Tage wie dieser

One of these days.

Aufgestanden, früh.
Wie üblich sehr früh.
Wobei aufstehen die falsche Bezeichnung ist, Ortswechsel ist passender.
Raus aus den Schlafgemächern, rüber in den Ostflügel, ab auf die Chaisselonge ist zutreffender.

Fernseher an, Kaffeemaschine an, Licht an, Musik an, Fernbedienung, Musikauswahl, Buchauswahl.

Schrecklich, all diese Nullhandlungen am Morgen, die Suche nach der Musik der Stille, die nur untermalt, nicht unterbricht.

Draußen bricht gerade die Hölle los. Die Kirche läutet wie irre um ihre paar Schäflein einzusammeln, die paar, die sowieso kämen, aber dennoch, für die wird gedengelt, als gäbe es kein Morgen.

Irgendwann rolle ich meine Lautsprecher auf die Terasse, dreh auf, dreh so dermaßen auf, und lasse irgendeinen Deathmetal so lange laufen, wie die dämlichen Gocken dengeln, und das jedes mal, wenn sie das tun.
Ich freu’ mich auf den ersten der kommt und meint, ich solle das mal lassen. Komm, mach mir die Freude.

Es ist noch früh.
Der Tag voller Möglichkeiten, meine Lippen ziehen sich etwas zurück, legen die Zähne frei, wenn ich das schreibe.

Möglichkeiten. Ja und so große.

Ich könnte um den See fahren.
Irre Idee, hab ich noch nie gemacht, super Idee.
Der geneigte Dauerleser wird auf diesem Blog gefühlte 700 Bilder über den Sonnenaufgang am See finden.
Ich könnte in die große leere Stadt fahren, herumlaufen und ja, was tun? Fotografieren? Nicht ganz abwegig, nur das bedeutet 90 Minuten fahren für 30 Minuten Ablenkung und fünf verwertbare Bilder von Orten und Dingen, die ich schon tausend mal gesehen habe.

Ich könnte raus gehen. Zu laut, es dengelt schon wieder.
Hören die denn nie auf?

Und wenn ich draussen wäre könnte ich was tun?
Spazieren gehen. Langweilig. Kenn ich schon.
Vor meiner Tür beginnt Acker, Wald, Flur und vor allem Eintönigkeit.

Ich könnte drinnen bleiben, die Freuden der Hand genießen.
Langweilig, kenne ich schon.

Ich könnte etwas essen. Ich warte, bis ich Hunger oder Appetit habe, trinke noch einen Kaffee.

Ein Buch lesen, netter Versuch, mal sehen, ob ich es über Seite drei schaffe.

Einen Film ansehen, gestern kam ein Borowski Tatort, hab ich aufgenommen, ein leidlich unterhaltsamer. Kenn ich schon, also ungesehen oder genau gesagt, nicht wiedersehen und löschen.

Days like these.
Wenn mit aller Macht die Vorhersehbarkeit auf mich eindrischt oder besser noch, mit monotoner Stimme vor sich hin predigt, dass in der Zahl Zwei die Erfüllung liegt.
Dass Yachten, Bentley, Speedboot fahren und Ostflügel queren nur Sinn macht, wenn die Zwei darin auftaucht.

Die Zwei macht, dass der Dialog bei der Fahrt um den See, das Betrachten der ewig krakeelenden Möven, das Schweigen und Verharren im gerade stattfindenden Sein jegliche Monotonie verdrängt, diese nicht mal als Zaungast kennt.
Das selbst Kleinstes, wenn es nur zu Zweit wahrgenommen wird, jegliches Tun zum größten Gut erhebt.

Zwei, ich komme.
Du bist es und wir werden es erleben.

Bentley_Turbo_R_1

11 Gedanken zu “Tage wie dieser

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