Über Kreativität…

48, ja kein Alter, nicht, wenn man mich fragt.
Bis jetzt habe ich in vielen Formen versucht, mich auszudrücken.

Malen habe ich nie versucht, eher Zeichnen.
Zeichnen, das habe ich leider in meinen frühen Jahren aufgegeben.
Leider, denn, meine Welterklärungsmodelle, die oberirdisch von prachtvollen Landschaften verziert waren und einer Unterwelt, die aus Maschinen bestand, die die obere, für alle sichtbare Welt gesteuert haben, dafür sorgten, dass das Wasser fließt, die Sonne jeden Tag auf geht, diese Bilder sind leider verschollen.
Unverzeihlich, ich habe sie nicht weg geworfen. Das waren andere…

Musik.
Ich hätte das Schlagzeugspielen, dass ich mit 15 versucht habe, vertiefen sollen.
Ich war gut, wusste ohne Anleitung, wie man einen dreckigen Sgt. Pepper Beat produziert, oder den Funky Drummer.
Den bekomme ich noch heute hin.
Oft klingen die Trommeln in mir, obwohl ich sie zuletzt vor Jahren gespielt habe.

Gitarre war mir immer ein Rätsel, wird es wohl auch bleiben.
Ich würde gerne da einsteigen, wo J.J. Cale aufgehört hat.
Die Überei weglassen und gleich die richtigen Noten beim Spiel weglassen.

Drummachines, Synthesizer, Sequenzer, Effektgeräte, Mikrofon
Kaum, dass ich Geld hatte, waren damals in den 80igern, das die Geräte der Wahl, um mich auszutoben.
Cabaret Voltaire, Kraftwerk, Alien Sex Fiend und die Pet Shop Boys. Westend Girls.

Wäre ich dran geblieben, hätte vielleicht was daraus werden können…

Ich war nie zufrieden, mit dem, was da aus den Lautsprechern kam, obwohl manches gute Ansätze hatte.
Musik war der Spiegel meiner Selbst, konnte unendlich hart sein.
Ich erinnere mich an ein Klanggebilde namens Nagasaki Dreams, gnadenlos hart, Trommeln, Fanfaren, hysterische Sequenzen und an Stücke, die denen von Human League nahe waren, auch weil meine Stimme damals schon tief war.

Irgendwann gab ich es auf, obwohl jede Generation an Technologie neue kreative Schübe hervorbrachte.
Aufgegeben, wohl, weil das Equipment zu teuer wurde, mir die andauernde Feststellung, dass andere bessere Musik machten, mir damals zu sehr zu schaffen machte, wohl auch, weil das Konzept von Strophe Strophe Refrain für weitestgehend instrumentale Musik nicht sinnvoll war, vor allem, wenn die Stücke zwischen einer Minute und einer Stunde dauerten.

Und der Mangel an Weiterentwicklung, verbunden mit der Feststellung, dass immer mehr Technik in den Computer, weg von dem haptischen Erlebnis der Knöpfchendreherei, überführt wurde.

Heute kann man bei amazon wieder Drehknopfcontroller, Tastencontroller und all das Midi-Steuerzeugs im Kilo für kleines Geld kaufen.
Mich schreckt das Zuweisen der Funktionen, ich will Klänge und Rhythmusstrukturen erzeugen, ohne vorher Stunden beim Vorbereiten zu verbringen.

Schade, es reizt mich immer wieder, aber die Skepsis, der Zweifel am Können überwiegt.
Wohl auch deshalb ist seit dem letzten musikalischen Versuch mehr als eine Dekade vergangen.

Der persönliche Musikgeschmack tendiert mittlerweile deutlich zum Jazz, zur Oper, vorbei die Lust an hausgemachter Elektronik.

Neu ist, seit einem oder zwei Jahren, die Lust am Bild und am Festhalten davon.
Ich habe mich, ganz wie bei der unendlichen Menge von Musikinstrumenten auch bei der Wahl des Fotoapparates ausgetobt.
Habe ganze Produktpaletten und Kategorien abgegrast und bin am Ende bei der kleinsten und billigsten hängen geblieben und die ist gut, mehr als das.

Sehr zu meinem Erstaunen und zu meiner Freude auch, bin ich davon bisher nicht abgekommen.
Stelle mit ganz uneitler Genugtuung fest, dass es mir nie genug wird, dass es gut und immer wieder besser wird.

Auch warte ich innerlich nicht, wie bei der Musik darauf, dass es mir über ist.
Es bereitet mir mehr und mehr Vergnügen und das ist Hort und Zuflucht zugleich.

Ich bin dankbar dafür, fehlte es mir doch in all den Jahren an etwas, was ich aktiv tun konnte, flüchtete ich mich in der Zeit der Suche stets in den Kaufrausch, kompensierte Leere mit Leerem.

Und dann, schon oft und mit noch größerer Freude, das Schreiben.

Interessant, kein Fingersatz, kein Stil, kein Thema und doch das Gefühl es nicht ganz verkehrt zu machen.
Nicht nur in Belanglosem zu verharren, dem „mein erster Aufsatz“ Stil.

Ich habe Jahrzehnte auf der Suche nach einem eigenen Stil, einer Ausdrucksmöglichkeit verbracht und verschwendet.
Wobei der Weg mir sicher auch ein treuer Lehrmeister war. Das Lernen, das Verlernen, Ausprobieren und nie ein Ende finden, Teil der Selbstfindung.
Ich mag sie, die Formen des Ausdrucks, die ich ausprobieren und vertiefen durfte.
Danke, Du Selbst, das Du mich lässt.

Geflecht

10 Gedanken zu “Über Kreativität…

  1. «Ich habe Jahrzehnte auf der Suche nach einem eigenen Stil, einer Ausdrucksmöglichkeit verbracht und verschwendet.
    Wobei der Weg mir sicher auch ein treuer Lehrmeister war. Das Lernen, das Verlernen, Ausprobieren und nie ein Ende finden, Teil der Selbstfindung.
    Ich mag sie, die Formen des Ausdrucks, die ich ausprobieren und vertiefen durfte.
    Danke, Du Selbst, das Du mich lässt.»

    Das unterschreibe ich sofort. Das könnte auch aus meinem Leben sein (o.k., bei mir war’s nicht ganz so teuer). Und es macht mir Mut und es schafft mir Klarheit und es läßt mich an die Zukunft glauben. Wirklich!

    Danke.

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  2. Lieber Herr Faktoid, diesen Text werde ich nicht müde zu lesen. Gerne wieder und wieder. Weil er eine wunderbare Liebeserklärung an sich selbst ist, an sich und sein Fähigkeiten. Und das sollte ein jeder hin und wieder tun. Sich selbst ein wenig bewortlieben. Es ist mir ein Vergnügen, ihn lesen zu dürfen. Danke.

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  3. Wie schade, dass die, die die frühen Bilder weggeworfen haben, diese nicht wertgeschätzt haben. Sie hätten müssen nachfragen!!
    Eine solche verächtliche oder gleichgültige Behandlung von frühen Bildern der Kinder durch ihre Eltern habe ich als Kunstlehrerin so oft, Du glaubst es kaum, erlebt…Da wurden …zig kreative Anlagen kaputt gemacht! Kleinere Kinder schon zeigten mir ihre entstandenen Bilder keineswegs voller Stolz, sondern mit den Worten: Gell, das ist sch….ße. Grauslig, mir stellen sich jetzt noch die Haare!

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