Über die moderne Welt

Orte, so trostlos wie die weinende Seele, die sich dem Abgrund entgegen sehnt.
Verfallen, verwüstet, gebrandschatzt, der Vernichtung preisgegeben.

Landschaften, vom Mensch geformt, der Natur entrissen, ohne Pfand, kein Rückgaberecht.

Denn dies ist nicht mehr Land, so wenig, wie die Souvenirs, die auf manchen Straßen als Reliquien einer vergangenen Kultur angeboten werden.

Es sind die Spuren unserer Zivilisation, die wie schwärende Narben die Landschaft zerteilen, die uns selbst, die wir noch zu Fuß gehen wollen, daran hindern, auf kurzem Weg ein Ziel zu erreichen.

Sie zwingen uns in den Untergrund, sie zwingen uns zum Halten, zum Warten, zur Geduld.
Wer zu Fuß geht ist zweite Wahl, dritte Wahl, unwichtig.

Auf dem Land, abgeschnitten von dem Leben, die Entfernungen zu groß, wenn das Alter und das Altern nur weit genug fortgeschritten ist, unüberwindbar.

Schneisen, geschlagen, Verrat an unserer Herkunft.
Verlust.

Rasend, den Sinn für Entfernungen verloren, in Kammern, abgeschirmt, isoliert, selbstvergessen.

Rehe, Hasen, Igel, Vögel, gedroschen, aus dem Leben.
Das Blech steht über dem Leben.

Verdammte Welt.

21 Gedanken zu “Über die moderne Welt

  1. Lieber Herr Faktoid, Sie müßten erahnen, wie nahe ich bei Ihnen bin bei diesem Text. Allein, mein Gehadere bekommt immer dann einen Dämpfer, wenn so wie gestrig ein Tramper, eigentlich die Langsamkeit der Bewegung bereits zweijährig walzend auf ebendieser erlernt; sich kringelig freut, wenn ein Automobil ihn aufnimmt und flugs durch die wunderschöne Landschaft trägt. Er wollte noch weiter bis Frankreich. Ich fühle mich immer noch äußerst zwiegespalten. In manchem Fluch ruht ein Segen.

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    • Ich sehe da nur Maß und Ziel, keinen Fluch.
      Der Irrsinn ist der ganze Individualverkehr, dem ich mich auch nicht entziehe. Inkonsequent..
      Straßen voll von Fahrzeugen mit nur einer Person darin.
      Rasende Singlehaushalte…
      Selten genug pack ich auch mal jemanden ein und nehme ihn mit.
      Ich habe mir mal den Spaß gemacht, eine Strecke, die ich mehrmals in der Woche mit dem Wagen in 30 Minuten gefahren bin, mit dem Pferd auf Nebenwegen zu reiten.
      Das war ein Tagestrip und es gab so viel zu sehen. So viel mehr.

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      • Deswegen ja bin ich so ganz bei Ihnen. Muß zum Glücke in der Familie liegen. Wir stopfen uns lieber knieüberkreuzend in ein einziges Automobil, als wegen der Bequemlichkeit ein weiteres Fahrzeug auf die Graustraßen zu schicken.
        Trotzdem bleibt der Fluch der Mobilität als Segenshüter in meinen Augen übrig. Mein innewohnendes Heileweltgänschen schnattert wohl lauter.
        Obwohl, Moment, Sie sehen da Maß? Ist es nicht eher die Maßlosigkeit, die uns immer schneller bestimmte Orte, meist Konsumtempel erreichen läßt? Ohjehmitmineh, ein wahres abendfüllendes Thema…

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      • Ich bin, was das Autofahren angeht, eine rechte Pottsau.
        Mit dem Auto sind es 30 Minuten ins Büro, öffentlich, dank fehlender Querverbindungen, drei mal so viel.
        Fahrgemeinschaften funktionieren nicht, Alternativen sind nicht in Sicht.
        Da finde ich, dass Sie das schon gut machen, wenn Sie einen Anhalter mitnehmen, und den Wagen auch sonst reichlich bepassagieren.
        Ihnen wohnt da inne, wo ich versage.

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      • Mein lieber Faktoid, tagwerktechnisch pottsaue ich regelmäßig, weil es nunmal nicht anders geht. Finge ich da das Beeigenhadern an, ich müßte im Erdboden versinken. Wichtig ist die Selbstreflektion in Maßen und die Vermeidung jeglicher unnützer Rumgurkerey. Ich sehe ja auch die ganzen Individualfahrer, die wegen eines Brotes zum Bäcker im Nachbarorte rauschen und bjäche darob immens. Sie werfen sich Versagerey vor, ich nenne es nicht Versagen, sondern Wohlstandsbequemlichkeit. Und die teile ich manchmal mit Ihnen. Ja, leider.

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      • Außerdem ist mir letzte Woche ein kleiner Vogel in den Wagen geflogen und gestorben
        Ich wußte da nicht, was oder wen ich mehr verachtet habe, mich selbst oder die heutige Zeit, in der Sekunde für Sekunde kleine und große Wesen aus dem Leben zermahlen und gedroschen werden.

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      • Ich müßte Ihnen jetzt von meinem Wildsauunfall berichten. Das sterbende Klagen des Tieres hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Es dauerte ewig und dann der erlösende, doch entsetzliche Hall des Fangschußes, es war grauenhaft…
        Die Verachtung dessen, was man da angerichtet, ja, die teile ich. Was tun dagegen? Auch da helfen nur kleine Wiedergutmachungsschritte. Ich trage jedes Jahr Kröten über die Fahrbahnen. Ob das reicht? Ich glaube nicht. Aber ich tue etwas bewußt.

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    • Fein, da sind wir schon zu dritt. Mass halten ist das „Mantra“, das rechte Mass. Brauche ich dies oder jenes für mich als Notdurft oder möchte ich es lediglich zum „Wohlfühlen“ haben oder kaufen. Aber auch beim Sprechen, wie ist mein Umgang mit den Worten, der Sprache…
      Schnecken ins schützende Gelände zu setzen ist mir inneres Bedürfnis. Leere Verpackungen nicht willkürlich im Gelände zu meiner Bequemlichkeit ent-sorgen und damit grössere Sorgen schaffen.
      Selbstbefragung für ein bewussteres Leben, als Erlebnis von Autonomie und Freiheit.
      Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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      • Sie finden wieder die richtigen Worte, alle beide. Der schönste Beweis für den Lohn der Maßhaltung ist der Garten beim Haus am Ende des Weges. Seit der Rasenmäher verbannt, und Gras nur noch gesenst wird und noch heuend auf der Wiese verbleibt, tummeln sich wieder scharenweise Insekten. Noch nie war die Vogelschar so zahlreich, der Igel kehrte zurück und die Fledermäuse. Fast jeden Tage errette ich dusselige Spitzmäuse, Minifröschlein und Salamander aus der Kellerrunterplumpsfalle. Ich sehe Schmetterlinge, die selbst ich nicht kenne und in den Wasserstellen, von mir angelegt, hausen Unken und Kröten. Was kümmern mich die Penibelkommentare von Multifunktionskleidungsträgern am Zaune, die besserwisserisch ihre seltsamen Skistöcke heben.

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      • Autonomie und Freiheit setzen voraus, zwischen den besserwisserischen und besserwissenden Kommentaren unterscheiden zu können. Eine der Fähigkeiten, über die Sie offensichtlich auch verfügen… Schön

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