eine Liebeserklärung

Gestern ist es mir wieder klar geworden.
Es geht nicht ohne.
Der Reiz ist zu groß, zu faszinierend.
Im Einfachen steckt die Verführung.

Im Nachvollziehbaren.
Weil sie mich ein Leben lang begleitet hat, fast von Anfang an.

Sie war schon da, bevor ich da war und wenn sie auch ausstirbt,
werden vielleicht keine neuen mehr nachkommen,
aber noch lange Zeit viele die Regale füllen.

Das Eintauchen der Nadel in den Kanal,
der in zwei Flanken den Klang enthält,
eine für das linke und eine für das rechte Ohr.

Ein magischer Moment.
Klang ist Schwingungen, die, durch die Luft an meine Ohren getragen werden.

Klang, der den winzigen Diamanten,
der so fein geschliffen ist, der auf einer schmalen Achse sitzt,
zum Schwingen bringt.

Die Achse übertragt die Bewegung.
Die Achse enthält Spulen, die in einem System aus Magneten schwingt.
Strom erzeugt, auf einfachste Art und Weise.
Winzige Mengen, elektrische Schwingungen.

Die Magie entfaltet sich schon, wenn ich mich mit einem Ohr über die Nadel beuge,
schon da, leise, sehr leise, die Musik höre.
Noch nur ein Schemen.

Mein Verstärker, ein ehrwürdiges Modell aus den 80igern,
ein Accuphase, ein kleines Modell, mein Budget hat nie für mehr gereicht,
nimmt diese winzigen elektrischen Schwingungen auf.
Sie enthalten schon alles.

Verstärkt jedoch durch die elektrische Technologie meines Accuphase,
werden die Schwingungen über die riesigen Membranen meiner JBL Lautsprecher,
die wiederum auch nur auf Spulen, die in Magneten lagern, übertragen.

Übertragen in reinem Klang an meine Ohren.

Die Einfachheit dieses Systems, das ich noch begreifen kann,
das nichts anderes ist als Schwingung, elektrisch verstärkt,
übertragen auf Membranen, die wiederum mein Trommelfell zum Schwingen bringen.

Diese Einfachheit war es, die mich immer fasziniert und vollkommen befriedigt hat.

Dieses fehlertolerante System,
das auch wenn es knackt und knistert noch immer in der Lage ist,
das Wesentliche, die Musik zu übertragen.

Analog verzeiht vieles.
Wie oft erlebe ich das Staunen des Zuhörers, wenn dieser begreift,
dass der Klang nicht aus digitalen Quellen kommt.

Wenn begriffen wird, dass der Aufwand, den ich betreibe,
der meinen Wohnraum dominiert, dem Klang dient, dem reinen analogen Klang.

Eine Schallplatte zu hören, das sind 15 oder 20 Minuten Hingabe an die Musik,
den Klang.

Ich schreibe hier, stehe lächelnd auf, gespannt auf die zweite Seite.
Drehe die Platte um, führe die Nadel an den Anfang.

Stevie Wonder, die Beatles, die Stones (die jungen Stones),
Miles, oh ja, Miles Davis, sie stehen für Musik.

Für Klang. Für das Zuhören.
Nicht im Nebenbei. Sie haben es sich verdient, genossen zu werden.

So wie ich ein Glas Wein genieße, mag ich die Zeit,
die ich mir für meine Musik nehme.
Für meine Schallplatte.

IMGP2910

17 Gedanken zu “eine Liebeserklärung

  1. Ich habe den Text auch gelesen. Wir haben noch Hunderte Schallplatten aus den 70-ern, 80-ern und so. Hören mag ich die nicht mehr, weil meist nur ein Stück oder zwei drauf sind….Zeit hätte ich ja, doch da lese ich oder höre meine Lieblingssendungen im Radio, besonders gern Sendungen mit eben dieser Musik am späten Abend. Oh, jetzt bin ich gar nicht auf den Text hier eingegangen…Auf jeden Fall eine wundersame Sache, wenn der Klang nicht aus digitalen Quellen kommt!

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  2. Bei meinen Eltern gab es einen Plattenspieler und auch die passenden Scheiben. Sehr japanisch versteht sich. Ich war schon digital und bin es noch immer. Aber ich erinnere mich zumindest an den Knisterklang. Schön 🙂

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    • gute Schallplatten produzieren reinen warmen vollen Klang.
      Knistern ist nur ein Zeichen von schlechter Pflege.

      Mit dem passenden Plattenspieler, gebraucht ab 150 Euro, einer guten Aufnahme, zum Beispiel dem War – Live Album von 1974 kann man eine Klangtiefe und Fülle erreichen, die aktuelle Aufnahmen in Grund und Boden spielt.
      Damals wurde für große Lautsprecher und maximale Dynamik gemischt.
      Aktuelle Alben werden, damit sie auch im Küchenradio noch gut klingen, zu Tode gemischt.
      Siehe dazu: http://www.dynamicrange.de/de/de/unser-ziel

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  3. Das eigentlich erstaunliche ist ja das, was zwischen den Frequenzen geschiet!
    Die „Zeitreise“, die im Hier und Jetzt, ohne Vorwarnung passiert.

    Schallplatten sind einfach der Punkt auf dem i!!!
    Leider besitze ich nicht viele aber die, die ich habe, hängen eingerahmt an meiner Wohnzimmerwand. Dort sind sie nicht nur schön anzuschauen sondern auch sicher
    vor den kleinen Händen meines Sohnes.

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    • Man muss sie bewahren und vielleicht gibt es einmal eine Zeit, zu der man sie abhängen und auf einem schönen Plattenspieler noch einmal zu Gehör bekommt.
      Ein Freund, ein seltener Gast, musikbegeistert, aber der CD verschrieben, war neulich hoch erstaunt, wie perfekt der Klang von der alten Scheibe doch sein kann, wobei ich keinerlei besonderen Aufwand betreibe… Es ist und bleibt ein Genuß. Danke fürs Lesen!

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