Musik

Auf dem Plattenspieler spielt John Foxx Underpass.
Gemächlich dreht sich die Scheibe mit 33 ⅓ Umdrehungen pro Minute, zaubert ein kaltes Bild der 80iger.

John Foxx, vor Midge Ure, Sänger von Ultravox.
In der Zeit, bevor der Produzent Conny Plank die Punkbank Ultravox zu romantischen Rockern verwandelt hat.
Ultravox, die mit dem Vienna Album die Zukunft des Rocks definierten. Die Kraftwerk mit sägenden Gitarren vermischten, deren “Western Promise” Krieg, gepresst in Rillen war.
Deren “Young Europeans” ein schönes Bild einer nie eintreffenden Zukunft malte.

On a crowded beach washed by the sun
He puts his headphones on
His modern world revolves around
The synthesizer’s song
Full of future thoughts and thrills
His senses slip away
He’s a European legacy
A culture for today

Meine Vision von Vienna ist die Neuauflage, gespielt von den Smashing Pumpkins oder den White Stripes.

Leider zwei Bands, die von der Bildfläche verschwunden sind.
Beides für mich Future Rock Bands. So habe ich mir die Zukunft von Gitarrenmusik vorgestellt.

John Foxx schuf nach dem Weggang von Ulravox neue Klangwelten, weitab von Gitarren und akustischem Schlagzeug.
Produziert von Gareth Jones, der später Depeche Mode zu ihrem harten metallischen Sound, abseits des weichen Vince Clark Synthiepops verholfen hat.

Dem Gareth Jones, der das grandiose “Halbe Mensch” Album der Einstürzenden Neubauten produziert hat.
Der elektronisches Stakkato mit den manischen Lyrics von Blixa Bargeld vereinte. Der das zentrale Nervensystem ZNS, einer der Titel des Neubauten Albums, tanzen ließ.

Eben dieser Produzent programmierte aggressive, scharf klingende Synthieklänge zu elektronischen Drumbeats.
Selbst die Stimme von John Foxx klang wie aus einer anderen Welt, wie von Maschinen intoniert.

Damals war das meine Welt.
Im Monat konnte ich mir eine oder zwei Platten leisten.
Die mussten langen. Die wurden rauf und runter gehört.
1986 gab Kraftwerk das Motto dafür aus: Musique Non Stop.

So war das, so ist das noch heute.

“Es wird immer weiter gehn, Musik als Träger von Ideen”
“la música ideas portará y siempre continuará
sonido electronico decibel sintetico”

Wenn ich eine neue Platte hatte, war heavy Rotation angesagt, wurde das Cover studiert, 30 x 30 cm voller Kunst und Information.
Ich wusste immer, wer das Album produziert hatte, manchmal wurde sogar die Instrumentierung erläutert.

Manchmal gab es Überraschungen, weil Gastmusiker aus anderen, mir bekannten Bands mitspielten.

Manchmal gab es Rätsel, die gelöst werden mussten, wenn zum Beispiel ein Bandmitglied Dr. Avalanche genannt wurde.
Wer steckte dahinter?
Dr. Avalanche war der Name des immer wieder neuen Drumcomputers, die die geliebten Sisters of Mercy auf Tour und im Studio verwendeten.
Marian, wie oft hab ich zu Dir getanzt… Lange her…

Damals in den frühen 80igern, in München, im legendären Music Shop, der Kirche für Freunde moderner Musikinstrumente, da stand sie, die Linn LM 1 Drum Machine.
Das Wunderwerk, dass den typischen Prince Drum Sound produzierte, live gespielt von Bobby Z.
Zu bewundern im noch immer großartigen Live Konzert, 1985 in Syracuse N.Y.

Nur wirkliche Stars konnten sich so ein ein Teil wie die Linn Drum leisten, 8.000 Mark waren eine klare Ansage.

Musik ist niemals Muzak. Außer wenn “M”, die mit “Pop Muzik”

ihren größten und, ich denke, einzigen Hit,
eine andere ihrer Nummern “Moonlight and Muzak” anstimmten.
Da habe ich eine Ausnahme gemacht.

Ich habe Fakten über Musik eingesaugt, wie ein Kokser die White Line.
Bei White Lines denke ich nur an den Hit von Grandmaster Flash and the Furious Five.

Musik durfte in meiner Wahrnehmung nie Hintergrund sein, nie aus dem Küchenradio erklingen.
Musik braucht Bass, Membran, kraftvolle Reserven aus potenten Verstärkern.
Korrekte Aufstellung der Lautsprecher, niemals Boxen genannt, war Pflicht.
Ohne Kompromisse ein gleichschenkeliges Dreieck.
Niemals ins Regal gequetscht.
Never!

Musik war niemals Teil meines beruflichen Lebens und durfte vermutlich deshalb dieser omnipräsente Teil meines Lebens werden.
Niemals nebenbei.
Never.

Music was my first love
and it will be my last.
Music of the future
and music of the past.

To live without my music
would be impossible to do.
In this world of troubles,
my music pulls me through.

[Instrumental]

Music was my first love
and it will be my last.
Music of the future
and music of the past
and music of the past
and music of the past.

[Instrumental]

Music was my first love
and it will be my last.
Music of the future
and music of the past.

To live without my music
would be impossible to do.
In this world of troubles,
my music pulls me through.

6 Gedanken zu “Musik

  1. Dankeschön für diese Zeitreise. Einige Titel höre (sehe) ich heute zum ersten Mal. Von Kraftwerk hatte ich schon (Titel) gehört. Die waren interessant. Vorreiter des Techno? Kann das sein?

    Für mich ist Musik sehr wichtig. Weniger die Fakten über eine Band. Musik lässt meine Seele schwingen. Im Takt von Rythmen fliegen dann die Finger über die Tastatur. Musik öffnet das Tor und die Worte sprudeln. Nur glaube ich nicht, dass meine Musik für die Masse geeignet ist. Meine Worte? Ebenfalls nicht. Die versteht sowieso nicht jeder. 😉

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  2. „Musik durfte in meiner Wahrnehmung nie Hintergrund sein, nie aus dem Küchenradio erklingen.“
    Never.
    Und deine Musik, ich schrieb es schonmal, zeigt große Überschneidungen mit meiner. Bei mir war etwas mehr Punk und Oi dabei. The Exploites, Angelic Upstarts. Peter usw.
    Schöne Liebeserklärung jedenfalls.

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