Tätowierung…

…und dann kommt es Dir wie eine kleine Lächerlichkeit vor, dass Du da liegst, so tot wie man eben sein kann und der Pathologe deine kleine Tätowierung sieht,

die Du Dir damals, als Du noch naiv, jung und blöd warst, hast in den Nacken stechen lassen und die kleine Tätowierung stellt so ein ägyptisches Dings dar, einen Lebensschlüssel und der steht für ewiges Leben und weit hast Du es mit der Ewigkeit nicht gebracht, eher nicht, eher so gar nicht und vorbei ist vorbei und wenn Du jetzt da eine Zeit lang liegen bleiben würdest, dann wäre es auch mit der Tätowierung vorbei, weil die Haut dann anfängt zu verfallen und Falten zu werfen und dann aus dem Lebenschlüssel vielleicht ein Hund oder der Auswurf vom Hund werden würde und dann wäre es das gewesen, das mit dem Ewig, dann wäre die Ewigkeit in Dir und an Dir vorbei und damit es noch ein bisschen lächerlicher wäre, wäre die Bedeutung von dem Dings in deinem Nacken vermutlich nur dem Pathologen aufgefallen und weil der jeden Tag ein halbes Dutzend noch viel tötere Menschen als Dich da liegen hat, hat der das auch binnen ein paar Augenblicken wieder vergessen und das war es dann für Dich. Schluss mit der Ewigkeit, die hat nur ein bisschen mehr als ein halbes Menschenleben gedauert und scheiss auf die Tätowierung, die hat außer Schmerzen auch nichts gebracht. Scheiss auf alles und das war es dann, so einfach ist das.

6 Gedanken zu “Tätowierung…

  1. Klasse Text.
    Die Unachtsamkeiten und die Unbedachtheiten des Lebens, die alten Narben und die Symboliken, all das, was einen Menschen äußerlich repräsentierte, für ihn stand, wird nichtig und unbedeutsam, wenn kein Leben mehr im Menschen ist.
    Alles egal, so gleichgültig, dass die Rose auf einem welkenden Po mumifiziert, das rote Herz auf der Brust mit dem Alter tiefer sinkt und Ankh, die Zuflucht, der Lebensschlüssel sich als bloßes Zeichen darstellt, das nicht hielt, was es einmal versprach sein zu wollen und im Tod einen zynischen Charakter zu bekommt.
    Genau wie all die anderen Hoffnungen, die man glaubte, erfüllen zu können, wenn man nur die Zeichen sieht und ehrt.
    Der Tod zeigt, was übrig bleibt und relativiert das Fleisch auf das was es ist.
    Das …Macht den Tod einerseits erbarmungslos, doch andererseits auch zu einem fairen wertungsfreien Richter.

    Gern gelesen, hiergewesen,

    Liebe Grüße
    von der Karfunkelfee

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