Ohne Vergangenheit keine Zukunft?

Innere Zwiesprache, im Nachsinnen über alte Familienbande, aufgelöst und nie neu geknüpft….

Dasitzen, warten, abwarten. Überlegen.
Zögern.
Aufstehen, vergessen warum, wieder hinsetzen.
Weiter grübeln.

Rumzappen, umschalten, umschalten, Ton aus. Laufen lassen, egal.
Es flimmert.
Die Musik ist aus. Sie unterbricht nur die Stille, die unangenehme Stille.
Leise ist besser.
Sinnlose Nachrichten werden mit aufmunternder Mimik, weiterhin stumm, vorgetragen.
Die Bilder sagen nichts. Es ist nicht von Interesse.

Grübeln.

Das Telefon liegt daneben. Ein Griff, nur ein paar Nummern und ein Trip in die Vergangenheit wird beginnen.

Ja? Nein?
Und falls?!… Nein, doch nicht.

Der Schmerz ist noch nicht groß genug. Der Drang, sich von der Vergangenheit einholen zu lassen nicht groß genug.
Der Mut, es zu tun, ist nicht groß genug.
Alles zu klein.

Immer nur Zweifel. Wird es helfen? Ist es ein Weg? Ein sinnvoller?
Den Versuch wert?
Das Schweigen zu brechen?
Wird die Stimme aus der Vergangenheit je gehört werden?

Später werden es dann verpasste Gelegenheiten sein.
Unwiederbringlich verpasste Gelegenheiten.

Das hat Gewicht.
Das macht nachdenklich. Die Vergangenheit kann nur noch jetzt eingeholt werden.
Übermorgen ist es zu spät.
Auf sicher zu spät.

Aufstehen, einsteigen. los fahren.
Ziel ist bekannt.
Es ist nicht weit, keine Weltreise.
Die Vergangenheit lebt um die Ecke.
Auf dem Kilometerzähler wird der Trip kaum Spuren hinterlassen.
An anderer, eigener Stelle schon.

IMGP2489
Tiefe Spuren, die vielleicht ausgebessert werden können.

Gedanken, die, wie Echos aus langen Hallen von der Ferne herüber klingen.
Die, falls man sich ihnen ein wenig nähert, laut werden, unüberhörbar sind und nach Beachtung rufen.
Gedanken, dann groß mächtig, omnipräsent, unvermeidbar.

Gibt es schon eine Antwort?
Was wird das Handeln sein?

Ich weiß es noch immer nicht.

12 Gedanken zu “Ohne Vergangenheit keine Zukunft?

  1. Ein tiefer poetischer raumnehmender Text. Ein weiterdenkendes in feinsinnigen Bildern. Wie der Anfang eines fulminanten Romanes. Atmen und nachdenken und dazwischen Antworten finden auf das Leben.

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  2. Wenn sogar die Stummschaltung der Musik not tut, muß der Grübelnde wahrlich schwere Kämpfe ausfechten. Wenn man nur wüßte, ob man eines Tages die verpassten Gelegenheiten beweint, die Entscheidung im Jetzt fiele leichter.

    Ich muß dem Versteckten Poeten beipflichten, der Text strahlt eine eigene, ganz tiefe Poesie aus. Die Poesie des Schmerzes, immer wieder wortverführerisch.

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    • Wenn ich etwas beweine und das findet im Jetzt statt, dann die Ursache für diese Empfindungen, die tiefen Schneisen, die diese Ereignisse in mir hinterlassen haben, Narben, Pfade, die nie zuwuchern werden.
      Das lässt sich nicht mehr rückgängig machen und ein Arrangement habe ich damit noch nicht getroffen.
      Danke fürs Lesen.

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      • Nein, rückgängig läßt sich nie etwas machen. Man findet vielleicht Erklärungsansätze, mit viel Glück wenigstens den Versuch Rehabilitation, jedoch wer kann dies garantieren. Oftmals sind die Narben zu wulstig, als könnten sie je unfühlbar werden. Und doch kreist der Gedanke: Eines Tages ist es wirklich zu spät, diesen Schritt zu wagen, dann sind alle Gelegenheiten unumkehrbar verpaßt.

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      • Und das schafft in seiner Endgültigkeit die Möglichkeit gänzlich andere Wege der Bewältigung einzuschlagen.
        Wege, die, aus der dann gegebenen Situation, sich nur noch um sich selbst drehen.
        Vielleicht ist es so, dass ich warte.
        Auf diesen Moment.

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      • Oh, das ist natürlich auch eine Denkrichtung, die ich noch nie in Erwähnung zog. Mir wurde bis dato die Endgültigkeit nur auferzwungen. Selbstentschiedene Entgültigkeit als Möglichkeit der Waffenwahl im Kampf mit alten Dämonen…muß ich überdenken. Ich danke Ihnen für diesen Denkanstoß.

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      • Diese Bitterteuernis liest man aus Ihren Texten, mein Lieber. Wie ich schon schrub, die ureigene Poesie des Schmerzes, bei Ihnen kann man sie spürbar erlesen. Ein Kompliment, das man keinem wünscht und doch nicht umhin kommt, es auszusprechen.

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