Hier: Mise en Place – Revisited

So, was soll es werden?
Einen Tag, ein Jahr, ein Leben?

Was soll es sein?
Leben, im Maßstab des Durchschnitts?
Darunter, Darüber?

Schafft man es aus eigenem Antrieb, seine Grenzen zu verschieben?
Es sind die Grenzen, die einengen, die das Vorhandene noch kleiner machen.

Anders herum gehen.
Weiter, größer, mehr Perspektive, mehr Raum.

Wie kann man groß werden, wenn man immer nur klein denkt.
Wenn alles was man hat, genau das ist, woran man festhält?

So wird es nicht mehr werden.
Es wird schwinden, verschwinden.
Es bleibt Durchschnitt und kein guter.

Also nicht festhalten, sondern loslassen.
Soviel wie möglich? Vielleicht.

Es braucht Mut und Entschlusskraft.
Aber auch hier: Alles was man erreichen will, ist nur wenige Entscheidungen weit entfernt.

Schwere Wege werden leichter, wenn man sie in Etappen geht.
Komplexe Handlungen lassen sich in einfache Arbeiten zerteilen.

Ich habe mit 18 Koch gelernt, ein wenig zumindest, die Grundzüge. Bevor ich es sein ließ. Eine der bisher nicht erzählten Geschichten.

Mise en place, war das Wichtigste.
Der Begriff stammt aus der Gastronomie, findet nur da seine Anwendung und beschreibt das Vorbereiten seines Arbeitsumfeldes, um reibungslos arbeiten zu können.
Von links nach rechts, nie über Kreuz, direkt und ohne Umwege.

Mise en place war stets mein Helfer, wenn es darum ging, Abläufe zu strukturieren, sich von der Komplexität eines Vorganges nicht einschüchtern zu lassen, ihn zu zerteilen, in kleine überschaubare Schritte.
In der Küche war das immer selbstverständlich, weshalb also nicht auch überall anders?

Ich habe vor einigen Monaten zu schreiben angefangen, bis dahin kam ich nie auf die Idee mehr zu tun, als Emails oder SMS zu verfassen. Obwohl ich in Wort und Schrift aufgewachsen bin, in einem Buchgeschäft, im Hinterzimmer, zwischen Sarte und Camus, Hemingway und Steinbeck.

Ich habe die alten Bücher noch immer, lese immer wieder in sie hinein, manchmal muss ich sie verschlingen. Mit 15 hab ich sie aus dem Bücherregal meiner Eltern geklaut, dort haben sie nur leere Fächer ausgefüllt. Für mich hatten und haben sie immer Bedeutung. Würde sie nicht missen wollen.
Die kleinen, in Stoff eingebundenen Taschenbücher, so voller Erkenntnisse, voller Geschichten, geschrieben von denen, die sich trauten.
Die etwas zu sagen hatten und sich trauten.

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Veränderungen, überall, um einen herum.
Veränderungen, äusserlich, im Innen, auch bei mir.
Kleine Schritte. KISS = „keep it stupid simple“

Ich schreibe, ich mache Fotos, ich gebe diesen Eigenschaften mehr Raum als je zuvor.
Weil ich es will, weil ich es muss.
Weil es Teil dessen ist, was ich Preis gebe, von mir, von dem was mein Herz bewegt, von meinen Gedanken.

Mir hat der Gedanke schon lange gefallen, dass ich beinahe Jimi Hendrix die Hand geschüttelt habe.
Beinahe.
Nur ein Handschlag entfernt. Die Hand unseres ehemaligen Verlegers hat sie geschüttelt und ich die seine.
Knapp!
Näher ging es nicht, wird es niemals gehen.
Gewisses Postmortem Gedankengut mal außen vor gelassen.
Jimi war tot, bevor ich meinen Arsch mit beiden Händen gefunden habe.
Macht nichts. Es ist der Gedanke, der zählt.

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Also: Mise en place
Idee, Bild, Raum, Zeit, Wort,
von links nach rechts, von oben nach unten.
So geht’s
So wird’s gemacht.

10 Gedanken zu “Hier: Mise en Place – Revisited

    • Bin ganz verwundert, dass ich bei der Auswahl der Bücher meinen persönlichen Favoriten von Sartre, Das Spiel ist aus nicht mit fotografiert habe.
      Da steht es alles, zwar verdreht und unheilvoll, aber dennoch, man hat es in der Hand, trifft selbst die Entscheidung.

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      • Das ist gut, wenn Sachen dreh- verkehr- wendbar sind, sie werden dadurch dreidimensional und begrifflich, selbst Monsieur Sartre, dieser Spieler….
        Das Spiel ist aus muss verkehrt werden, die Syntax buchseitenverkehrt und dies natürlich spielerisch:
        Ist – Spiel das aus!
        Et voilà!
        Das Buch wirkt in neuer Perspektive altbekannt, doch beinhaltend den Wunsch, das Lieblingsbuch würde nie enden.

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  1. In so einer Hinterstube wäre ich auch gern aufgewachsen- und mit tragender, fürsorglicher Liebe natürlich!
    Hendrix liebte seine Großmutter sehr. Auf dem Friedhof Nähe Seattle liegt er neben ihr. Die Schwester von Jimi durfte ihm nun endlich ein kleines Memorial errichten, dafür kämpfte sie mit der Stadtverwaltung.
    An seinem Grab, das völlig unspektakulär aussah, als wir vor einigen Jahren dorthin pilgerten, fanden wir nur ein paar bunte Gitarrensaiten von Fans im nassen Gras.
    Und in Marbach habe ich im Schillermuseumsglaskasten seinen Liebesbrief an Uschi Obermaier betrachten können….
    Danke für die intensiven Lebensdingtexte hier! Sie rufen vieles wach…

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  2. Hach, „Mise en Place“, hach. Der Ausdruck erinnert mich an meine wunderschöne Zeit als kleiner Teil in einer großartigen Küche. Tatsächlich findet diese Art von „Struktur“ , die sogenannte Vorbereitung, nur in der Gastronomie seinen wirklichen Platz. Oft rede ich mir ein, ich sollte mir im Leben auch mal ein gescheites Mise en Place aufbauen, mal vorsorgen, mal vorarbeiten, mal etwas parat haben. Aber dann überkommt mich das, was der Küche in der ich arbeitete, immer den meisten Charme, die schwierigsten, aber doch irgendwie die verrücktesten und tollsten Momente bescherte: Nämlich alles, was á la Minute gezaubert wurde, und dann ärgere ich mich nicht mehr darüber, ständig unvorbereitet ins Leben zu stolpern, mal auf die Nase zu fallen, mal einen Satz falsch zu formulieren…

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    • á la minute ist ein schöner Gedanke, ein schönes Tun steckt dahinter.
      Nicht alles ist planbar, nicht alles soll planbar sein.
      So mancher Zauber steckt im Unerwarteten und das ist mehr als gut so.
      Danke für’s Lesen und danke für das Teilen der Gedanken.

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