Elektrizität

Visionen, dessen was kommen wird.

Der Strom wird ausfallen.
Länger, als nur ein paar Stunden.
Am Anfang wird es keiner ernst nehmen.

Es wird wie Regen sein, der kommt und vorübergeht.
So werden sie es sehen.
Du. Ich. Alle.
Der Irrtum.

Der Weg in den Supermarkt, versperrt.
Sie können nicht kassieren.
Der Weg in die Bank, wo es ein wenig Bargeld gibt.
Versperrt.
Sie geben Dir das Geld nicht. Sie können es nicht abbuchen.
Kein Strom.

Du hast noch 50 Euro in der Tasche.
Was bekommst Du dafür?

Am Tag Eins nichts, sie können nicht kassieren.
Am Tag Drei bekommst Du dafür noch zwei Flaschen Wasser und einen Apfel. Die Inflation rast.

Danach?
Dein Problem.
Die, die noch haben, fürchten sich vor ihrem Besitz.

Keine Benzinpumpen in der Tankstelle, keine Kanalisation.
Die Straßen, voll mit liegen gebliebenen Autos.
Fahrräder sind hoch im Kurs.
Klau Dir eines und hoffe, dass ein anderer es nicht auch haben will.

Die Pendler.
70km, 100km von Zuhause entfernt, als es geschehen ist.
Ein Anruf nach Hause? Träum schön. Kein Funknetz.
Ungewissheit. Angst.
Hunger.
Durst.
Angst, nackt, kalt und sehr sehr bedrohlich.

Kein Münzschlitz in den Du die nächste Münze versenkst und es noch einmal versuchst.
Ein Versuch, schlägt der Fehl. Pech.
Hardcore Level.
Die Kids stehen darauf. Spielen ohne Reload.
Mal sehen, ob ihnen das Spiel hier auch gefällt.
Es heißt Lauf um dein Leben und der Einsatz ist etwas mehr als eine Münze.

Die Hunde, nun in Meuten, auch die haben Hunger und sie sind nicht mehr so wählerisch.

Das Schreien der Tiere im Zoo. Noch ein paar Tage, dann ist es vorbei.
Die Kranken in den Spitälern liegen hinter schalldichten Fenstern. Da ist es von Anbeginn des Stromausfalls an still.

Du riechst.
Fließendes, sauberes Wasser ist zum Trinken da, sicher nicht zum Waschen.
Deine Kleidung, du hast noch ein, zwei Garnituren, die sauber sind. Leider nichts Praktisches dabei.
Hättest mal mehr dem Outdoortrend folgen sollen, ein paar regenfeste, warme Sachen im Schrank, das wär’ jetzt was, nicht wahr?

Wenn er erst mal weg ist und weg bleibt, wird binnen weniger Tage alles zur Nebensache.
Rote Ampeln, das Wahlrecht, öffentliche Ordnung, die Müllabfuhr, feierliche Beerdigungen. Drauf geschissen, wenn Du jetzt ein frisches Brot, eine Packung Kekse, eine Flasche Wasser, eine labbrig aufgetaute Fertigpizza haben könntest.
Was würdest Du dafür tun?
Den, der eine hat, freundlich fragen?
Nicht wirklich, nicht wahr?

Eine Frage stellt man nicht mit einer Eisenstange.
Immerhin, ganz zurück in die Steinzeit muss ja nicht sein.
Wir machen im Mittelalter halt und verweilen ein wenig da.
Dezimieren uns gegenseitig.
Dezimieren uns durch Tod. Durch Seuchen. Durch Krankheit.

Und dann geht der Strom wieder an und wir machen so weiter, wie bisher.
Nicht wahr?

Energie

15 Gedanken zu “Elektrizität

  1. Scheiße, natürlich machen wir weiter wie bisher. Es ist ja noch kein Generationenwechsel erfolgt. Und den hat es bislang immer bedarft, um Abläufe zu verändern. Im Freundeskreis steht der Plan für diesen Fall. Jeder kennt seine Aufgaben, weiß um seine Stärken, die er dann mit den anderen teilt. Tja, ob das, was im gemütlichen Kaminzimmer bei Bierchen und Schnittchen besprochen, dann auch funktioniert, man wird es abwarten müssen. Auf jeden Fall raus aus der Stadt. Immerhin sprechen wir drüber.

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    • Sie sehen mich beeindruckt.
      Ich güte weder haltbare Lebensmittelschätze noch bemerkenswerte Mengen an Wasser.
      Nur Katzenfutter (immerhin) halte ich in etwas größerer Menge vor.
      Gnä Frau und ich werden uns darum streiten..
      Wenigstens nenne ich einiges an Robustkleidung mein Eigen und ein stabiles Fahrrad.

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      • Katzenfutter ist bekömmlicher als mancher Industriedreck, der uns als Nahrung verkauft wird, aber das paßt nicht zum Thema. Wenn Sie wirklich, ich meine wirklich vorsorgen wollen, zumindest ein wenig, kaufen Sie sich paar Rollen die stabilsten Müllsäcke. Dienen der Wasserbevorratung, als Dach im Baumhaus, zum Trockenlagern von Saatgut und Kleidung. Lernen Sie Tiere zu töten mit eigenen Händen, informieren Sie sich über eßbare Pflanzen und besorgen Sie sich Feuersteine. Stabile Lederschuhe, robust, sind oberallerwichtig, wenn’s ganz hart wird. Ihr Fahrrad wird Ihnen irgendwann unterm Hintern weggammeln. Das allerwichtigste, kein Einsiedlerleben, schaffen Sie sich einen festfamosen gleichdenkenden Freundesstamm. Und dann gelassen durchatmen und abwarten…

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    • Danke.
      Es ist in Wut und in innerer Dunkelheit entstanden.
      Und reißt doch nur an, was geschehen wird.

      Wobei ich lernen durfte, dass es bei einem Stromausfall in Lissabon, der mehrere Tage dauerte, zu Straßenfesten kam.

      Dieser Ausweg kam mir nicht in den Sinn.

      Danke fürs Lesen!

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  2. Ein schönes Gedankenspiel, das mich köstlich amüsiert hat – dafür meinen schönen Dank.
    Ich lebe und arbeite seit Jahren in sogenannten Drittlländern, einige habens inzwischen Dank westlicher Gnadenkredite sogar schon zu Schwellenländern gebracht.
    Was sie dennoch nach wie vor eint, sind diverse lästige Unzulänglichkeiten, wie Wasserknapp oder -verdrecktheiten zu bestimmten Jahreszeiten; über mehr oder weniger häufige Stromabschaltungen redet kaum jemand.
    Bedenklicher sind, und darauf sollte man schon vorbereitet sein, Erdrutsche nach Sintflutregen. Steigerungen im Gefühlsleben bieten Vulkanausbrüche und Erdbeben. Alles schon mehrfach erlebt. Geblieben ist mir dieses absolute Ohnmachtsgefühl wenn die Erde bebt. Der Vorteil gegenüber den erlebten Vulkanausbrüchen ist die allerdings bisher der geringere Arbeitsaufwand hinterher. Wenn nämlich die Asche eines Vulkanausbruchs mit dem ersten Regen danach in Berührung kommt, sterben sofort alle Pflanzen unterm zementenen Belag. Da neigt man durchaus dazu, jeden Grashalm einzeln abzuwaschen.
    In all meinen Gastländern hat sich meines Wissens nie jemand einem Gedankenspiel hingegeben à la was wäre wenn…
    Es kommt nämlich anders und das ganz bestimmt, das habe ich in derlei unabwägbaren Katastrophensituationen gelernt.
    Als hier die Erde letzthin wiedermal erhebliche Blähungen hatte, war nach der Vorwarnung im Kämmerchen reichlich Trinkwasser gelagert, einige Sätze Batterien vorrätig für eine Taschenlampe, die Buggelwutz vollgetankt, das Portemonnaie gefüllt mit Barem für eventuelle Arztrechnungen, die wichtigsten Papiere zum Greifen verpackt und der Erste-Hilfe-Kasten auf dem neuesten Stand. Alles weitere findet sich erfahrungsgemäss.
    Auf dass niemandem im wohlgesicherten deutschen Sorgenlande der Himmel auf den Kopf falle sende ich schöne Grüsse vom Schwarzen Berg.

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    • Im Raum München gab es November 2012 für einige Stunden keinen Strom.
      http://www.sueddeutsche.de/muenchen/der-stromausfall-und-seine-folgen-als-in-muenchen-das-licht-ausging-1.1523784
      Ich konnte mich mit dem Wagen der Stadt auf etwa 20 km nähern, danach habe ich umgedreht, da die Straßen komplett verstopft waren.
      Dieser Zustand, auf einige Tage ausgedehnt…

      Wir sind nicht mehr von Naturkatastrophen gefährdet.
      Berichterstattungen über Abgesoffene in Passau erreichen mich, abgestumpft wie ich bin, nicht mehr.
      „Sollen sie halt wegziehen“ und irgendwie ist es eh nur eine Berichterstattung wert, weil die Medien endlich mal wieder etwas zu berichten haben..
      Spannender fand ich den Hinweis einer Bekannten, zu Zeiten des letzten Donauhochwassers, das auch zb. Straubing erreichte, mir berichtete, dass ihre Tochter, die Polizistin ist, dorthin abkommandiert wurde.
      Nicht, um zu helfen, sondern wegen der stattfindenden Plünderungen.
      Ich gab dann „Webcam Straubing“ an und vergleiche diese Realität mit den Bildern, die ich da gesehen habe und Synchronizität ist überall:
      Auf der Webcam spazieren Leute mit Einkaufstüten über den sonnigen Marktplatz, im Fernsehen berichten sie über die Flut, die alles im Schlamm ersaufen lässt und die Polizistin hilft, das Leerräumen der überschwemmten Gebiete zu vermeiden…
      Nicht in Kabul, sondern in Straubing, NIederbayern…

      Grüße an den Schwarzen Berg und danke fürs Lesen!

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      • „Wir sind nicht mehr von Naturkatastrophen gefährdet“ – – die dunklen Wolken ziehen auch in Deutschland langsam auf… – – … und bringen nicht nur Hochwasser.

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