Konjunktiv…

Wenn ich könnte,
ginge ich in die Stadt und würde Menschen photographieren.
In schwarz und weiß und grau.

In all den Farben, in denen ich sie wahrnehme.
All die farblosen Facetten.

Wenn ich könnte,
ginge ich in die Stadt und würde in Wohnungen gehen,
unsichtbar, wie ich bin,
sie beobachten, ihnen zuhören, leise weitere Bilder machen,
von dem, was sie Leben nennen.

Würde es betrachten, die Kontraste anheben, die Konturen hervor bringen,
von dem, was sie Leben nennen.
Von dem, was ich als ihr Leben wahrnehme.

Wenn ich könnte, würde ich ihnen bis ins Schlafzimmer folgen,
oder auf das Sofa im Wohnzimmer, auf dem sie sich lieben,
oder das tun, was sie Liebe nennen.
Würde die Zärtlichkeit in ihrem Blick suchen,
der ins Leere geht, dort, wo ich stehe, und sie betrachte.

Wenn ich könnte, würde ich meine Stimme erheben.
Sie hörbar machen.
Ihnen Worte des Trostes zusprechen.
Wenn sie in Trauer verharren.
Wenn die Liebe sie verlassen hat, wenn ihr Leben leer ist.

Dinge, die ich nicht kann, die ich nicht zu tun vermag.
Nicht im Leben, nicht in meinem.

9 Gedanken zu “Konjunktiv…

  1. Vorweggenommene Herbstmelancholie? Ach, ich weiß, die ist durch alle Jahres- und Lebenszeiten zu haben, die sitzt tief und bedeutet manchmal sogar Labsal, eine Art Universumsgestreichel, treibt reiche Blüten, wie hier immer wieder zu finden, ganz ohne das Invasivgewünschel manch anderer Blogs, mitunter…

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  2. Die Welt draußen, manchmal für mich unberührbar, manchmal unsichtbar und doch das, was mir jeden Tag jenseits der Zimmerwände begegnet, mich ablenkt, bedrängt und mir manchmal, in Zeiten, wenn die Welt draußen bleiben muss wie ein Hund vor der Eingangstür des Geschäftes, unverhofft ein Lächeln, eine kurze Berührung, einen bleibenden Eindruck schenkt.
    Sie wartet auf mich.

    Liebe Grüße
    von der Karfunkelfee

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  3. So fein in seiner Traurigkeit, lieber Faktoid, so fein wie der Sprühregen, der sich allumschließend über die fröstelnden Schultern legt beim Lesen… Würde ich besternen, Sie erhielten hier drei, nein, vier. Einen extra für „…oder das tun, was sie Liebe nennen.“. Weil ich sehen kann, was Sie meinen. Herzlichst, Ihre Frau Knobloch.

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