unbekannter Regisseur

Aus den Tiefen des Blogs:

Darüber nachdenken, wie der Schreck einem in die Glieder fahren wird.
Wenn man aufwacht und feststellt, dass sie es alle wissen.
Das irgendein, Dir nicht bekannter Regisseur sie alle eingeweiht hat.

Das sie es wissen und Du der einzige bist,
der wie ein Tölpel durch die Szenen stolpert.

Das sie hinter deinem Rücken alle wissend nicken.

Dich nicht auf all die Schreibfehler,
Deine sich überschlagende Stimme,
Deine ewig falsch geknöpften Hemden hinweisen.

Deine Ticks, das Zucken, die kleine Ausbrüche,
all das´, was schon lange aus deiner Wahrnehmung verschwunden ist, registrieren,
doch niemals reflektieren.

Nicht Dir gegenüber.
Niemals.
Dich so sein lassen, wie Du bist,
weil sie es besser wissen.
Weil sie eingeweiht sind.
Und Du nicht.

In klaren und kurzen wachen Momenten ahnst Du, dass es nur so sein kann.
Manchmal, wenn sie unaufmerksam sind,
wenn Du in eine Schaufensterscheibe blickst, siehst Du ihre Blicke.
Nur kurz, doch alles sagend.
Wie sie auf Dir ruhen.
Wissend.

Irgendwann, schon lange her, muss es geschehen sein.
Vielleicht deine Eltern, vielleicht dein damals bester Freund.
Irgendwer muss sie alle eingeweiht haben.
Ihnen allen Bescheid gesagt haben.
Und es scheint sich wie ein Lauffeuer verbreitet zu haben.
Sie wissen um Dich und deine Defizite und sie spielen darüber hinweg.

Sind nur Alltag, keiner sticht aus der Menge hervor,
zieht Dich zur Seite.
Weiht Dich ein.

Es ist dein Film.
Dein Leben.
Nicht deine Handlung.
Sie wird inszeniert.
Für Dich.

Du hast das einmal in einem Film gesehen,
das kam Dir seltsam vor,
denn ist es bei Dir nicht genau so?
War das ein Zufall?
Ein schreckliches Versehen?

Manchmal suchst Du,
wie der Protagonist, einen Ausgang, die Lücke.
Hoffst darauf, dass sie etwas übersehen haben.
Ertappst Dich, wie Du Haken schlägst,
wie Du darüber sinnierst, etwas Unvorhersehbares zu tun.
Läufst durch die Straßen, machst Fotos,
drehst heimlich kleine Filme.
Suchst darin nach Mustern, nach Wiedererkennen.

Hoffst den Einen, die Eine zu finden,
die nicht zum Team gehört, der Du Dich nähern kannst,
um sie einzuweihen, um sie zum Verbündeten zu machen.

Hoffst darauf, dass das Erwiderte nicht Teil des Skriptes ist,
nicht auswendig gelernt, um zum richtigen Moment,
mit passender Mine und Geste vorgetragen zu werden.

An guten Tagen machst Du Dir einen Spaß daraus,
gehst die selbe Strecke auf und ab an den Schaufenstern entlang,
beobachtest aus den Augenwinkeln, wie sie versuchen,
zu auffällig, sich viel zu auffällig bedeckt und unbeteiligt zu geben.

Springst dann in den nächsten Bus, versuchst sie abzuschütteln, siehst, wie sie zum Handy greifen,
Routen besprechen, den anderen wohl Tipps geben,
wo Du vermutlich aussteigen wirst,
wo sie auf Dich warten sollen.

Tagein, tagaus. Ein Katz und Maus Spiel.
Noch spielst Du mit.
Bis Du den Ausweg gefunden hast.
Viel Erfolg beim Suchen.

sie sehen Dich

2 Gedanken zu “unbekannter Regisseur

  1. Wo ist der Ausweg aus dem Albtraum? Der Selbstzweifel ist ja auch etwas uns Verbindendes: wer ist frei davon? Ich jedenfalls nicht. Und ich kenne niemanden, der es ist. Das ist doch irgendwie schon fast die Lösung: die den Träumer anschauen in ihrem „Geheimwissen“ um seine Defizite, sind als reale Menschen selbst alle voller Zweifel und Angst vor dem geheimen Regisseur, der alle ihre Fehler kennt.
    Also Aufwachen als Ausweg? Im Sinne von: Helfen, Anderen den Zweifel zu nehmen statt ihn weiterträumend in sich zu kultivieren?
    Ist so mein Gedanke dazu.
    Sehr konsequenter Text, finde ich, kaffkaesk, nimmt einem ein bisschen die Luft. Gewollt?

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    • Ja, gewollt.
      Da sind die Einen, die das nie und nimmer reflektieren würden und die ständig manipuliert werden, ohne sich dessen bewusst zu sein.
      Die Anderen ahnen es und zweifeln und hinterfragen.
      Wer hält und zieht die Fäden?
      Man selbst?
      Die Anderen?
      Danke fürs Lesen und darüber Gedanken machen.

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