Realität

F. steht vor dem Schaufenster, blickt ins Leere.
F. fährt in der Straßenbahn. Ohne Ziel, mit Fahrschein.
F. sitzt auf einer Bank im Park. Ohne Verabredung. Ohne Folgen.

F. stoffwechselt. Das kann er gut.
Wenn er in Bewegung ist, nicht zu lange an einem Ort verweilt, dann fühlt er sich besser.
Besser, als nur an einem Ort, mit einem Ding beschäftigt.
Nur ein Buch lesen. Das gibt es nicht.
Nur einen Text schreiben. Das geht so nicht.

Rahmen, er braucht Rahmen. Die schafft er sich.
Klangwelten, ausreichend Kaffee, offene Türen, offene Fenster, durch die die Welt reinklingen darf.
Wenn nicht gerade die verhassten Glocken läuten. Aber das hat er drauf, da plant er drum herum.

F. macht im Schnitt drei Sachen gleichzeitig.
Atmen, Stoffwechseln, Verdauen, neue Zellen generieren, alte abstoßen, die Haare und Fingernägel wachsen lassen, den Kaffee auf der Zunge schmecken, ihn hinabrinnen fühlen mal außen vor gelassen.

Gerade eben denkt er über den Tag nach, schreibt etwas, hört Musik und die Vögel, die draußen herumscheppern.
Das ist Durchschnitt.

Die Musikanlage wärmt seit 10 Minuten auf. Die Warming Up Lampe ist noch nicht erloschen. Gemütliches Teil.
Jedes Mal nimmt er sich vor, darauf zu achten, ob das Verlöschen der Lampe mit der Aufwertung des Klangerlebnisses einhergeht, ob sie mehr ist, als nur ein Glammer, diese Lampe.

Egal, er schaut immer wieder mal hin, sie leuchtet noch.
Post landet im Postfach, gelesen während dem Schreiben. Belanglos.

Die Lampe ist aus, und hey, es klingt noch immer wie vorher.

F. sieht Dinge.
F. hört Dinge.
Reale Dinge. Er ist umgeben von Realität.
Hammer.

Eigentlich ganz schön aufregend, so eine Realität.

F. denkt an den Tag, der vor ihm liegt, an all die Begegnungen, die erwünschten, die überflüssigen, denkt an die Konfrontationen, das Zurechtweisen, das Ringen mit der Realität.

F. verantwortet eine ganze Menge und noch hat er Oberwasser. Noch.

F. biegt rechts ab, dann links, dann ist er im Nachbarort, will da gar nicht sein und fährt weiter. Dämliches Kaff, bist im Weg, könntest gut und gern aus meiner Realität verschwinden. Ab, Kusch, Weg! Ich brauch’ Dich nicht.

F. drückt auf Veröffentlichen und schiebt den Text ins Nirvana.
Eine genaue Lokalisierung kann er nicht vornehmen.
Metainformationen, die stehen ihm zur Verfügung, das echte Dokument ist im Nichts verschwunden.
Hat ein wenig was von dem Geschäft, dass in kleinen gekachelten Räumen stattfindet.
Knopfdruck und weg damit.
Nette Realität.

Guten Morgen Welt.

klo

8 Gedanken zu “Realität

  1. Auch Ihnen einen schönen Gutenmorgen. Ebenfalls stoffwechselnd. Bloß gut. Ich glaube, ich habe Ihnen noch nie geschrieben, daß ich Sie am liebsten lese, wenn Sie ein klein wenig hadern. Also jetzt: Ich lese Sie am liebsten, wenn Sie Ihrem inneren Grantler Freiraum geben. Das traut sich mein inneres Heileweltgänschen viel zu wenig. Überhaupt schön, Sie zu lesen, Herr Faktoid. Herzlich, Frau Knobloch.

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