kleine Ausfahrt

Die Gnädige Frau B und ich fahren aus.
Zur Abwechslung mal gemeinsam im Fond des Bentley.
Die Trennscheibe, abgedunkelt und hochgefahren.
Die Vorhänge an den Seitenfenstern beinahe geschlossen.
In den Kristallgläsern schwappt träge der Drink der Wahl.
Cremiger White Russian, mehr Kalua als Vodka, dennoch wird er seine Wirkung nicht verfehlen.
“Lang lebe der Dude” sage ich, hebe das Glas und wir stoßen an.
Genießen die Fahrt, die Aussicht ist uns einerlei. Ein Ziel ist nicht vorgegeben, er solle halt zusehen, dass man flüssig fährt und Staus vermeiden. Gemächliches Dahinrollen ist erwünscht.

Wir wollen ohne Hektik und Vollbremsmanöver ein paar Drinks zu uns nehmen. Und das Fahren genießen. Uns und alles, was so ist, das Schwere und das Denken ein wenig nach Hinten drängen. Dem Sein Raum geben, Hier und Jetzt, nicht morgen, nicht übermorgen. Jetzt.

Die Gnädige Frau B. und ich schauen uns ins die Augen,
Zuneigung und zartes Verlangen erblicken wir darin.

Die Lederrückbank ist breit, das samtene Interieur weich.

Wir drehen die Musik ein wenig lauter, Pink Floyd spielen The Great Gig in the Sky und eine Stimme voller Schmerz und Leid füllt den kleinen Raum.
Füllt unsere Herzen, legt sich wie eine Schicht über uns, hüllt uns ein.

Treibt uns weiter, so wie der Bentley über die Straße gleitet, so gleiten auch wir übereinander, sind verloren in Zeit und Raum, selbstvergessen und nur noch Zwei, die eins werden, die in diesem Moment nirgendwo anders sein wollen.

Us and Them erklingt, Song und Motto zugleich.
Hier drinnen, wir, da draußen, die anderen.
Der Sound, groß, klar, ultramarin, rollt über uns hinweg.
Dick Parry spielt das Saxophon, weich und perfekt.
Spielt nur für uns, so wie David sein Me and You singt.
Unser Soundtrack für die kleine Ausfahrt.
Für die Momente, die nicht enden.

Der Sound so perfekt, ebenso alt wie wir, wie der Bentley, der uns so angenehm weich, wiegengleich gen Küste chauffiert.

Das Timing, perfekt.
Any Colour You Like, wir halten an, barfuß steigen wir aus, der Sand zwischen den Zehen. Der Strand.
Draussen rollen die Wellen, groß, gemächlich.
Das Wasser umschmeichelt uns, setzt fort, was wir im Fond so warm und weich begonnen haben.
Aus dem Wagen schallen Gitarre und Keyboards, unerreicht in ihrem Spiel, spielen nur für uns.

Wir tanzen den Strand entlang, sehnen dem Moment entgegen, an dem das dunkle Blau durch weiches Rot die Sonne ankündigt.
Sinken in den Sand und blicken still ins ferne Farbenspiel.

Die Gnädige Frau B. und ich, wir sind angekommen.

Sonnenaufgang

3 Gedanken zu “kleine Ausfahrt

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