Das Motiv zu Schreiben

Die Schreiberei gewährt ein seltenes Glück.
Man muss es sich ab und an vor Augen führen.
Das sollte man in der Tat.
Das gemeinte seltene Glück ist, schlichtweg Gott zu sein.

King schafft Welten, in denen er seine Protagonisten sich, dem Autor, begegnen lässt, sie niederknien und “Heil, Dir Wörterschmied” sagen lässt.
Ich unterstelle ihm mildes Lächeln, als er dies niederschrieb.

Für mich ein faszinierender Moment, selten erlebt, nie selbst ersonnen, geschweige denn den Schneid gehabt, dies für mich zu vereinnahmen.

Der verehrte George R.R. Martin, mir nur durch das Lied von Eis und Feuer bekannt, dem Fernsehsüchtigen auch als Game of Thrones geläufig, er demonstriert aufs Ärgste, wie nah Leben und Tod zusammen liegen können, richtet Handlungsträger, die natürlich auch Sympathieträger sind und dann ganz urplötzich nur noch waren, richtet diese mit größtem Eifer und unverhohlenem Sadismus.

Ganz zu meiner Freude, denn die Demonstration, Gott in seiner kleiner Welt zu sein, gelingt vortrefflich.

Freilich, jeder 5 jährige, der seine Armeen von Spielzeugsoldaten gegeneinander antreten lässt, richtet Massaker an, die denen der gestandenen Autoren um nichts nachstehen.
Doch ist es nicht dasselbe, als wenn Protagonisten knien, gerichtet werden, unter Qualen auf der Folter, im Willen und den Knochen gebrochen werden, Figuren, die man geliebt, verehrt und dann nur noch als Erinnerung wahrgenommen hat.

Der Boshafte in mir gluckst vor Schadenfreude, wenns ab und an den Richtigen erwischt.

Gott zu sein, vielleicht ist es die Triebfeder, die die Finger über die Tasten gleiten lässt, die Ströme von Gedanken zu Papier, auf den Schirm und durch die Augen in die Seele der Leser dringen lässt.

Nichts Kleineres mag ich akzeptieren.

George R. R. Martin and  Tyrion Lannister
George R. R. Martin und Tyrion Lannister
Das Sterben im Lied von Eis und Feuer. Danke George
Das Sterben im Lied von Eis und Feuer. Danke George

6 Gedanken zu “Das Motiv zu Schreiben

  1. Schreiben, um Gott zu sein? Verwegener Gedanke, geschrieben an Karfreitag. Nun, wenn dieses Ihr Antrieb, dann nutzen Sie ihn. Götter erschaffen allerdings auch, Sie meucheln nicht nur. Wortgott. Ich nenne Sie lieber weiter Weltendenker, aber nur heimlich…

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    • Ach, religiöse Aspekte sind mir fremd.
      Ich nehms ja auch nicht für mich Anspruch.
      Bei King oder Martin, die ich gerade lese, drängt sich der Gedanke aber in aller Offensichtlichkeit auf.

      Derart brachial wurde das für mich bis dato noch nicht zelebriert.

      Jenseits der Tolkienschen heilen Welt, wird ohne Rücksicht auf Stand, Verwandtschaft oder freundschaftlichem Bund gemordet, gevögelt, verraten und verkauft.

      Göttlich ist auch immer spöttisch und voller krankem Humor.
      Depeche Mode habens in „Blasphemous Rumours“ in frühen Jahren schon erkannt.

      Dem mag ich mich nur anschließen und bleibe, bei dem was ich glaube zu können.

      Eins, zwei mal habe ich gemordet in meinen Geschichten, es war kein schönes Treiben.
      Nicht nach meiner Facon.

      Und danke für den Weltendenker und das Lesen.

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  2. Schreiben, um Gott zu sein, oder sich wie ebenjener zu fühlen? Bei mir ist es das nicht, aber so hat eben jeder seine Gründe und Motivationen etwas zu tun oder nicht oder so oder anders. Interessant beim Schreiben ist, finde ich, wenn man eine (längere) Geschichte schreibt und die Figuren plötzlich beginnen ein Eigenleben zu führen. Und so gibt es einige schöne Erfahrungen beim Schreiben und alles andere, was eben auch dazu gehört. Schreiben macht die Welt bunter, reicher, vielfältiger, tiefer und weiter. Und nicht-schreiben-können, … erfordert Geduld. Zum Teil sogar vieeeeel Geduld. Gehört aber auch dazu.
    Wünsche frohes Weiter-Erschaffen und nebenbei auch schöne Ostern!

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    • Ich glaube, wenn man so intensiv, wie die oben genannten schreibt, dann tut man das bestimmt nicht in diesem Bewusstsein.
      Dennoch, wäre ich eine Figur in einer dieser Geschichten, ich würde ihn, den Wörterschmied, gottgleich betrachten und ihn verfluchen, für das, was er mir antut.
      Eben dies geschieht in einer der King Geschichten.
      Und dafür verehre ich ihn.
      Ich wünsche angenehme Tage und sage Danke fürs Lesen.

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