Der Himmel

In den Bergen klaffen Schächte.
Aus ihnen ragen Gestänge empor.
Bis weit in den Himmel.

An ihnen, befestigt, die Wolken, die Sterne, die Sonne, der Mond.
Was wir vor uns sehen, wird von den mächtigen Stangen in Position gehalten.

Unten, in den Bergen, tief unten, dort sind die Maschinen.
Mächtig, laut, mahlend, treiben Sie die Zahnräder an, die in andere hineingreifen und die unendliche Kraft übertragen, die am Ende, auf Stangen übertragen, die Sonne aufgehen lässt.

Pumpen, unendlich große Pumpen, deren Schaufeln irre Massen von Wasser, Augenblick für Augenblick, aus dem See zurück in das Vorratsbecken und weiter, viel weiter oben im Berg wieder in den kleinen Bach laufen lassen.
Sie verrichten unter Stampfen und nassem Klatschen ihr Werk.

Andere formen Wolken, verdichten, lockern auf, reichern an.

Da waren nie Menschen, kaum Tiere, meist nur Silhouetten von Vögeln, auf den Bildern.
Kinderhände haben diese Bilder gemalt.
Wieder und wieder.

Haben ihre Vorstellung, wie die Welt funktioniert, in Krakeln auf Papier gebannt.

Wie so vieles, verschollen.
Längst weggeworfen, in großen Öfen verbrannt, durch Filter gejagt. Dann später, als Wolke von Atomen, Molekülen vielleicht, in die Atmosphäre geblasen.

Jetzt!
In diesem Moment, schwebt ein Teil dieses Bildes an mir vorbei, nur einen Molekülfetzen groß.
Vielleicht ist dieses kleine Teil verantwortlich für meine Erinnerung.

Vielleicht sind Erinnerungen nicht mehr als kleinste Ansammlungen von Resten.
Resten, die durch meine Kopfhaut dringen, ohne Widerstand eindringen, durch die Schädeldecke und andocken, irgendwo einen kleinen Platz finden, in meinem Kopf.
Und schemenhaft, wie sie eben so sind, so ist auch die Erinnerung.
In meinem Kopf.

Was gäbe ich für ein Blatt, voll mit Bergen, Gestänge und Zahnrädern.
Und der Sonne, die über allem thront.

5 Gedanken zu “Der Himmel

  1. Bei mir stellt sich eine ganz andere Wirkung ein. Nach dem ersten Lesen heute früh ging ich eine Weile wie mit Beton an den Füßen herum. Auswirkungen meiner Lebensgeschichte. Hat also nix mit hier zu tun. Das ist oft so, nicht nur bei mir, denke ich. Doch wenn man auf dem Schönredensweg schnell vorüber huscht – wie ich es auch oft tue – nun ja….

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