Die frühen Jahre

Nur mal so angedacht.

Der brave kleine Fließbandarbeiter, nehmen wir mal den in Wolfsburg, der damals, Ende der 60iger brav Sitzgruppe für Sitzgruppe in den wunderhübschen Käfer gespaxt hat.

Und das zusammen mit einer großen Anzahl anderer Lenkrad-, Reifen-, Motor- und was weiß ich noch Montierer.
Auf jeden Fall waren sie in in hier in großer Zahl damit beschäftigt, das hübsche runde Auto zusammenzuschrauben.

Drüben im Block B da saßen die bebrillten Ingenieure in ihren weißen Kitteln und haben Neues auf dem Reißbrett ersonnen, in geheimen Laboren am Golf und vorne liegenden Motoren getüftelt.
Ganz drüben, im Haupthaus, da gab es das oberste Stockwerk, da saßen sie, die Bonzen, klein in ihrer Anzahl und schmiedeten tolle Pläne für die Zukunft.
Und allen gings gut.

Und am Nachmittag, sagen wir mal gegen fünf, hat der kleine Fließbandarbeiter dann ausgestempelt und ist fröhlich pfeifend, die leere Brotzeitkiste unter dem Arm in sein kleines Auto, den Werksbus oder vielleicht aufs Fahrrad gestiegen und nach Hause gefahren.

Zuhause, das war ein kleines, sparsam aber dennoch hübsch eingerichtetes Häuschen am Rande von Wolfsburg, da wo der Grund günstig war und es sich leben ließ.
Zuhause, das war die liebe Frau und die zwei Kinder, das war ein kleiner Wagen vielleicht, nichts überkandideltes, einen Borgward, ja, der wäre es gewesen, wenn man sich etwas hätte wünschen dürfen, aber so war es nur ein kleiner NSU oder etwas in der Art.

Und wenn die Urlaubszeit nahte, das Werk Sommerferien ausrief, dann gings ab, quer durch Deutschland, einmal die Autobahn runter, das kleine Wohnwägelchen hintendran, ab an die Adria.
Eine Woche auf dem Campingplatz, mit den Kindern an den Strand und sich ordentlich nen Sonnenbrand holen. Und Abends ne Pizza.
Dann ein paar Souvenirs, einen Plastikseestern vielleicht und einen Aufkleber, dass man über den Brenner gefahren ist und wieder ab in den Norden.
Das gab die Urlaubskasse her, große Sprünge waren da nicht drin. Aber alle waren glücklich und zufrieden.

Wenn man die weite Welt sehen wollte, musste man halt ins Kino gehen, da gabs schon Farbfilme und James Bond, der an exotischen Plätzen mit noch exotischeren Frauen irre Abenteuer durchlebte und nebenbei immer gleich die Welt gerettet hat.
Schön wars.

Und da stimmt es schon nachdenklich, dass damals sicherlich
jeder kleine Fließbandarbeiter und da waren so viele mehr als heute an der Produktion eines Wagens beteiligt, das damals jeder ein Häuschen hatte, beinahe jeder ein Auto, man sich einen Urlaub, manchmal sogar zwei pro Jahr leisten konnte.
Im Winter gings nämlich an den Schliersee, mal den Spitzing runterwedeln, die Kinder auf dem Schlitten, Papi auf Skiern, Mutti am See Schlittschuh laufend und abends für Papi und Mami eine schöne Hüttengaudi.

Ja, es macht mich nachdenklich, wenn ich sehe, dass damals auch nichts umsonst war, das damals aber aus irgend einem Grund alle genug Geld hatten, um sich die kleinen Freuden des Wohlstands ohne schlechtes Gewissen und ganz bestimmt ohne Kredit gönnen zu können.
Da war der Papi nämlich knallhart, was nicht bar bezahlt werden konnte, das war dann eben nicht drin.

Würde ich heute nach Wolfsburg gucken, gäbe es vermutlich immer noch den Block B, da sitzen die paar Ingenieure, deren Leistungen hier noch von Nöten sind, deren Leistungen noch nicht in Prozesse zerlegt und in Billiglohnländern modular erbracht werden.
Und das Haupthaus, ich nehme mal an, die Bonzen sind mittlerweile vom obersten Stock, lästigem Unkraut gleich, nach unten gewuchert, haben vermutlich schon Teile der umliegenden Gebäude besetzt und verwalten sich einen Wolf in ihrer Burg, denn wer schreibt, der bleibt.

Rechnen den zeckengleichen Arbeitern, die in immer kleinerer Zahl am Fließband stehen, vor, dass sie zu teuer sind, streichen Zulagen und fordern mehr Überstunden ein und Papi lebt jetzt nicht mehr in Freude auf Jesolo, Papi hat man jetzt eingetrichtert, dass er froh sein darf, dass er morgen noch zum Arbeiten kommen darf, dass er sich glücklich schätzen darf, dass sein Job nicht in Bulgarien oder sonst wo erledigt wird.
Papi wohnt noch immer am Stadtrand, hat das kleine Häuschen im Laufe der Jahre eingebüßt und wohnt jetzt in so einem Betonbunker, einem mit so einem pädagogisch wertvollen Spielplatz, wo der Mulch durchtränkt ist von Glasscherben und Hundekacke, einem, an dem man sich als kleiner Sohnemann besser nicht blicken lässt, weil es sonst ein paar aufs Maul von den Großen gibt, weil die haben nämlich auch ein paar aufs Maul bekommen von ihrem Papi, der schon ohne Job den ganzen Tag Zuhause sitzt und einen dermaßenen Frust schiebt.

Ich habe nie verstanden, wie diese Zeckenbrut der Arbeiter, damals in den 60igern und 70igern sich all das leisten konnte, das Häuschen, den Kleinwagen, ne Vespa vielleicht auch noch, den Urlaub und all die Kleinigkeiten, die das Leben schön gemacht haben.
Wie das denn so ging, obwohl es doch so viele waren, so viele mehr als heute, die so einen Wagen zusammengeschraubt haben.
Wie sich das denn für alle gerechnet hat?

Ich bin mir sicher, dass es da den ein oder anderen Unternehmensberater gibt, der mir das auf einem Bierdeckel vorrechnen kann.

Käfer und Urlaub

17 Gedanken zu “Die frühen Jahre

  1. Sehr gut. Ich hatte ähnliche Gedanken vor einiger Zeit auch. Meiner Meinung nach waren die Menschen früher viel sparsamer. Man ist viel weniger Essen gegangen. Man ist nicht um die Häuser gezogen. Man hatte viel weniger Kleidung, die viel länger geflickt wurde. Man hatte ein Paar Schuhe. Man hat Lebensmittel viel besser genutzt und Reste erst weggeworfen, wenn wirklich gar nichts mehr zu gebrauchen war. Man hatte keinen PC, kein Mobil, etc. Ich bin mir relativ sicher, dass man auch heute noch so leben könnte wie damals, wenn man die gleiche Sparsamkeit an den Tag legen würde. Aber was wäre der Preis? Ich habe heute morgen wieder einen Cappuccino in meinem Lieblingscafe genossen. Aus monetären Gesichtspunkten totaler Schwachsinn. Wenn ich mir hochrechne wie viel Geld ich in 2013 dort schon gelassen habe. Meine Omas würden sich im Grab umdrehen. Und doch freue ich mich, wenn ich die Tasse sehe, den Duft rieche und den Geschmack schmecke. Wenn ich die anderen Gäste beobachten kann. Die Stammgäste und die zufälligen Gäste. De facto ist es Luxus. Ein Luxus, den man sich früher nicht gegönnt hat und den man heute nicht missen will, so lange man es irgendwie bezahlen kann.

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    • Vielleicht geht es auch ein wenig um die Vergnügungssucht.
      Ich meine, dass früher der Wohlstand keine Utopie war.
      Wenn ich sehe, zu welchem Tarif der Fahrer einer UBahn oder eines Busses entlohnt wird, fällt es mir schwer zu glauben, dass es nur am mangelnden Haushalten liegt, dass man davon kaum noch leben kann.

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      • Dann muss man noch die Eigenleistung mit hinzuziehen. In einer Zeit, als noch viele Menschen Handwerksberufe konnten und um 7.00 mit der Arbeit begannen konnte man ab 16.00 viel in Eigenleistung erstellen. Wer kann das heute noch mit einem BWL oder Jura-Studium.
        Man darf aber auch nicht die Enge der damaligen Zeit vergessen. Wenn der Patriarch geherrscht hat. Wenn man in einer kleinen Wohnung mit vielen Kindern war. Wenn man wusste, dass schon viel passieren muss, dass man aus dem Unmkreis rauskommt. Wenn Scheidung keine Option war. Die gute alte Zeit.

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      • Freilich war nicht alles gülden. Der Muff der frühen Jahre war ebenso existent, wie der Wohlstand. Und heute: Blendwerk, einlullender Mist an allen Ecken… Falsche Freuden, Ersatzbefriedigung..
        Ich habe einen Dual Plattenspieler, Modell 701, der erste direkt Getriebene, 1971 oder so gebaut, der läuft heute noch wie eine Eins, dito der Technics 1310 von ’76. Try that with shit built today… Zeichen der Zeiten, wie sie sich geändert haben.

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      • Denk an einen Mercedes W123. Was ein Auto.

        Ich wüsste trotzdem nicht, ob ich in die alte Zeit zurück wollte. Aus heutiger Sicht waren die 50er, 60er und letztlich auch die 70er gute Jahre. Bin mir allerdings nicht sicher ob ich es damals erkannt hätte. Hinzu kommen die 30er und 40er, die ich dann auch miterlebt hätte und das war bestimmt keine schöne Erfahrung. Letztlich war sie aber der Grund für die spätere Zeit.

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      • Leben tut man eh im Hier und Jetzt.
        Die Gedanken sind die einzige Möglichkeit zur Zeitreise und ich denke gern gut von den Zeiten der jungen Beatles und den schon immer alten Stones.
        Dem VW Käfer, Ferdinand Porsche und dem Design von Braun, dass heute so jämmerlich kopiert wird. Alles schon mal da gewesen..

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    • Das mit dem Cappuccino ist ein sehr gutes Beispiel. Das wäre das Allererste, was beispielsweise meine Großmutter einsparen würde, wäre sie an meiner Stelle und würde die Bewegungen auf meinem Konto sehen. Tja, und ich sage mir, ach was, dieser kleine Luxus und wie sollte ich ohne, der macht doch erst das Leben aus. Dort sitzen, sich beim Anblick der Tasse erfreuen, sich beim ersten Schluck erfreuen, sich beim Beobachten der Gäste und Passanten zu freuen und sich stumm mittreiben lassen, gar nichts tun, oder auch mal ein paar Zeilen auf ein Papier kritzeln. Und trotzdem: Einsparpotenzial Nummer 1.

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  2. Eine unendliche Geschichte, die ebenso viele Aspekte hat, wie die gaanze Welt. Allein das Sicherheitspaket, so ganz nebenbei gedacht … heute muss es geschnürt werden, damals war man selbst der Airbag. Und? Was ist früher wie oft passiert? Selbst der „Gelbe Punkt“ hat uns, punktum, erst etwas eingetrichtert, das gegen jedes Wohlstandsdenken war. Das war mehr ein Gag als Verkehrerziehng.

    Auch wir hatten einen Käfer und ganz ehrlich … wenn ich die „Käfer“ heute sehe oder höre, denke ich eher ans Essen als an Autofahren.

    Irgendwie hat sich beim Brutto etwas geändert … nicht beim Produkt, aber beim „sozial“.

    Gruß
    Kariologiker

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  3. Die Leute in der damaligen Zeit waren froh, sich nach und nach überhaupt erst mal wieder etwas leisten zu können nach den Kriegszeiten und wenn die Herren in den oberen Etagen gekonnt hätten, dann hätten die Gewerkschaften nicht nach und nach für mehr Lohn und mehr Soziales für ALLE gesorgt (die meisten waren doch nur Nutznießer und nicht selber zahlendes Gewerkschaftsmitglied (mich eingeschlossen). Die Ansprüche, die wir heute als normal betrachten, sind uns doch geschickt eingetrichtert worden und wir haben sie, wenn wir ehrlich sind, auch mit Begeisterung angenommen und bei Vielem die Augen zugemacht.
    Dieses Umdenken passiert doch erst seit kurzer Zeit, weil wir merken, daß man uns das eigene Grab zum Nutzen weniger immer reicher Werdender schaufelt.
    Als ich 18 war bin ich 10 Tage mit meinen Eltern an den Tegernsee verreist, der erste Urlaub, den sich meine Eltern leisteten, zu Dritt in einem winzigen Zimmer mit einem Spucknapf als Waschbecken und als Entschädigung die wunderbaren Berge und der See…und wir waren glücklich.
    Mit 30 ging es dann nach Val Thorens, Tignes zum Skilaufen, im Sommer in die Provence, Toskana, die Studienreisen…die große weite Welt blieb noch außen vor…..das holte dann die Tochter bereits mit 18 nach und wir waren froh, ihr das und das Studium bieten zu können….und wir waren immer Mittelschicht…wir haben deswegen auf nichts verzichtet, nur keine Spargüter angehäuft, wir fühlten uns durch den Staat, die Betriebspension, das Gesundheitswesen in Sicherheit und wir haben gut gelebt.
    Das alles wankt jetzt und es hat keinen Zweck, diesen alten Dingen nachzutrauern, die Menschen sind aufgefordert endlich nachzudenken, Politik mit zu gestalten und nicht den Kopf in den Sand zu stecken, wie es meine Generation ja auch gemacht hat, weil es ihr eben gut ging und alles so bequem war.
    Auch wir sind und waren Mitläufer….unseren Eltern haben wir es zum Teil vorgeworfen unter Adolf……wir handeln auf anderer Ebene nicht anders.
    Dieses den Deutschen eigene Jammern auf hohem Niveau, das geht mir gegen den Strich, weil Jammern nicht hilft sondern nur tätig werden.
    Sparsamkeit, Verzicht….das kostet doch nur mehr Arbeitskräfte…so hören wir es doch täglich in den Medien…dieser Satz ist doch die Keule, die täglich auf uns herabsaust und wir kuschen!

    Ein Text der zur Auseinandersetzung , dem sich selber Hinterfragen herausfordert, Dank dafür, aber die Sozialromantik war auch nicht so, wie oben beschrieben, da ist auch manches verklärt.

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    • Danke für die Einblicke.
      Sozialromantik mal hin oder her, meine Wahrnehmung ist die, dass die Marketingleute, CEOs, CFOs, die Controller und wie sie noch alle heiße mögen, mittlerweile in grotesk großer Anzahl an absolut fragwürdigen Unternehmensmodellen schrauben, wo Personal oder Arbeitskräfte als human resources bezeichnet werden und in Tabellen als Faktor betrachtet werden, frei nach dem Motto: bist du eine 0,8 hast du echte Probleme, wenn Du eine 1,2 bist, dann ist alles im Lot. Sicher ist deswegen aber noch lange nichts.

      Jammern auf hohem Niveau kann ich nicht verzeichnen, wenn ich in Hamburg Richtung Elbphilharmonie steuere und dabei Obdachlose unter Brücken hausen sehe.
      Es ist ein gefährliches Ungleichgewicht entstanden und die, die heute in kleinen Jobs gen Rentenzeit schauen, haben allen Grund, Angst zu haben.

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      • Das meine ich doch, dass die Jungen sich endlich aufraffen und sich politisch engagieren, um der Angst, die sie berechtigt umtreibt, etwas entgegen setzen. Das Ungleichgewicht wird doch immer größer.
        Wir Alten, die heute einigermaßen finanziell abgesichert sind, wir haben das Glück gehabt. 40 Jahre oft in einer Firma arbeiten zu dürfen ohne dass wir wegrationalisiert wurden, aber daraus kann man uns heute keinen Vorwurf machen.

        Die Babyboomer, die einmal hoch willkommen waren und die jetzt die Alterspyramide so zum Kippen bringen, sie haben doch auch die Zeit verschlafen, etwas zu ändern.

        Gesellschaftliches Engagement, wie es einmal früher die SPD, die Grünen usw. gezeigt haben…wo ist es?????
        Diese 1 Eurojobs, Minijobs…es ist der größte Betrug, den man Arbeitswilligen antun kann, nur damit die politischen Zahlen stimmen….. Die Obdachlosen,Bettler, die es auch in Frankfurt genug gibt, sind eine verschwindend kleine Zahl zu denen, die in 400€ Jobs
        täglich arbeiten müssen. Die tun noch etwas und werden trotzdem ausgebeutet.

        Ich verstehe ja die Angst, aber mit Stillhalten ist nichts getan…. und Menschlichkeit im Kapitalismus/Kommunismus? hat es den schon jemals gegeben…vielleicht ein anderes Verantwortungsgefühl in Familiengesellschaften den eigenen Mitarbeitern gegenüber, aber all die Firmen, in denen das mal bestand Metallgesellschaft, Lurgi, Degussa, AEG usw.usf. in Frankfurt sie gibt es nicht mehr…heute ist sich jeder Vorstand, Direktor selbst der nächste und schaut auf seine Boni.

        Ich habe auch Angst um meine Tochter, wie es ihr in unserem Alter einmal ergehen wird.

        Mir geht es um das fehlende politische Engagement…dem Wahnsinn des Tuns Einhalt zu gebieten.

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  4. Wolfsburg kenne ich gut, besser kannte ich gut, als die neuen Stadtteile entstanden, Teichbreite etc. so Anfang der 1960er Jahre.
    Meines Erachtens versuchst du verschiedene Aspekte unter einem (zu kleinen?) Hut zu präsentieren.
    1) die frühere Sparsamkeit. Die Leute hatten noch einen Blick für die Zukunft und die berechtigte Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen. Ein Häuschen mit Bad und nicht mehr nachts auf den Nachttopf. Statt morgens zwei Stunden zur Arbeit laufen bei Wind und Wetter besser mit dem Rad, dem Quickly oder (welch ein Traum!) einem Käfer. Dafür haben sie gespart. Und sie kannten die grammatische Form des Futurums noch: „ich werde mir das kaufen“ statt wie heute: „ich kaufe mir..“ Bei uns Heutigen findet die Zukunft im Jetzt statt. (Scheckkartenkultur). Und eine gewisse Zukunftsangst, geschürt durch tägliche Katastrophenmeldungen tun ein übriges. Muss man sich aber nicht ansehen ;-)..
    2) Die kapitalistische Wirtsschaftsweise und ihre Weiterungen, wie sich Unternehmensverräter Krebsgeschwüren gleich in Betriebe eingeschlichen haben mit ihren „Beratungen“ und die unseligen gesellschaftlichen Folgen, vor denen immer mehr Menschen kapitulieren. Man kann sich auf sich selbst besinnen und auf das, was wirklich wichtig ist im eigenen Leben.
    3) Das eigene Verhalten. Das Beispiel mit dem Capuccino von Guinness beleuchtet eine Facette. Kann ich auch zuhause selbst mindestens genauso gut seobst machen und den Menschen vom Fenster aus zuschauen. Alles eine Frage der Lebensqualität. Wer sie sich selbst nicht schaffen kann, muss eben dafür bezahlen.
    Eine andere Facette jedoch, die imho zu wenig Beachtung findet ist, wie wir heute mit den gekauften Dingen umgehen. Wir verbinden uns kaum noch so innig wie die Menschen damals. Wie das klingt, „damals“. Ich habe das selbst noch erlebt. Ich habe wenige Sachen verglichen mit meinem menschlichen Umfeld, und diese liebgewonnenen teilweise schon seit einigen Jahrzehnten. Mir fehlt nichts. Ich könnte mir das eine oder andere schon noch vorstellen, „hätte“ auch gerne dies oder jenes, brauche es aber nicht wirklich, wenn ich ganz ehrlich mit mir bin. Nicht die nächste Kamera, das noch bessere Objektiv, die aktuellen Klamotten (kenne ich eh nicht) oder gar ein MurksifunktionsHändi. Ich kaufe fast alles gebraucht von den Leuten, die ständig das Neueste brauchen. Die haben nie genug Knete und wenn man abwarten kann, kriegt man das preisgünstig. Bücher werden heute kurzfristig zu kleinen Preisen verramscht. Teure Fotobände kosten heute z.B. 50€ in zwei, drei Jahren kriegt man sie für unter 15€. Ich bin finanziell dadurch kaum „erpressbar“ von Seiten irgendwelcher Arbeitgeber. Mein „Nachteil“ ist mein Vorteil: Ich kann aktuell nicht „mitreden“ wenns um dies oder jenes Allerneueste geht. Ich bleibe allerdings davon auch verschont und sehe nur allzuoft, welchen Weg die Dinge nehmen, die schnell gekauft worden sind.
    Ich besitze noch immer ein Futur und ein Imperfekt. Besonders auch sprachlich. Inzwischen gehöre zu den weniger werden Menschen, die das Pronomen „Ich“ noch durchgängig verwenden, statt: Komme gleich, Habe keine Zeit oder dergleichen.

    Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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  5. Ein toller, nachdenklich machender Artikel mit einem großen und ebenso interessanten Feedback. Danke!
    Ja, wir wurden über al die Jahre zugemüllt mit Dingen die wir nicht benötigen, aber trotzdem kaufen. Hinzu kommen explodierte Nebenkosten wie Strom, Benzin usw. welche früher nur einen Bruchteil ausmachten. Ich wundere mich schon lange wie das alles funktioniert – immer mehr Geld verdienen um sich immer weniger leisten zu können.

    Ich für meinen Teil habe die Notbremse gezogen. Wie mein Vorredner kaufe ich inzwischen einiges gebraucht. Kameras, die vor 4 Jahren 2.000.- Euro kosteten, bekommt man fast wie neu für unter 500.- Euro. Und nur weil die anderen immer das neueste kaufen, unabhängig ob es besser ist.

    Mein erster Fernseher war ein Mitsubishi. Damals 1982 gebraucht für 200.- DM erstanden. Das Gerät lief bis 2008 ohne eine Reparatur. Heute wird alles mit einer Lebensdauer von 3 Jahren gebaut, da die Menschen sich dann eh wieder was neues kaufen.
    Ja, man lebte früher sparsam. Das geht heute fast gar nicht mehr.

    Gruß,

    Oliver 2.0

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  6. Sehr guter Text, ein Thema über das ich auch regelmäßig stolpere. Sicherlich war unsere elterliche Generation von größerer Sparsamkeit geprägt, dafür hat eine Waschmaschine aber auch mal einen Monatslohn gekostet. Berücksichtigen sollte man auch, dass häufig nur ein Elternteil gearbeitet hat.
    Irgendwie kommt mir da „Brave New World“ in den Sinn.

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