Augenblicke…

Nur ein Augenblick, ein Moment, eine Verzögerung, vielleicht auch nur eine Abkürzung, wer weiß.

Zwei mal, statt einmal schauen.
So summieren sich die kleinen Momente zu Größerem, zu dem entscheidenden Moment, dem, der etwas bedeutet.

Der Blick in den Rückspiegel, kurz nach dem Abbiegen, offenbart die Bedeutung der kleinen Verzögerungen.

Hinter mir bohrt sich der Irre, der unmittelbar, nachdem er mich passiert hat, mit kreischendem Motor zum Überholen ansetzt, in den hinter mir Fahrenden.

Wäre ich langsamer gewesen, hätte ich die Zeit nicht unbewusst zu meinem Vorteil genutzt, wäre ich derjenige gewesen, der zerschmettert, rot vor Blut einer neuen, noch ungewisseren Zukunft entgegen geblickt hätte.

Augenblicke, nur Winzigkeiten.
Der Ereignishorizont verändert sich mit jedem Moment.
Die Linien der möglichen Zukunft bilden einem Feuerwerk an seinem Höhepunkt gleich, eine Myriade an Wegen, die zu jedem Zeitpunkt eingeschlagen werden können, sich überkreuzen.

Manche dieser Linien enden, verglühen unmittelbar, sind Fehlzündungen des Lebens, ohne Perspektive, verloschen, bevor sie einen sichtbaren Effekt hatten.

Andere strahlen über ihren ganzen Weg, für alle sichtbar im Fanal.
Oft sind es nur Winzigkeiten, die den Weg in die ein oder die andere Richtung verändern.
Weichen werden gestellt, wir gleiten darüber, unbemerkt ändern sich Richtungen.

Gestern war einer der Momente in denen ich dem Stellen der Weiche, einer der unendlich vielen Weichen beiwohnen durfte.
Ein flüchtiger Blick in den Rückspiegel gewährte mir dies Privileg.

Was ist es, was ich nun anders tun werde, als vor diesem Moment, vor dieser Erkenntnis?

Im Verstehen, dass es einem Ritt auf einer Klinge nahe kommt, dass es keinen Weg gibt, der richtig, der falsch ist, dass im Resümee, so es gewährt wird, vielleicht Erkenntnis liegt, werde ich nichts anders tun, als das, was ich tue.
In diesem Moment und jedem der folgen wird.

Vielleicht versuche ich weitere Blicke zu erhaschen, vielleicht gehe ich näher ran, an das rotierende Blatt aus Klingen, gehe weiter auf den Gleisen, auf der Suche nach Weichen.
Vielleicht überhöre ich dabei den Zug, dem ich sonst nie in finaler Heftigkeit begegnet wäre.
Was weiß ich?

Weichen

10 Gedanken zu “Augenblicke…

    • Es war und ist mir als Erlebnis gleich.
      Als Anstoß für diesen Gedanken war es mir wertvoll.
      Es gewährte mir einen kleinen Einblick in mögliche andere Realitäten, in denen ich ebenfalls existieren könnte.

      Das Spiel mit diesem Gedanken ist reizvoll.

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