Fragen und Antworten

Es war spät als wir zusammen kamen.
Der Mann und ich.

Wir saßen beisammen und schwiegen. Eine lange Zeit lang.
Schwiegen und saßen und waren zufrieden. Mehr musste nicht sein.
Der Weg bis zu diesem Treffen war lang und zuweilen anstrengend.
Entbehrungen gab es ebenso viele, wie Offenbarungen.
Erkenntnisse, einige. Fragen, um einige mehr.

Der Mann und ich saßen und die Zeit war gekommen, in der die Fragen kommen, in der das Fragen beginnt.
Der Mann hörte geduldig zu, hob gelegentlich den Kopf, wenn er erstaunt oder neugierig war.

Er hat nie nachgefragt, nur zugehört und gelegentlich in seiner knappen Art geantwortet.
Nie die Fragen beantwortet, eher mit dem, was er sagte, neue Fragen in das Gespräch gebracht.

In der Finsternis, die wir nur durch den Schein einer alten Öllampe zurückweichen ließen, konnten wir einander kaum sehen.
Saßen uns gegenüber, die Gesichter nur matt beschienen.

Der Strom meiner Fragen ließ langsam nach, seine Antworten waren rar und selten von eindeutiger Natur.

»Nun denn« sagte der Mann.
»Jetzt, wo Du so viel mehr weißt, als zu Beginn, lass mich Dir auch eine Frage stellen.«
Es war an mir zu antworten und ich wollte nicht dumm erscheinen, nicht störrisch.

»Warum bist Du hier?«

Ich dachte lange nach, schwieg, wollte antworten, verwarf und bedachte neu.
Warum bin ich hier?
Was ist mein Zweck?

»Um Fragen zu stellen und wegen der Antworten, die neue Fragen hervorbringen.«
Das war meine Antwort. Diese war wohl abgewogen.

Der Mann legte seinen Kopf in den Nacken, lachte aus vollem Herzen. Lachte, krümmte sich und geriet in Atemnot. Lachte.

Das Lachen verging, er rang nach Luft, kam langsam zur Ruhe.

»Also, willst du es wissen? Ich zeige es Dir. Lass es Dich wissen, wenn du es wirklich wissen willst.
Kein Trick, kein Spaß. Ich schreib es Dir auf diese Karte. Dreh sie um, wenn Du bereit bist.«

Er nahm die Karte, schrieb etwas darauf. Viel konnte es nicht sein, es ging schnell.
Nahm die Karte, sah noch einmal darauf, blies darauf, die Tinte zu trocknen und legte sie verdeckt vor mich.

»Nehm sie, dreh sie um und lese. Kein Trick. Es steht alles hier.«

Ich zögerte, dachte nach, dachte über versäumte Gelegenheiten und die Lehre, die ich aus diesen zog.
Nahm die Karte, zog sie zu mir, noch immer verdeckt.

Drehte sie um, hielt sie im schwachen Schein vor mich,
erfasste den Inhalt in einem Blick.
Nicht viel stand da geschrieben.
Die Karte wog beinahe nichts, die Worte wogen mehr, viel mehr.
In wenigen einfachen Worten stand die Antwort da.
Kein Scherz, kein Trick, nicht 42 oder eine andere Lächerlichkeit.
Sie stand da, wie etwas, das man schon hundert mal gesehen und nicht zur Kenntnis genommen hatte, etwas, das stets außerhalb der Wahrnehmung verblieben wäre.
Ich sah noch einmal auf die Karte, schüttelte ungläubig den Kopf.
Der Mann nickte lediglich in Bestätigung.
Ich lächelte und dann war nur noch einvernehmliches und verständiges Schweigen zwischen uns.

Karte Joker

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