Revolvermann

Eine Annäherung.

Hallo Roland, hallo Mittwelt, hier bin ich mal wieder.
Verzieh’ nur weiter keine Miene. Sei nur Du selbst, du wirst kein Problem haben, mich zu ignorieren.

Wie schon so oft bin ich nur Zaungast in Deiner Welt.
Steh nur am Rand und schau Dir und Deinen Gefährten, deinem Ka-tet zu. Schau euch zu, euch, den Reisenden in Blei, die ihr später, viel später, zum Ka-tet der 99 werdet.

Höre Dich sehr wohl.
In meiner Version Deiner Welt hast Du eine Stimme.
Mein schmales Maß an freier Zeit lässt es nicht zu, Dir auf Papier zu folgen, dass in deiner Welt mit Gold aufgewogen wird.
Wenn wir uns begegnen, dann durch die Stimme, die Deine Geschichte in vielen, vielen Stunden erzählt.
Die es so einmalig gut tut.

Die Dir und den Drei, die Du “gezogen” hast, durch Türen, die am einsamem Strand, am nördlichen Rand von Mittwelt stehen, so fein eine Stimme gibt.

Die sogar dem fünften im Bunde, dem kleinen Oy, dem Billybumbler, die rechte Stimme gibt.
Der Kleine, der nur das nachspricht, was andere schon sagten, der dadurch betont, bekräftigt, was gesagt und getan werden muss.

Deine Welt ist voller Wunder, die niemals enden werden.
Darauf verwette ich Uhr und Urkunde.
Beim Angesicht meines Vaters.
Das der Aufrechte niemals vergessen, niemals verleugnen wird.

Deine nicht enden wollende Suche, die Dich nicht nur auf der Jagd nach dem Mann in Schwarz durch Wüsten und über und unter Kontinente treibt, die Dich durch Türen in Welten, anderen als diese hier führt.

Türen, so herrlich magisch. Die nur von einer Seite zu sehen sind, nur in einer Seite existieren und dennoch Schatten werfen.

Türen, die Dich zu Rosen führen, in denen Welten brennen, heller als alle Sonnen des Universums und Chöre engelsgleich ihr Lied anstimmen.
Türen, die Dich zum Turm führen werden, den Du besteigen wirst, dabei das Horn deines besten Freundes Cuthbert Allgood
blasen wirst, das erklingen wird, im Namen aller, die für Dich, für Deine Reise zum Turm gefallen sind, die Du verraten hast und doch geliebt hast.
Die Du geopfert hast, um Deine Bestimmung zu erfüllen.

Roland, jeden Schritt werde ich bei Dir sein, mit Dir deinen Weg gehen, bis zum letzten Schritt, der obschon ich ihn schon lange kenne, schon so lange um ihn weiß, noch immer voller Schmerz und Überraschung ist.

Bist mein Freund geworden, auch mein Begleiter auf so vielen meiner Wege, die, wenn sie auch nicht zum dunklen Turm führen, leider, leider, doch über so manchen finsteren Pfad führen.

Selbst Deine ewige Nemesis, der Mann in Schwarz vermag es, mich in nicht enden wollends Staunen zu versetzen.
Spricht er doch größte Weisheiten, stets mit Schalk in seiner Stimme, so dass man nie nur Wahrheit in ihr hören wird.
Wenn er Geheimnisse teilt, so vermag ich es nicht zu fassen, was er wohl alles noch wissen muss, wenn er dies hier Preis gibt, aufgeschrieben, ausgesprochen für alle, die es lesen wollen, die es hören wollen.

„Das größte Geheimnis, welches das Universum bereithält, ist nicht das Leben, sondern Größe. Größe umfasst das Leben, und der Turm umfasst die Größe. Das Kind, für das Wunder nichts Ungewöhnliches sind, sagt: Vater, was ist über dem Himmel? Und der Vater sagt: Das schwarze Weltall. Das Kind: Über der Milchstraße? Der Vater: Eine andere Galaxis. Das Kind: Über den anderen Galaxien? Der Vater: Das weiß niemand.
Siehst du? Die Größe besiegt uns. Für den Fisch ist der See, in dem er lebt, sein Universum. Was denkt der Fisch, wenn er am Maul durch die silberne Grenze der Existenz gerissen und in ein neues Universum befördert wird, in dem die Luft ihn ertränkt und das Licht blauer Wahnsinn ist? Wo große Zweibeiner ohne Kiemen ihn in eine stickige Kiste stecken, ihn mit feuchtem Tang bedecken und sterben lassen?”

Und dennoch, so spricht der Dämon:
“Wir sehen nur zum Teil, solchermaßen ist der Spiegel der Weissagung verdunkelt”

So voller Schmerz und Erkenntnis ist dein Weg, so voller Verlust und Wunder.
Das ich Dir wieder und wieder ein treuer Begleiter sein werde.
Noch stehen wir am Anfang, am Strand, dort, wo Du die Drei “ziehen” wirst, durch Türen, aus Welten, die anders sind, als die Deine.

Danke, Stephen King, Wörterschmied, der Du bist. Hast ein halbes Leben diese Bücher geschrieben.
Danke. für den Turm, die Rose und “einen Stein, ein Blatt und eine nichtgefundene Tür”

Danke, Vittorio Alfieri, dass Du dieser Geschichte eine Stimme gegeben hast, die so vielfältig, so ernst, so spöttisch, so voller Verwunderung und Tiefe ist.

So viel mehr wäre zu sagen, über die 19, die Pampelmuse, Rhea vom Cöos, dem scharlachroten König und seiner Brut, Marten…
Ach, so viel, so viele.

Und dennoch endet es mit den Worten, die so oft gesagt wurden, mit dem Wunsch nach
langen Tagen und angenehmen Nächten.

DT Cover

5 Gedanken zu “Revolvermann

  1. Interessant zu lesen, lieber Mann mit Katze. Leider kenne ich die Bücher nicht, ich musste mir das Wissen darüber ergoogeln. Aber ich kann deine Faszination erahnen. Mein Held hieße nicht Roland. Meine Heldin ist und bleibt Azumi. Und natürlich meine Frau. Nur schreibt die noch keine Bücher. Aber bald 😀

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  2. „Roland berührte nochmals das Horn, und dessen Vorhandensein war eigenartig tröstlich, so, als hätte er es nie zuvor berührt. Zeit, sich weiterzubewegen. Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folge ihm.“ – Ganz großes Kino, ich habe es verschlungen, alles, auf dass der letzte Balken nicht bricht 😉

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  3. Oh, ich liebe die ‚Dark Tower‘ Reihe, es ist nicht nur eine tolle Geschichte, sondern zeigt auch sehr gut wie sich der Stil von Stephen King im Laufe von gut 3 Jahrzehnten entwickelt hat. Das ersten 3 Bücher habe ich wohl vor etwa 20 Jahren gelesen, die letzten 5 Bände dann immer gleich kurz nach Erscheinen. Hach, ich könnt schon wieder ans Bücherregal…Viel Spass beim Hören.

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    • Ich habe die Bücher verschlungen, damals, als alle verfügbar waren. 4500 Seiten in zwei Monaten.
      Für meine langen Fahrten ins Büro gab es dann immer wieder die Hörbücher.
      Parallel dazu die Graphic Novell. Ich liebe die Zeichnungen und den Fakt, dass dort Roland kein klar gezeichnetes, sondern nur ein schemenhaftes Gesicht hat…

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