Der Palast

Traum.
Verblassend.

Von den Kanälen. Den alten Mauern.
Dem Palast.

Von den schweren Türklinken, den alten Scharnieren, der schweren Tür.
Dahinter, ein langer Gang, die Wände mit Wandteppichen bis Hüfthöhe verschönert.
Darüber, Platz für Bilder in schweren, golden verzierten Rahmen.
Motive aus der Region, Portraits, Szenen des Alltags.

Vom Gang rechts abzweigend, die Küche, ländlich, offen, Kupfergeschirr.

Elektroleitungen, offen an der Wand befestigt, Unterputz beschädigt das Gemäuer.
Die Stromkabel, stoffummantelt, altertümlich, dennoch zweckdienlich.

Lichtschalter, schwer, klobig, zum Kippen oder Drehen, ebenfalls aufgesetzt, klobig und doch irgendwie schön, an längst vergangene Zeiten erinnernd.

Etwas weiter den Gang hinunter, rechts das Wohnzimmer, Marmor, am Boden, bedeckt von schweren Teppichen.
Mobiliar aus Holz und Leder, englisch, ein wenig fremd, aber so bequem.
Die Fenster, vom Boden bis zur 4 Meter hohen Decke, eher Terrassentüren gleich, die aber nur über den Kanal führen. Kein Platz hier für den Weg nach draußen.

Nach draußen geht es, wenn man den Flur ans Ende und die kleine Treppe herunter geht, die deutlich weniger massive Tür öffnet und den kleinen Innenhofgarten betritt.

Ein kleiner Brunnen bildet den Blickfang und erfreut mit leisem Plätschern das Ohr.
Die kleinen Vögel und selten ein Windhauch der die Blätter, der südlichen Pflanzen, zum Rauschen bringt, bereichern die Wahrnehmung.

Es ist lau, hier niemals kalt, niemals drückend, der Brunnen sorgt im heißen Sommer für angenehme Milde.

Der Palast, mein Ort, wenn es gut sein muss, nur zu Fuß, durch schmale Gassen oder mit dem kleinen Boot erreichbar, der Kanal ist ein schmaler Seitenarm, die Hauswand gegenüber nur wenig mehr als 3 Meter entfernt.

Der Palast, nicht frei von Fehlern und doch und gerade deshalb, so richtig.

Draußen, dort, wo die anderen sind, sind kurze Begegnungen, kleine Gespräche, ein Espresso, ein paar Augenblicke, dann weiter, durch die Gassen, mit dem Strom, ihm entgegen, ihm ausweichend, ganz nach Stimmung.

Stadt, die nicht jünger wird, nur älter, von Anfang an nur im Verfall.

An einem kleinen Kanal habe ich ein Geschäft gefunden, dass alte Badearmaturen, beinahe antike Lichtschalter und Steckdosen anbietet. Da, es gibt schöne alte Klingelknöpfe, aus Bronze, grün verfärbt, aus schwerem Metall.

Dort drüben eine kleine Bar, in Öl eingelegte Fische, Oliven.
Zwei davon und einen kleinen Wein bitte, und die Carciofi noch, bitte.

Später dann, zufrieden, Hunger und Durst befriedigt, zurück in den Palast, ins Arbeitszimmer.
Die Notizen, die Bilder im Kopf, der salzige Geschmack, gepaart mit dem Wein, noch auf der Zunge, es will geschrieben werden.

Nun vergeht die Zeit ohne mein Zutun, auf dem Strom gleitend fließt es aus meinen Händen, durch die Finger, wird zu Worten.

Der Palast, mein Traum.
Mein Ort.

6 Gedanken zu “Der Palast

  1. Der Traum verblasst? Mich deucht, die Worte die Sie hier mit uns teilen, sprechen eine andere Sprache. Als gänge man neben Ihnen durch den Palast und die Gassen, so lebendig und liebevoll gar schreiben Sie über diesen Traum. Danke für die Traumverführerey.

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