Wolf

… und dann komm ich über Dich und bin auf Dir, dein Nacken ist ein Angebot, dass ich nicht ablehnen werde und meine Zähne graben sich in das weiße reine Fleisch,

nicht der Schmerzen wegen, nur weil die Lust es mir befiehlt und Du es mir befiehlst und der Trieb, der will es sowieso und die Zähne hinterlassen kleine glänzende Gruben in der Haut und ein wenig Röte fließt in die kleinen spitzen Vertiefungen und die Ohren hören Laute, die keine Stimmen mehr sein wollen und die Nase riecht mehr als nur die Haut, nimmt mehr in sich auf als nur klinische Sauberkeit, wird schmutzigen Schweiß und den Duft deiner Selbst riechen und die Nase schiebt sich tiefer und näher an den Übergang von Haut zu Haar und saugt begierig den Geruch in sich hinein, prägt sich Fragment und Note ein, wird nicht ruhen, bis das Bild aus Farben im Kopf gemalt ist.

Am frühen Morgen, wenn Einhalt nie geboten wird, wenn Wünsche nicht verwehrt werden, weil Schläfrigkeit den Weg vorgibt, den einen zu Dir und in Dich, wenn wir gemeinsam unser Lied singen, zwei mit einer Stimme, einem Klang, einem Begehren.

In mir, der Wolf.
Auf und in Dir, der Wolf.
Die Gier, nimm sie in Dich auf.
Bewahr’ sie bis zum letzten Biss,
dem letzten Tropfen.

9 Gedanken zu “Wolf

  1. naja, bei mir ist jetzt direkt der werwolf aufgetaucht … 😉

    Der Werwolf
    Christian Morgenstern (1871-1914)

    Ein Werwolf eines Nachts entwich
    von Weib und Kind, und sich begab
    an eines Dorfschullehrers Grab
    und bat ihn: Bitte, beuge mich!

    Der Dorfschulmeister stieg hinauf
    auf seines Blechschilds Messingknauf
    und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
    geduldig kreuzte vor dem Toten:

    „Der Werwolf“,- sprach der gute Mann,
    „des Weswolfs, Genitiv sodann,
    dem Wemwolf, Dativ, wie man’s nennt.
    den Wenwolf,- damit hat’s ein End‘.“

    Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
    er rollte seine Augenbälle.
    Indessen, bat er, füge doch
    zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!

    Der Dorfschulmeister aber mußte
    gestehn, daß er von ihr nichts wußte.
    Zwar Wölfe gäb’s in großer Schar,
    doch ‚Wer‘ gäb’s nur im Singular.

    Der Wolf erhob sich tränenblind-
    er hatte ja doch Weib und Kind!
    Doch da er kein Gelehrter eben,
    so schied er dankend und ergeben.

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