Kein Haus mehr

Fassungslos.
Zeit: 16.03.2014
Ort: Herrsching am Ammersee, direkt an der Hauptstrasse nach Inning.

Die Stimmung:
Erschüttert.

Ich steige aus, nehme meinem Fotoapparat mit.
Nicht zum ersten mal bemerke ich das Grundstück, das verfallene Haus, überwuchert und verwachsen.

Ich halte, gehe über die Straße, vielleicht 100 oder 200m vom See entfernt, gehe durch das verfallene Tor und stehe auf einem Grundstück, dass ich später mit etwa 200 mal 150 Meter bemesse, also rund 35.000 m2.

Tot, unbewohnt, dem Verfall preisgegeben.
Erst als ich auf dem Grundstück stehe bemerke ich die weiteren Häuser, die darauf stehen, es sind drei von verschiedener Größe auf eine Linie.

Das Haupthaus, ein Nebenhaus und etwas, dass wie eine Jagdhütte wirkt.
Alles zu groß für mich alleine.
Wie viele mögen hier gewohnt haben.

Ich gehe um das Haupthaus, mache Bilder, bin sprachlos.

Ich bin eindeutig nicht der Erste, der hier lang geht.
Schmale Trampelpfade von anderen oder den Tieren, die sich das Grundstück zurückgeholt haben, erleichtern den Weg.

Das erste mal erfasse ich die Größe des Grundes, als ich auf der Rückseite des Haupthauses den Blick weiter nach hinten werfe.

Dort hinten, etwa 100 Meter tiefer durch einen kleine Laubwald, sehe ich einen kleinen Teich, ein verfallenes Gewächshaus und ein weiteres Anwesen, beinahe größer als das vermeintliche Haupthaus.

Das Dach, eingefallen, hat im Sturz das halbe Haus zerschmettert.

Wir haben 2014, ich bin nicht im Kosovo, ich bin nicht in irgend einem Kriegsgebiet. Ich bin am Ammersee und bin sprachlos.

Hier muss es Krieg gegeben haben, um das Anwesen, das Erbe oder was weiß ich.
Das hier fühlt sich für mich wie Schnitte im eigenen Fleisch an.
Es lässt mich zweifeln, wieder einmal, Zweifel an meiner Zugehörigkeit, einer Zugehörigkeit zu denen, die so etwas verbrechen.
Die so schöne Gebäude aus welchen Gründen auch immer dem Verfall Preis geben.

Ich mag nicht mehr da sein, verlasse in schnellen Schritten den fremden, ach so fremden Grund.
Werde nicht mehr hinsehen, wenn ich vorbeifahre, will nicht sehen, wie es weiter und weiter verfällt, bis Fristen vergangen sind und die Bagger kommen werden, einzureissen, was so vielen so eine schöne Heimstatt hätte sein dürfen.

Ich wünsche mir, dass einer von denen, die so etwas verantworten das hier liest und sich so schlecht wie ich fühlt, als ich unterwegs war, diese Bilder festzuhalten.
Schämt euch.

Leerstand vermeiden!

13 Gedanken zu “Kein Haus mehr

  1. Es ist schändlich, in der Tat. Und wohl keine Lösung in Sicht, wenn ich den Merkurartikel richtig interpretiere. 4,45 Millionen Euro Gutachterwert? Herrjeyh. Was ich nicht verstehe ist, daß ein Bürgerentscheid Neunutzung verhinderte. Da steckt doch noch eine Geschichte dahinter.

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    • Schade um die schöne alte Villa.
      Diese Häuser wurden noch mit dem Hintergedanken errichtet, zu bestehen.
      Nimm zb. Venedig. Wer will da Moderne sehen?
      Nimm die Altstadt eines Ortes. Will ich da hässliche Zweckbauten mittendrin?
      Ich verzichte gern.

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