Der Tag…

Der Tag an dem Keith Richards stirbt…
Ich hab Angst davor.
als obs mein eigener Tod wäre.

Gerade sitze ich da und höre Sweet Virginia „gotta scrape that shit out of your shoes“,
wie er so herrlich daneben, im Chor mit Mick, singt, so beseelt von der Musik.

Ich weiß, das er mir fehlen wird. So sehr, wie mir Musik fehlen wird.
Keith ist Musik.

Tag für Tag fürchte ich mich davor diese eine Meldung zu lesen, die eine, in der steht, dass er, unerwartet aber doch, verstorben ist.

Keith, diese Ikone, stets seiner eigenen Karikatur näher als es jeder Versuch, ihn zu zeichnen, ihn zu imitieren sein könnte.

Keith, einer der wenigen, bei denen es mir vollkommen unmöglich ist, mir vorzustellen, dass etwas anderes als Musik aus ihnen spricht. Seine Berufung. Seine Bestimmung ist Musik, sonst nichts.

Man versuche sich das mal vorzustellen, Keith hinter einem Schreibtisch oder hinter der Wurst und Fleischtheke, Keith, der Regale auffüllt oder auf dem Wochenmarkt Krauthobel vertickt.

Irgendwer hat mal behauptet, den nächsten Atomkrieg werden nur zwei Lebensformen überleben, Kakerlaken und Keith.
Ich befürchte, das wird selbst er nicht hinbekommmen.

Mir schaudert es vor dem Tag, an dem die Meldung zu mir dringen wird, sich in mein Bewusstsein schneidet und es unwiderruflich
sein wird.
„Ladies and Gentlemen, Keith Richards has just left this Dimension.“

Bis es soweit ist, wird noch so manche alte Scheibe auf dem Plattenteller rotieren, so mancher Song mitgesungen werden.

Exile on Main Street, entstanden im feuchten Keller der von Keith Richards für 2400 Dollar wöchentlich angemieteten Villa Nellcôte an der Côte d’Azur.

In diabolischen Momenten versuche ich mir vorzustellen, wie hoch mein Preis wäre, einen oder zwei Tage, wieso nicht eine Woche, in die Vergangenheit zu reisen und Keith über die Schulter zu schauen.
Dabei zu sein, wenn er verschlafen mit Anita und Sohn am Frühstückstisch sitzt, die Gitarre immer in Griffweite, die Fluppe immer im Mundwinkel.
Dabei zu sein, wenn er mit Mick und den anderen im Keller verschwindet, in dem das mobile Studio eingerichtet ist und dort dieses herrlich dreckig klingende Album aufnimmt.

Was wäre mir das Wert?
Den kleinen Finger?
Eine Woche, ein Monat meines Lebens?
Der Trip in die Vergangenheit ist hiermit offiziell als Wunsch geäussert. Angebote werden ab sofort akzeptiert.
Ich warte.

Bis dahin führe ich weiterhin ein durchschnittliches Dasein, ohne Glamour, ohne Villa, ohne das Talent aus sechs Saiten das ganze Leben sprechen lassen zu können.

Danke Keith.
i love your music.

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15 Gedanken zu “Der Tag…

  1. Wenn der Begriff Idol zutrifft, dann ist Keith Richards eines der wenigen in meinem Leben. Wegen seiner Persönlichkeit und keinesfalls als Musiker. Einige geniale Riffs und seit 1969 keine musikalische Weiterentwicklung, das muss man erstmal hinkriegen. Aber eine Tournee mit über 100 Mio. sponsern lassen von einem Telefonanbieter und dann auf die Frage: „Hey Keith, nun kannst du ja von überall aus deine Familie anrufen“ zu antworten: „Ich bin doch nicht blöd, Mann, da könnte ich meine Rübe ja gleich in die Mikrowelle legen.“
    Das zeigt einen Menschen, der für mich zum Idol taugt.
    Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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  2. Erst gestern Abend konnte ich ihn vom Garten aus hören. Nein, ich bin nicht seine Nachbarin. Gestern spielten die Stones hier in der Nähe bei einem Festival (die Karten waren sofort weg) und da der Wind so günstig stand, konnte ich sie zu später Stunde hören. Das hatte was! Was meinte die Zeitung heute: Keine Zeichen von Altersmüdigkeit… Die Rock-Dinosaurier um Mick Jagger und Keith Richards überzogen die angekündigte Spielzeit um rund 50 Minuten …
    Das lässt doch hoffen!
    P.S. Und behalte deine Finger!

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    • Ich hab die Stones 89 /90 ein mal auf der Steel Wheels (ich habe damals schon Steel Wheelchair Tour genannt) gesehen.
      Das war damals schon eine Altherrenband.
      Über die Musik und das nicht vorhandene Talent der Stones, sich weiter zu entwickeln kann man geteilter Meinung sein.
      Die Feststellung, dass einen das, was man gerne tut jung hält, lässt keine zwei Meinungen zu.
      Danke fürs Lesen!
      Noch sind die Finger dran.

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      • Nicht zu vergessen, wann man Bands oder auch Solomusikalartisten kennenlernt. Da können zehn oder mehr Jahre früher oder später ganz andere Impressionen vermitteln und verankern.
        Ich war nie auf einem Stadionkonzert, denn ich habe manche Bands noch in kleineren Hallen oder Clubs erlebt, davon ist eben was abgeblieben.
        Ich habe „kenne“ die Stones seit „Out of our Heads“, das schafft ein anderes Erleben, als wären sie bei „Black and Blue“ oder „Dirty Work“ in meinen musikalischen Kosmos gelandet.
        Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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      • Ich habe die Stones als Blues Musiker verstanden, die irgendwann, Anfang der 70iger, nach dem irre guten Sticky Fingers Album ihre Musik dem Kommerz geopfert haben.
        Die Alben aus der Zeit von Let it Bleed und Beggars Banquet, die waren es, die mich von den Stones überzeugt haben. Exile on Main Street ist für mich noch immer ihr Höhepunkt.
        Da haben sie sich unsterblich gemacht.
        Das Solo“werk“ von Keith Richards mochte sich mir nicht erschließen.
        Ich habe auch mehr Freude daran, ihn im schrägen Chor mit Mick zu hören.

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      • Da liegen wir nicht weit auseinander.
        Keith Richards solo ist mir immer fremd geblieben. Bill Wymans Projekte oder die von Charlie Watts lassen ein ganz anderes Echo in mir erklingen.
        Für mich begann der „Abstieg“ oder die mangelnde Weiterentwicklung mit „Black and Blue“. Welch ein Unterschied zu „Beggar´s Banquet“, „Let it bleed“ oder „Sticky Fingers.“ Von „Exile“ nicht zu reden.
        Als Blueser habe ich die Stones nie gehört, eher als Rhythm´n´Blueser vielleicht. Mit den entsprechenden Coverversionen haben sie den ersten Ruhm geerntet…

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      • Ist doch herrlich dass der Altherrenabend bleibt…
        Und behalte sie auch weiter, die das immer tippen, alle 10 (auch wenn du über ein ausgeklügeltes Zweifingersystem verfügen solltest)

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