Unzeit

04:34 Uhr
Unzeit.
Leerzeit.
Zu viel Zeit.

Kaffee, Fernseher, gnä Frau versorgen.
Sanfte Beleuchtung aus der Ecke, grelles Licht vom Display.

Leerzeit.
Nullzeit.

Will den Wagen voll laden mit den Plastikflaschen.
Zum Supermarkt, Pfandflaschen einlösen.
Am liebsten Jetzt.

Katzenfutter, ein wenig Obst, Gemüse, frisches Wasser.
Stunden noch, bis der Markt öffnet, Stunden noch, bis ein Bäcker öffnet, Stunden noch.

Nur der See hat schon offen, nur am Steg ist schon Platz.
Da ist immer Zeit.

Trotzdem, Wagen voll laden, ab an den See.
Sitzen.
Denken.
Warten.

Auf das Café, dass nun in zwei Stunden öffnen wird, auf Zeitung, ein paar freundliche Gesichter, auf ein paar Phrasen, wohlmeinend und doch ohne Bedeutung.

Warten, auf Gedanken, die mehr sind, als Treibgut, die mehr sind als angeschwemmte Bruchstücke.
Die es wert sind, gedacht zu werden.

04:55
Die Katze ist raus, macht einen Morgenspaziergang.
Durch die offene Tür klingen frühe Vogelstimmen herein.
Erinnern an Zeit, die vergeht, an den Morgen, der kommen wird, der begonnen hat.

Die Augen, müde.
Der Geist wach, wieselnd, flüchtig.
Haschen spielen mit dem Kopf.

05:15
Der Weg zum See, alleine auf den Straßen.
Ein einsamer Fotograf steht am Straßenrand, wartet auf die Sonne, die den Nebel in feines Rot tauchen wird.

Nullzeit,
nun gefüllt mit den Farben des angehenden Tages.
Gefüllt mit den Rufen der Blesshühner, der Haubentaucher, der Gänse, die über mich hinwegfliegen.

Tage, die sich gleichen.
In immer wiederkehrender Gleichförmigkeit.
Aufstehen.
Stille.
Leere.
Denken.

Blicke in die Leere.

Unzeit.
Ohne Plan.
Richtung.
Bestimmung.

Bitte geh vorüber.

Blau am See

11 Gedanken zu “Unzeit

  1. Die Stimmung am See ist schön. Doch immer gleichmäißge Schönheit ermüdet wohl auch das Gemüth. Braucht ein Eremit eine Bestimmung? Oder ist es die seine, der Sonne beim Aufgehen zuzusehen und dem Vogelgekörre zu lauschen? Oh, was gäbe ich drum, am See zu sein. Aber nicht als Eremit.

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    • Schauen Sie sich die Bilder, es gibt ja nun schon zahllose von dem See noch einmal an, bitte.

      Wo ist da Gleichmaß?
      Das Licht, ich habe den Steg bestimmt schon zig mal abgelichtet, es ist nie gleich.

      Die Befindlichkeit, mit der ich das sehe, ist nie die selbe.

      Die Stimmung, in der ich diesen Ort verlasse, nie vorhersehbar, nie gleich.

      Das, was ich dort hinbringe, das nehme ich verändert wieder mit.

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      • Die Stimmungen mögen variieren, die Schönheit jedoch in aller Summe, beinhaltet Gleichmaß. Und ich erlese, daß Sie dessen überdrüssig scheinen. Wollen wir mal tauschen? Ich jage um diese Unzeit oftmals mit meinem Bully über die Autobahn. Deswegen macht mich ihr Eintrag sanftneidisch, Herr Faktoid, was ich offen zugebe. Tage, die sich gleichen, gibt es für mich nicht. Und auch kein Blick in die Leere. Mit Feingruß, Ihre Käthe.

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