Fäden

Wir hängen an Fäden.
Unsichtbaren, leuchtenden Fäden.
Kleinen bunten, pulsierenden Lichterketten gleich, ätherisch und flirrend.
Nicht mehr wegzudenken.

Ohne sie zu sein, kommt kaltem Entzug gleich, der schweissnass durchlitten werden muss, zwar den körperlichen Drang verringert, doch im Denken fest verankert bleibt und schlechtem Essen gleich, gallig nach oben gespült wird, um schlechten Geschmack und Unwohlsein hinterlassend, wieder abzusinken.

Die Botschaften sind mannigfaltig.
Trivial, banal, bedeutsam, wichtig.
Das Leuchten ist immer gleich hell, Unterschied wird nicht gemacht.

In nur einem Moment leuchten Schuld, Sühne, Liebe, Hass, Begehren, Verzweiflung, die geistlose Frage nach dem Abendessen und die Frage, wer mit dem Hund noch raus geht, gleichzeitig, wertfrei und wertlos auf.

Die Gleichzeitigkeit von tiefen Emotionen und grauestem Alltag, die Synchronizität aller Ereignisse, würden dem Betrachter, der ungefiltert all’ die bunten Lichter in einer unendlichen Collage sieht, den vollkommenen Durchschnitt des Seins präsentieren.

Der Sender, der immer auch Empfänger ist, sitzt da, beobachtet das bunte Schauspiel, hat jegliches Gespür für Schönheit, den Glanz des Wahren verloren, dem stumpfen Süchtigen gleich, wird mal Mal um Mal die Dosis erhöht, ein ums andere Mal, damit Reize noch ihr Ziel erreichen.

Durchflutet von Fäden aus Licht, sie endlos verschlingend, nie satt, frei von Hunger und Appetit, nie begreifend, dass er die Marionette ist, die Gliederpuppe, die an Fäden hängt, dass nicht er es ist, der sie erzeugt, dass er es ist, der, schwach im Willen, schwach im Sein, Surrogat, Falsches statt Echtes, verschlingt.

Was sonst nur nahe, in geringster Distanz, Haut an Haut, Lippen, leise, in sehnsuchtsvoll erwartende Ohren, flüstern.

Der Strom, wenn er denn endet, die Lichter endlich verloschen, die Blicke, sich findend, die Sprache, wiedergefunden, wird Worte zu Sätzen bilden.

Finger, die ruhen, nun zärtlich, sich findend, sich umschließend, in sanfter Berührung, die Glätte, das Glas, dass der Berührung nur Widerstand bot, nie Wärme, nie Trost, nie Streicheln war.
Das Glas wird brechen und wir werden sein.
Wieder.
Endlich.

8 Gedanken zu “Fäden

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