Überfluss

Überfluss.
Selbst hier Zu Hause, den Ort, über den ich größte Kontrolle habe, Überfluss.

Tische, voll mit Büchern, ungelesen, aber gewollt.
Regale, voll mit Filmen, einmal gesehen, wenn überhaupt, dann abgestellt.
Schränke, gefüllt mit Kleidung, die ich nicht trage.
Ein Keller, voll, als Sinnbild des Überflusses.

Oft genug habe ich Säcke gefüllt, den Container bemüht, die Büchersammlung beglückt, Filme zu Centpreisen verkauft.

Es wird kaum weniger.

Für mich stehen drei Computer, alleine im Wohnzimmer zwei unabhängige und potente Stereoanlagen, einige hundert Schallplatten und weitere 15 Tausend Stücke Musik zur Verfügung.
Ein drahtloses Netzwerk versorgt, Moment, ich muss innehalten und im Geiste zählen, mehr als zehn Endgeräte, darunter Drucker, Telefone, man beachte den Plural, Pads, Spielekonsolen und Anderes mit Zugang zum Internet.

Sparsam bin ich immerhin bei Lichtquellen, genutzt werden zwei im Wohnzimmer, vorhanden sind fünf. In einem Raum. Plus das Gratislicht, dass durch die Fenster scheint.

Tatsächlich besitze ich nur einen kleinen Kühlschrank, immerhin, die Dinge darin, leider, werden regelmäßig entsorgt.
Der Einpersonen Haushalt kann nicht soviel verzehren, wie er in Mindestmenge einkaufen muss.

Beehrt mich Gäste, wird auswärts gespeist. Da darf dann mit gutem Gewissen gevöllert werden, reichlich und vom Feinsten. Da ist Wertschätzung im Spiel.

Im Keller, neben all dem Krempel ein Vorrat für Wein. Eine Sauna, tausend alte CDs. Stereoanlagen, die ich nicht mehr brauche.

Ich will das alles reduzieren. Entsorge, verschenke, veräußere permanent und doch wird es nicht weniger.

Weil immer wieder etwas hinzuströmt.
Weil amazon mein bester Freund und mein Briefträger in mir seine Nemesis gefunden hat.
Weil Leben auf dem Land auch bestellen von Großverbrauchermengen Klopapier, Haushaltsrollen und 150 Spülmaschinentabs ist.
Weil ich banale Dinge des Alltags beim Einkauf, der meist von Hunger getrieben ist, vergesse und so per Lieferservice beziehe. Weil 8 km fahren für ein Haarwaschmittel einfach dämlich ist, wenn es im Dreierpack am nächsten Tag geliefert wird.

Meine Meerschweinchen, ich hatte bis zu zehn davon, das ist lange her, versorgte ich mit Heu.
Das habe ich in 30kg Mengen, zweiter Schnitt aus dem Kraichgau, beste Hanglage, bei einem Biohändler bestellt, für kleinstes Geld, verglichen mit den lächerlichen Mindermengen, die überteuert im Supermarkt feilgeboten werden.
Raum habe ich genug, auch für 30 kg Heu.

Überfluss, überall, wo ich hinsehe.
Immerhin, mein Macbook ist stolze 7 Jahre alt, verrichtet stoisch seinen Dienst, beleuchtet im Dunkel brav die Tastatur, das schätze ich tatsächlich sehr. Leuchtet mir entgegen, hat mehr als nur einmal Licht ins Dunkel gebracht.

Das zweite Macbook verwende ich nur im Zug, weil es klein, leicht und arm an Leistung ist. Irrsinn.

Ich versuche es wirklich, dass es weniger wird.
Ich bin Lichtjahre von Reduktion auf das Minimum entfernt, weiß, dass es nur eine oder zwei persönliche Entscheidungen sind, frei von Entbehrung, all das zu entsorgen, was sich hier angesammelt hat.

Ich frage mich, wie es dann hier aussehen wird, wie es sein wird, was übrig bleiben darf, was weg kann, was weg muss.
Frage mich, was es aus mir machen wird.
Darauf warten, wird nicht helfen.

Garten der Lüste
Der Garten der Lüste – Teil des Triptychons von Hieronymus Bosch

3 Gedanken zu “Überfluss

    • Dieser Satz erinnert an meine Großmutter! Die hat immer Wert darauf gelegt, dass alles versorgt ist für den Fall ihres Todes. Wobei es für Hinterbleibende im Regelfall etwas einfacher ist. Etwas!

      Auch ich versuche mich deutlich zu beschränken. Nicht so stark wie ein Freund von mir, der sich auf 50 Gegenstände reduziert hat. Aber deutlich mehr als meine nächste Umgebung. Auch wenn es zum Teil meine Lüge ist, da ich noch Außenlager unterhalte …

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