03:22 und noch immer wach oder wieder…

Reissue vom Juli 2013

Handlungsanweisung:
Wenn schon nicht wach bleiben, dann einschlafen und mitten in der Nacht aufwachen.
Miles Davis, Kind of Blue auflegen, noch immer die beste Scheibe für die Nachtzeit.
Ob nüchtern oder schon fast wieder. Miles verfehlt nie, nicht um diese Zeit.
Gedanken kommen und gehen.

Danke für die beleuchtete Tastatur, liebes Macbook, no need for light.
Wer braucht schon Licht, wegen mir könnte es dauerhaft 03:22 sein.

So wie in Night on Earth, diesem Kleinod von Jim Jarmusch, in dem immer die gleiche Stunde in Los Angeles, New York, Paris, Rom (Rom!) und Helsinki gespielt wird.

03:22 und eine sich abkühlende Nacht, die langsam erträglich wird.
Außer mir ist nur die Katze wach, der ist es egal, wobei, ich glaub‘ sie mag mich, wenn ich wach bin, auch wenn ich ihr nicht sofort etwas zu Essen gebe.
Katzen sind meistens berechnend, aber nicht immer. Danke für das „nicht immer“.

Ich hab’mir vorgenommen um 5 aufzustehen und schwimmen zu gehen.
Was mache ich jetzt die verbleibenden eineinhalb Stunden, bis dahin?

Miles lauschen, nichts trinken, wenn, dann einen frühen Kaffee. Das Budget gäbe es her.
Nachdem ich mir gestern den Kühlschrank für 30 Euro vollgekauft habe, komme ich so langsam an den Punkt, dass Budget vielleicht sogar auf 5 Euro am Tag zu reduzieren.

Macht es mir etwas, die täglichen Kaffees, die ich mir „ToGo“ besorge einzuschränken?
Nein.
Was ist das eigentlich für ein grauenhaftes Wort, „ToGo“.. peinlich, zu dämlich.
Eines, das ich nie laut aussprechen werde, ich verweigere mich.

Starbucks, wie irre, die wollten mal meinen Namen wissen, als ich da, aus Neugier, mal einen Kaffee mitnehmen wollte. Ich sage auch „zum mitnehmen“, wenn ich so ein Ding haben will.
Ich bestelle einen Kaffee, er fragt mich nach meinem Namen und ich gucke ihn vollkommen befremdet an und sage Mister X und er kritzelt echt ein „X“ auf den Pappbecher.
Eine Minute später, als das Werk vollbracht war, ruft die Kaffeebecherbefüllerin tatsächlich „Kaffee für….. X“.
Einmal und nie wieder, danke Starbucks..

Es ist früh oder spät, 03:36 ist nicht definierbar.
Eine wunderbare Nichtzeit.
Trotzdem da und schon wieder vorbei.
Miles dudelt sie weg, so wunderbar.
Miles, unvergänglich und doch vergangen. Vorbei. Irgendwann werden sie noch mal ein paar Tapes veröffentlichen, die er gelangweilt mit dem Rücken zum Publikum irgendwo eingespielt hat. Na und? Das Beste gibt es schon, hab‘ ich schon.

Warum ist die „A“ Seite der Platte schon wieder vorbei? Tempus Fugit und kein Repeat am Plattenspieler eingestellt.
Ja, irre, mein Technics SL 1310, Baujahr 1976 hat eine Repeat Funktion, kann die Platte bis zu 6 oder 7 (?) mal hintereinander abspielen. Es ist zu dunkel hier, ich werde nicht das Licht anmachen, um das zu prüfen. Es ist auch egal, nicht so wichtig.

Soll ich ein Foto machen? Von, mittlerweile 03:43?
Ja, moment.
03:45: Es ist zu dunkel, das wird nichts.

Der Vollmond, der noch immer keiner ist, bleibt draussen. Dieses fiese und fahle Licht kann ich nicht ab haben. Nur bei Neonlicht fühle ich mich schlechter.
Das wird mir den Raum nicht erhellen.

Also kein Foto.

Mücken im Schlafzimmer, danke Schöpfung, das braucht kein Mensch.
Haben mich ins Wohnzimmer im Ostflügel getrieben.
Irre, ein Furz voll Leben und trotzdem genug, mich, einen Brocken Mensch in die Flucht zu vertreiben.

Miles und Coltrane dudeln um die Wette. Nicht mehr lange und dann muss ich aufstehen, eine andere Platte auflegen und die Qual der Wahl stresst mich jetzt schon.
Ich denke, es wird Closing Time von Tom Waits. Ja, auch der geht nüchtern. Hauptsache, er war es nicht, als er das Album aufgenommen hat. Damals, Anfang 1973.

Da war ich 7 und von Tom Waits hatte ich noch keine Ahnung, aber ich hatte schon einen Plattenspieler und zwischen Märchenplatten auch Pink Floyd und weil es immer schlimmer kommt, als man denkt, eine Kompilation ihrer Frühwerke, „Relics“.
Beeinflusst so etwas die Entwicklung von 7 jährigen? I wo, kaum, nene, passt schon.

Ich hab‘ die Mücke im Schlafzimmer eingesperrt. Soll Sie da oben verhungern. Im Sommer ist das Wohnzimmer, das im Ostflügel, viel angenehmer zum wach nächtigen.

03:56, in einer Stunde schlurf ich zum Auto und dann ab zum und in den See.

Gute Nacht, guten Morgen. Was sagt man um diese Zeit eigentlich?
Thanks for reading, I did not think, while writing this shit.

14 Gedanken zu “03:22 und noch immer wach oder wieder…

  1. Bin gerade auf deinem Gnä Frau Blog angekommen. Schade, dass man nicht kommentieren kann. Du schreibst so, dass es für uns ein wunderbarer Ersatz für unseren Verlust werden könnte.(Wir mussten unsere katzen vor 2 tagen abgeben).Anna(11) hat aufmerksam gelauscht, als ich ihr den Beitrag mit den Weintrauben vorgelesen haben. Es war als wären unsere Katzen wieder anwesend.Die allerdings spielten mit geklauten Murmeln.

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    • Man kann nur kommentieren, wenn man den jeweiligen Text aufgerufen hat.
      Das WordPress Theme ist zwar hübsch, hat aber scheinbar die Einschränkung, dass man erst in den Text rein muss.
      Da ist dann auch Platz für Kommentare. Das ist etwas umständlich, Entschuldigung.
      Ich bevorzuge Weintrauben, die machen weniger Lärm.
      Wieso mussten die Katzen weg? Allergie?

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  2. der Herr Nichtschläfer ist ganz schön knurrig um diese Zeit, stelle ich fest -:))))
    da ich auch oft fast genau um 3.00 Uhr aufwache (liegt am Biorhythmus habe ich mir sagen lassen), nehme ich dann sofort ein Buch zur Hand und lese mich wieder müde, passiert nach ca. 45 Minuten und schlafe dann bis 6./6.30 Uhr traumlos weiter….im Moment gehe ich mit Handke in die Pilze, sein letzter der Versuche , der über den Pilznarren eignet sich hervorragend zum wieder Ruhigwerden…
    und um 5.00 Uhr terrible ins kalte Wasser zum Schwimmen….wie sagen die Bayern: mit mir nie nicht……
    diese Frage, wie begrüßt man jemanden um diese Zeit, bedarf der Klärung….vielleicht einfach nur Hallo ? -:)))

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  3. night on earth – for ever and ever a pearl…

    Jim Jarmusch, ich freute mich letztes Jahr schon, als du auf ihn hingewiesen hast mit deinen Text…

    fantastischer Regisseur, einer meiner allerliebsten…

    ich habe mir erlaubt, dir eine Szene
    aus einem meiner Lieblingsfilme von ihm zu kopieren mit Forrest Whittaker, so true in this film…

    für einsame nächtliche Stunden, die sich schwach anfühlen wenn du einmal Stärke brauchst…

    mein Film der Wahl: Ghost Dog – Der Weg des Samurai

    viel Spaß und einen freundlichen Morgengruß von der Fee 😊

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    • Ghost Dog ist groß.
      Schöne stille Momente.
      Coolster Autodiebstahl ever.
      Und natürlich Lexus!

      Übertroffen nur durch das Original mit Alain Delon.

      Keine Zeit bringt so viele Stimmungen und Momente hervor, wie drei Uhr morgens.
      Diese Momente geschehen, wurden noch nie verflucht.

      Und Night on Earth.
      Ich rufe „Padre, Padre“…

      Piazza Quadrata…

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  4. Lesen hilft. Ich war schon vor Ehrfurcht erstarrt beim Gedanken, dass um 5.00 in den kalten Ammersee gehst. Wieviel Grad hat er aktuell? Am Ende doch noch einmal gelesen und dann den Hinweis auf Juli gefunden. Da ist es nicht ganz so kalt, aber 5.00 wäre nichts für mich.

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  5. Wat’n Stress…dauernd Platten auflegen…nimm doch KJAZZ, da macht es das aktive Fachpersonal. Und wenn man Glück hat….es war zufällig hier VATTATACH, (Fronleichman oder so’n Quark vor 5 Jahren ) aber nicht in L.A. eben….da lief Miles‘ Jack Johnson Box …….und noch immer….und weiter….stundenlang….komplett! Bekloppte Amis, aber Jazz könnt ihr!
    (Worüber sich indes der Meter Maffay freut, das stand gestern in der SZ…warum auch immer…)

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  6. Tiaja…
    Der Blick zum Tacho verrät mir, es ist 03.37 Uhr in der Früh, und der „Shit“ wie du es nennst, versüßt mir die Zeit ʘ‿ʘ.
    Es wäre eine Phars, sich darüber zu grähmen, nicht schlafen zu können wenn man ein Blog wie dieses lesen kann. Da verneige ich mich einfach nur und sage: Danke!
    „Nichts ist so Schlecht, dass es nicht auch für etwas Gut ist“

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