Farewell…

Die Gnädige Frau B. und ich steigen in den Bentley.
Es ist schön mal wieder auszufahren.

Runter vom eigenen Grund, weg von den endlos öden Poloturnieren, den viel zu feinen Jagdgesellschaften, den Tanztees und kleinen Soirees.

Der Bentley schnurrt die Auffahrt runter, die Tore öffnen sich automatisch und wir biegen auf die große Straße namens Leben ab. Fahren auf ihr Richtung Sonnenaufgang.

Direkt neben dem Sonnenaufgang halten wir an. Er klemmt manchmal.
Machen ein Foto. Hübsch mit Selbstauslöser.
Schubsen die Sonne an, sie steigt weiter auf und wir, wir setzen uns wieder in den Wagen der zum Toyota geworden ist, der nur auf drei Zylindern röchelt und rollen scheppernd weiter.

In unseren Träumen ist er noch da. Da lebt er noch.

Die Gnädige Frau B. und ich leiden.
Der Möchtegernvierzylinder ist weg.

Nicht in einem furiosen Knall, eher still und heimlich.
Stand plötzlich tot da, keiner hatte bemerkt wie schlecht es um ihn stand.

Nun ist er fort. Die Erinnerungen sind geblieben.
Die Erinnerungen an lachende, gemeinsame Ausfahrten.

Erinnerung daran, dass ein ordentliches Unwetter auf Laboe einen binnen Sekunden so durchnässen kann, dass man nass bis auf die Haut zum Wagen gegangen ist.
Dass dunkle Wolken am Meer meistens Wetter bedeuten, nicht nur romantische Zierart sind.
Das Weglaufen bei so einem Sturm keinen Sinn macht und wir, in angemessenem langsamen Schritt, durchweicht aber erhobenen Hauptes, den Strand gequert und in den Wagen gestiegen sind, der uns Obdach gab.

Erinnerung an den Scheibenwischer, natürlich den der Fahrerseite, der sich, von Wind und Wetter und wohl auch ein wenig von lockeren Schrauben von der Windschutzscheibe zum Seitenfenster verabschiedet hat.

Dass beim Versuch, den Scheibenwischer wieder auf seine vorgesehene Position zu montieren, beim Halten am nächsten Rastplatz, staunende Motorradfahrer nicht begreifen weshalb wir klatschnass aus dem Auto steigen und wie irre an dem Wischer rumnaggeln.
Ohne Erfolg. Einsteigen und nass weiterfahren, mit einem Grinsen im Gesicht.

Der Toyota war ein guter, hat er doch zuverlässig den Überfall auf den Hundefriseursalon mitgemacht https://foodandwineporn.de/2013/11/07/ein-gemeinsames-geheimnis/, uns als Fluchtwagen treu gedient. Uns der Sonne näher gebracht.

Der gute Wagen, der uns einen Sommer lang Erinnerungen mitgegeben hat.
Von uns gab es nur Benzin und wenig Hoffnung auf ein weiteres Jahr.
Die einzige Reinigung, die wir ihm verpasst haben, war mit einem kleinen Gummiwischer mit dem wir feixend, den speckig klebrigen Schlatz, den die Bäume auf ihn niederregnen ließen, abgelöst haben. Zu schmutzig für die Waschstraße, war unser Urteil.

Jetzt ist er weg, hat seine letzte Fahrt gemacht, ist den Weg alles Irdischen gegangen.
Bleibt, wie ein Freund, in unseren Erinnerungen wach, im Herzen.
Warst ein Guter.

Du kommst wieder als Jaguar oder Bentley. Da bin ich sicher.

8 Gedanken zu “Farewell…

  1. Jaguar oder Bentley? – Wer weiß… alles ist möglich (um es mal positiv auszudrücken).
    Schöne Geschichte, und in Euren Herzen wird er weiterfahren. 😉

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  2. Magst du unseren Auris kaufen? 😉 Ich habe da ein verlockendes Angebot aus Spanien mit schlappen 280 PS. Oder soll ich doch den Ford Mustang Modell 2014 nehmen? Der hat noch mehr PS. Aber ich glaube ich bleibe lieber bei (m)einem Wagen mit Seele, an dem mein Herz hängt. RIP Toyota, mögest du in Frieden ruhen.

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    • Wir mögen es gern groß, da ist der Auris nicht so ganz der richtige Wagen.
      Gebrauchte Jaguar und Bentley bitte zu mir. Oder ein Opel Admiral oder Diplomat, gerne auch ein 80iger Jahre Volvo Kombi.
      Mercedes Pullmann wird zur Not auch akzeptiert.

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