wir Ihnen bieten, reicht Ihnen nicht aus, Sie erwarten etwas anderes.
    Auch ein Buch wandert oft ungelesen in der Ecke…ist also auch kein Garant und wenn ich sehe, was alles gedruckt und veröffentlicht wird, zumal in den Verlagen, die die Autoren damit verlocken für ihr erstes Buch auch noch selber Geld zu investieren, dann ist ein Buch nicht die Krone der Schöpfung…es tut nur dem Autoren gut, sagen zu können: schaut ich wurde gedruckt, befriedigt seine Eitelkeit.
    Den Wünschen von Frau Knobloch schließe ich mich ebenfalls an

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  5. Vielleicht ist es ja die richtige Entscheidung, zu stoppen. Spätestens seit den Lore Ipsum Texten erwecktest du den Eindruck eines wenn man so will Ghostwriters, also das Schreiben dem Gefallverhalten der Leser anzupassen. Mit harscher Kritik (Oasis) hattest du zu kämpfen und generell arbeitest du noch deine Vergangenheit auf (Kindheitserinnerungen, früher war alles vielleicht besser).
    Vielleicht muss man da drüber stehen bis man seinen Weg gefunden hat, unabhängig von den likes und sonstigem.
    Naja, ich glaube ein paar meiner Kommentare sind auch bei dir hängengeblieben, mit und ohne Antworten.
    Finde deinen Weg, das wünsche ich dir.

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  6. Ich verfolge deinen Weg in die Melancholie schon eine Weile. Irgendwann bist du irgendwo falsch abgebogen. Das ist Schade. Ein Blog ist ein Blog ist ein Blog, Gedankenfetzen für die Ewigkeit. Schreib und bleib, oder wandere. In verstaubte Regale, in die Einsamkeit.

    Hast du Angst vor Kritik? Vor bösen Menschen? Du musst niemand fürchten, nur dich selbst. Erkenne dich und geh deinen Weg. Bleib oder wandere. Alles Gute dir, lieber Mann mit Katze.

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  7. Ich schreibe nicht, um eine Sinnkrise zu veröffentlichen.
    Ich schreibe, um gelesen zu werden. Von mir.
    Um Gedanken einen Raum zu geben, der größer ist, als mein Kopf.
    Selbst in den Momenten der ärgsten Not schreibe ich hier kein Tagebuch.

    Ich sage mal Danke für das Mitgefühl, aber das ist nicht der richtige Ort dafür.
    Mitgefühl ist in einer Eins zu Eins Situation essentiell.
    In einer Onlinewelt, wie auch WordPress eine ist, ist sie von der selben Irrelevanz, wie so vieles, was hier oder auf Facebook oder ähnlichen Orten geschrieben steht.

    Heute morgen gab es, in einem Gespräch über den obigen Text das Argument, dass auch Online durchaus Bestand hat. Wir haben uns dann auf Wikipedia als relevanten Ort geeinigt.
    Das kann ich nachvollziehen. Ich könnte nicht ohne Wiki leben.

    Wer hier schreibt, wer keine größeren Ambitionen hat, der soll damit glücklich werden.
    Ich bin zufrieden, habe vielleicht Ambitionen, jedoch keine, in dem Maß, dass es mein Leben maßgeblich beeinflusst.

    Dafür ist meine Liebe, wertvolle Freunde, meine Katze, mein Auskommen verantwortlich.
    Hier ist Spielwiese.
    Hier ist, jemand hat das gut beobachtet, vielleicht auch Platz für das manipulative Spiel.
    Mag sein, ich nehme das hier nicht ernst genug.

    Wahre Emotionen sind vielleicht der Auslöser für das Geschriebene hier, sie sind nicht der Spiegel. Eins zu Eins funktioniert hier nicht. Sorry.

    Ich schreibe, um mich zu lesen.
    Ich schreibe, lerne dabei zu schreiben und spiele mit dem Medium, mit dem Wort, mit Gefühlen.

    Ich spiele, also bin ich.
    Weil es immer ein emotionales Alter gibt, dass niemals mit meinem biologischen Alter Schritt halten wird. Dafür bin ich dankbar.

    Wenn ich, wie oben geschrieben, zum Ausdruck bringe, dass ich für mich begriffen habe, dass nichts, was hier steht auch nur den geringsten Bestand hat,
    so ist das eine Wahrheit, meine Wahrheit.
    Unbequem vielleicht, aber da das, was ich absondere, andere sagen Schreiben dazu, mir zu wichtig ist, kann und wird es nicht der einzige Ort meines Wirkens sein.

    Ich will ein Buch. Für mich.
    Ich will in 5 Jahren nicht einen Computer öffnen, hoffen, dass die Seiten noch da sind und dann mein schlechter werdendes Augenlicht auf grelle Monitore richten, wenn ich Abends im Wohnzimmer sitze und lesen mag.
    Will nicht den Computer ins Bett zerren und hoffen, dass der Akku hält, bis ich ausgelesen habe.

    In wenigen Wochen halte ich ein Buch in der Hand. Aus echtem Papier.
    Das sollte immer so sein und das ist der Weg.
    Das wird Bestand haben. Außer es brennt…

    Wenn ich in der Laune bin, schreibe ich vielleicht auch hier etwas.
    Vielleicht sogar regelmäßig.
    Es ist mir eine Freude, mich durch meine eigenen Texte zu lesen, geben sie mir doch beredt Hinweise auf die Zeit, in der sie geschrieben wurden.
    Klingt eingebildet, ichzentriert und borniert? Mag sein.

    Danke, dass ihr mitgespielt habt.
    Ich lade niemanden ein und niemanden aus.
    Danke.

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    • „Ich schreibe, um gelesen zu werden. Von mir.“ Gut. Das ist Ihr gutes Recht. Ich werde Sie trotzdem vermissen. Nur noch eines: Hätte ich eines Tages die Aussicht auf ein mit meinen Worten gedrucktes Buch in den Händen zu halten, ich würde jubilierend meine Freude teilen. So sind wir wohl alle verschieden. Und auch das ist gut so. Ich verbleibe herzlichst zugetan dem schreibenden Herrn Faktoid, den ich so mögen lernen durfte, ohne die Person dahinter zu kennen. Weil das manchmal genügt.

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  8. Es ist schade, aber eben deine Entscheidung. Schon länger wirkt es, als würde dir die Anerkennung, die du hier bekommst, und die bekommst du, nicht ausreichen. Und das ist den Lesern gegenüber auch nicht richtig.

    Dabei ist es doch gerade die Spielwiese und du kannst dich hier ausprobieren. Du erhältst Reaktionen und Feedback. Überall fordert der Leser Neues und will unterhalten sein. Und ja, alte Beiträge versinken. Aber liegt es nicht an einem selbst, ob man sie hervorholt, an ihnen feilt, veröffentlicht?

    Ich finde immer noch, dass du sehr gut schreibst. Sehr bruchstückhaft zum Teil, manchmal zu sehr. Aber das ist eben dein Stil mit Wiedererkennungswert. Du sprichst die Menschen an. Schade, dass es dir nicht genügt. Schade, denn irgendwie erweckt es doch den Eindruck, als fühlst du dich hier nicht genug gelesen, nicht genug gelobt und wertgeschätzt, obwohl du sagst, du schreibst für dich.

    Deine Einblicke,deine Art zu schreiben wie in diesem Post, wird fehlen.

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