Augen und Sterne

In den frühen Jahren,
als die Zukunft noch unendlich groß schien,
ohne Grenzen war,

damals, als Gebrechen noch ein Fremdwort war.
Selbst der eigene Vater,
der schon immer auf Stöcken ging,
kein Zeichen für Krankheit oder Vergänglichkeit war,
damals war es noch ein leichtes,
die Augen zu schließen und die Finger auf die Lider zu legen.

Dann, das sanfte Erhöhen des Drucks.
Mehr und mehr wurden die Augen in die Höhlen gedrückt.

Nicht der Schmerz, der vorsichtig anmahnte,
es nicht zu übertreiben,
nicht der war es,
der die Finger weiter drücken ließ.

Es waren die Muster und die Farben.

Die schiere Pracht,
das Leuchten und die elektrisierten Fäden,
die Sterne und das All,
dass ich in mir erblickte,
die mich weiter getrieben haben.

Heute, die Zeit, in der ich die Sterne in mir gesehen habe, ist schon lange vorbei,
heute denke ich nur noch daran.
Frage mich, erwachsener und so viel vernünftiger und ärmer an Mut,
frage mich, ob ich es noch einmal wagen soll.

Den stillen Moment,
den Druck,
die Farben,
das Leuchten.

Nur noch ein mal und dann,
vielleicht noch ein mal.
Vielleicht.

21 Gedanken zu “Augen und Sterne

      • „Frage mich, erwachsener und so viel vernünftiger und ärmer an Mut,
        frage mich, ob ich es noch einmal wagen soll.“

        Das verstand ich so, als ob du das Träumen nach dem leuchtenden, farberfüllten Leben, nach dem Griff in die Sterne wagen willst.

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      • Zu viele Verpflichtungen. Zu viele Unsicherheiten hinsichtlich später. „Wenn ich aber jetzt das und das ändere, dann ist es später vielleicht soundso.“ Ja, ich weiß.
        Es ist noch nicht unbedingt so, dass ich an diesem Punkt der Mutlosigkeit vor Veränderung angekommen bin, dafür verändert sich jedes Jahr/alle zwei Jahre stets etwas Einschneidendes (Volontariat, Doktorarbeit, Referendariat, 1. Schule, 2. Schule und die auch noch in Belgien, Arbeit an der Uni). Und es nie so, dass ich mir nicht wünsche, mal an einer Stelle zu bleiben. Aber mein Leben will es anders.
        Und immer, wenn ich unsicher bin, wie es weitergehen wird, kommt von irgendwoher ein Job und es geht.
        Vielleicht ist es für mich aufgrunddessen auch leichter zu sagen „Wage“.

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      • Vielleicht ist es auch die Befürchtung, nichts mehr zu sehen.
        Die Erinnerung an die Ferne und die Farben durch eine zu ersetzen, die weitaus nüchterner ist.
        Das ist das wahre Risiko.

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      • Also lieber träumen und Sehnsucht haben, anstatt in Kauf zu nehmen enttäuscht zu werden?
        Jeder muss für sich entscheiden, ob ihm das reicht. Allerdings wirkst du in vielen deiner Posts wirklich nicht wahnsinnig zufrieden oder glücklich. Und dann … Aber du hast ja auch schon einmal geschrieben, dass man dich nicht beurteilen soll nur aufgrund der Posts die du schreibst.

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      • Die Zerrissenheit mag ein fixer Bestandteil sein. Aber auch einer den ich an mir nicht missen mag.
        Über die guten Momente, die guten Gefühle schweige ich lieber, teile sie nur im intimeren Kreis. Das mag man mir bitte nachsehen.

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  1. Als Kind glaubte ich eine Weile, wenn ich mir die Hände vor die Augen lege, sieht mich niemand mehr und das Lachen der anderen über mich betraf mich nicht, denn ich sah ja nichts und mich sah niemand und die lachenden Stimmen schienen weit weg -jenseits der Geborgenheit der Finsternis meiner meine Augen bedeckenden Hände.
    Doch ein kleiner Teil von mir wusste es besser, entlarvte mich als Spottobjekt der anderen, argumentierte mit Schullogik und einer Erwachsenenstimme, dass ich mich täuschte, wenn ich wirklich annahm, ich verschwände einfach, indem ich mir die Augen zuhalte.

    Ein Junge erzählte mir, ich würde blind oder fehlsichtig, wenn ich mir die Daumen in die Augen drückte, weil ich dann die Sterne und Farben in mir sehen konnte. Flüssige Energie oder sowas, ein Neonblitzfeuerwerk, inkl. Rotation des Sternenhimmels.
    Es ist ein Geheimnis, darum funktioniert es nur, wenn es fast wehtut beim Daumenindieaugendrücken, behauptete ich dagegen und weiterhin, dass ich den ‚Ursprung‘ sähe, wobei mir nicht wirklich hätte erklären können, was ich unter ‚Ursprung‘ denn nun wirklich verstehe, denn das war Teil des Geheimnisses, so konnte ich akzeptieren, was ich nicht verstand.

    Heute weiß ich, dass ich immer noch da bin, wenn ich meine Augen mit den Händen bedecke, weil ich es mir von der Wissenschaft erklären lassen musste und einsehen, dass sie recht haben.

    Doch wenn mir heute einer erklärt, dass beim Daumenindieaugendrücken der Druck auf die Netzhaut Lichtreflektionen erzeugt, lache ich bloß und weiß, dass es nur ein kleiner Teil der ganzen Wahrheit ist.

    Einen lieben Gruß
    von der Karfunkelfee

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