Kepler-186f

Und da sitzen sie nun, auf Kepler-186f, sinnen nach darüber, ob es wo anders auch so ist.

So entsetzlich.
Leben ohne Frieden, nicht Innen, nicht Außen.
Führen seit Generationen Kriege.
Jeder für sich, gegen sich, gegen andere.
Einer.
Alle.
Ausnahmezustand als Regel.

Schreien sich an, auf der Straße, beim Abendessen, vor dem zu Bett gehen, nach dem Aufstehen.
Leben in Zank und Unfrieden.

Neiden sich das Wenige, dass sie ihr Eigen nennen, buckeln nach oben, treten nach unten.
Selbst der Schwächste findet noch einen, dem es ärger geht und den lässt er es spüren.

Missgunst, Argwohn, Gier prägt den Einzelnen.
Geprägt von dem lauten Gekreische, dass rund um die Uhr aus Lautsprechern dringt, die Augen stets auf das Flackern der Bildschirme gerichtet.
Abschaltbar, doch dessen schon lange nicht mehr gegenwärtig.

Normal ist, wenn Stille den wenigen Stunden des Schlafes vorbehalten ist.
Die übrige Zeit, regiert von Außen.

Die Nachrichten berichten von den Erfolgen der Astronomen, die schon seit einigen Zyklen, mit Hilfe großer extraplanetarer Suchsysteme, in einem fernen und doch benachbarten System einen angeblich bewohnbaren Planeten entdeckt haben.

Erfreuen sich an Visionen, wie es da wohl so sei, ob das Leben einen ähnlichen Weg gefunden hat.
So glorreich und groß in allem Sein.

So stark, wenn es galt, sich nach oben zu drängen, so ohne Rücksicht auf alles andere, wenn nur man selbst bestehen würde.

Doch so haben sie es nie gesehen, die Menschen von Kepler-186f.
Für sie war es das Selbstverständlichste auf der ganzen Welt, dass all das, was sie umgab, nur ihnen zur Verfügung stand, nur für sie da war, da, um genutzt, verbraucht, verschwendet zu werden.

So waren sie, die Menschen.

Das Licht legt im Vakuum 299.792.458 m/s zurück.
Kepler 186-f ist 800 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Und so begab es sich, dass die Beobachtungen, die die Astronomen der Erde vor wenigen Wochen getan haben, nur ein Blick auf lang Verblühtes war.

Das entdeckte Objekt war nur noch Licht, war lang vergangen.
Längst geschehen und vorbei.
Wie so oft, lag keine Lehre in dem, was sie da entdeckt hatten.

SUN

5 Gedanken zu “Kepler-186f

  1. Unheimlich. Mein letztes Traumbild vor dem Aufwachen war die bei dir abgebildete Planetenkonstellation. Und vorher träumte ich von älteren Karten, auf denen der Schrägstand der Erde schon eingezeichnet ist.

    Gefällt mir

Was gesagt werden muss...

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s