Welt ohne mich

Wie sie wohl so wäre, die Welt ohne mich?
Wie es sich anfühlen würde, wenn ich aufhören würde zu existieren.

Die Vorstellung, sich aus der Existenz fortzustehlen, sich der Verfügbarkeit des Seins zu entziehen, ist erschreckend.

Wäre es wie der Baum, der im Wald umfällt und keiner bemerkt es?

Ist Existenz von Wahrnehmung abhängig?

Wenn ich hier und jetzt aufstehe, losgehe, nicht mehr umkehre, alles zurück lasse und immer weiter gehe, höre ich dann auf zu existieren?

In wessen Bewusstsein fände das statt?

Würde mein Fehlen mehr als lästige Irretation sein?
Und wenn, wie lange würde es andauern?
Tage? Wochen?

Wann würde der Alltag mein Fehlen überdecken, mein Verschwinden zu einem gewohnten Grundgefühl reduzieren, Anderem, Wichtigeren weichen?

Dem Vogel, der draußen auf dem Zaun sitzt, bin ich nur Fluchtimpuls.
Der Schnecke, die ich vorsichtig umschreite, nur Schatten.
Dem Autofahrer, der kurz abbremsen muss, weil ich vor ihm die Straße quere, nur lästiges Hindernis.
Am Bankautomaten nur eine gesichtslose Kombination aus Zahlen.

Eintauchen, abtauchen, sich darin auflösend, in der Menge verschwinden.

24 Gedanken zu “Welt ohne mich

  1. Zwei Gedanken. Zum einen bin ich immer wieder fasziniert wie schnell man Kollegen „vergisst“, die den Arbeitgeber wechseln. Sie waren ein sehr wichtiger Teil und auf einmal sind sie weg. Nicht ganz weg, aber doch für den größten Teil des Tages weg. Nach wenigen Tagen hat man sich daran gewöhnt.

    Zum anderen muss ich immer wieder feststellen welche Lücke der Tod meiner Schwiegermutter gerissen hat. Das sind mal kleine Lücken, wo man sich denkt, wie schön wäre es gewesen, wenn sie das erlebt hätte und es sind große Lücken, wenn man denkt, dass sie genau die richtige Person zum Reden gewesen wäre.

    Ich hoffe sehr, dass Du uns noch sehr lange erhalten bleibst. Deine Denkanstöße sind mir sehr wichtig.

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    • Ja, das Vergessen ist ein seltsamer Mechanismus.
      Und gerade die Arbeitskollegen, das Vergessen, das bald einsetzt, wenn sie fort sind, man selbst gegangen ist, sagt viel über die überschätzte Bedeutung aus, die man seinem Job zuspricht.
      Zu klein ist der Fußabdruck, den man in der Regel dort hinterlässt.

      …und ist es nicht das, was wir am meisten fürchten? Vergessen zu werden?

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  2. Etwas über das ich auch schon oft nachdachte, danke für deine Worte, hat mich gerade inspiriert auch mal meine Gedanken darüber zu schreiben.

    Erdrückende Gedanken muss ich sagen… Wo man nun wirklich Spuren hinterlässt und wo weniger

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      • Mache ich mir gerade auch einen Kopf 😉

        Ich glaube, nur dadurch, indem man dieser Welt etwas hinterlässt.

        jeder sollte durch sein leben diese Welt ein kleines bisschen besser machen

        Und dadurch vielleicht etwas hinterlassen und wenn es nur die Erinnerung in den Köpfen der Menschen ist.

        Ich weiss nicht was ich hinterlasse, es erdrückt gerade etwas dieser Gedanke. Denke ich werde es heute Abend einmal versuchen im Blog festzuhalten

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  3. Im Angesicht solcher Straßen wie der auf dem Foto überkommt mich stets, besonders bei Hitze, ein merkwürdig hohles Seinsgefühl, von daher ist das Motiv gut gewählt. Ein Waldsee würde es kaum treffen!

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  4. Was bleibt? Kleinigkeiten im großen Weltengefüge. Vielleicht erst nur eine neue Verknüpfung im gemeinsamen Verlust. Vielleicht ein Name, ein geteilter Blick. Ein Musik, die man sonst nicht gehört hätte. Ach, so vieles, was bleibt. Und je mehr ist, ich stimme Frau Bukowski zu, je mehr man ist, umso mehr bleibt. Mag der Alltag sein vergessengilbes Tuch darüber decken, es werden Konturen sichtbar bleiben.

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  5. Dein Blog wird bleiben. Und den ein oder anderen Gedanken wirst Du sicher in anderen Köpfen und Herzen hinterlassen haben. Wer das beeinflusst? Ich denke, sowohl Du, als auch ein (jeweiliges) Gegenüber. Vielleicht passt einfach manchmal etwas zusammen, jemand zusammen, Gedanken zusammen. Vielleicht gibt es einfach gute Zeitpunkte, sich zu treffen, zu sprechen, etwas zu pflanzen im eigentlichen und übertragenen Sinne. Kann aber sein, dass man dennoch vergessen wird. Was ist daran eigentlich so schlimm?

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    • Im Endeffekt kann es einem egal sein.
      Tot ist tot und das Ende der Existenz.
      Vielleicht auch nicht, vielleicht schlüpft man in die nächste Hülle, fängt wieder von vorne an, vielleicht ist Existenz das einzige was bleibt und niemals endet.

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