Nur ein Gedanke.

Und dann formt sich in Dir der Gedanke, dass Deine bloße Existenz nichts anderes ist, als die Idee eines anderen.
Dass da einer sitzt, der sich Dich und all’ das, was Dir geschieht, Dein Leben und Dein Leiden nur ersonnen hat.

Vielleicht aus Interesse, vermutlich nur aus Neugier, wie weit er dieses Ding, diesen Gedanken treiben kann.
Und der sitzt dann da, oder die, vielleicht ist es eine die, und skizziert gelangweilt kleine Szenen auf den Rand eines Papiers, auf dem ansonsten wichtige Sachen stehen, ein Einkaufszettel oder eine komplizierte mathematische Formel.

Und die Elektrizität seines Denkens lässt Dich zucken und Du gehst gerade einen Weg entlang, das ist dann das, was dabei herauskommt.

Sein Denken oder genauer sein Abschweifen von seinen konkreten Gedanken, sein Leerlauf, sein Verschwenden des Augenblicks, der ist dann Deine Existenz, der ist dein Moment.
Dann kann es geschehen, dass Du einen komischen Gedanken hast, von dem Du nicht weißt, woher er kommt und ich sag Dir, dass das nicht der Deine ist, der schon mal ganz und gar nicht.

Du bist nicht seine Träume, die sind für etwas anderes bestimmt, aber Du bist der Leerlauf, der Blick, der im Nichts endet, so zwei, drei Armlängen von seiner Nasenspitze entfernt.
Das Starren, dass einen Moment andauert, bis er sich wieder gefasst hat.
In diesem Moment darfst Du sein und in solchen Momenten denkst Du vielleicht über deine Existenz nach und es bildet sich ein feiner Kreis, eine Schleife und in der Leere des Moments sinniert er auch ein wenig über das Leben, den Augenblick, die Schönheit der Existenz und dann wischt er es weg und kritzelt am anderen Ende des Bogens, der vor ihm liegt ein paar Notizen, Gedanken hin und schreibt im Leben eines Anderen weiter, eines anderen, den Du nie treffen wirst, eines Anderen, der wie Du, vom Stillstand der Gedanken dieses Anderen lebt.

nur eine Kleinigkeit

Musik zum Gedanken:

16 Gedanken zu “Nur ein Gedanke.

  1. Nur ein Kommentar:

    Und der Gedanke endet in dem Moment, wo der Kassierer zu Dir sagt, „12,95€“ und du fragst, immer noch ganz gebannt starrend auf eben besagten Einkaufszettel, „Wie bitte? Entschuldigung. ich war gerade mit meinen Gedanken nicht ganz da.“ Und er sagt wiederum „Aha!“ und „Kein Problem, geht uns doch allen manchmal so.“ und dann wieder „12,95€“. Und du zahlst und gehst nach Hause, kochst, was du eingekauft hast und isst, was du gekocht hast und nimmst Dir vor, nicht mehr so viel zu lesen und Dir Gedanken zu machen………………………….bis zum nächsten Einkauf.

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    • Ich befürchte, so war das, als ich das letzte mal über mich nachgedacht habe, oder ich war die Giraffe, die mit ein paar schnellen Strichen mit dem Finger ans beschlagene Glas gemalt wurde…

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      • Willkommen im Club. So oder so ähnlich my way ab und zu. Dann löst sich der Knoten, der Bann, weil entweder das leben einen fortreißt oder es einem tatsächlich gelingt sich da hinauszudenken, denn:
        Wenn es so wäre, also ich nur der leere Gedanke von irgendjemand, dann würde ich das kaum denken, denn es gäbe kein Ich, keine Gedanken, die meine wären, kein Denken an jemanden, dessen Gedanke man wäre. Man würde das Nicht-Denken denken…..und ich wach auf

        (Sorry für diese Reminiszenz. ich habe damals das falsche Studienfach gewählt.)

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  2. Wenn ich denke, dass ich nur der leere Gedanke eines anderen bin, ist es Spekulation, denn ich kann nicht wissen, was in fremden Denken vor sich geht, höchstens ahnen.
    Ein voller Gedanke ist mehr wert als eine leere Tat, die sich nicht sieht und erkennt.

    Ein tiefer Text, der viel Raum lässt zum Drinherumgehen und Nachdenken, mal vielen Dank dafür und einen Gruß von der Karfunkelfee

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  3. Aber dann müßte es ja auch Mittler geben, die die Gedanken dann wieder aufnehmen und weiterführen. Oder sehe ich das jetzt zu marionettisch? Was passiert nach dem Stillstand, dem Leerlauf? Puh, jetzt hammSe mir was in den Kopf gesetzt… aber dann wären Sie ja gerade der, der meine Gedanken lenkt. Ich, Ihre Idee. Ich stehe stehe jetzt auf und mache mir einen Tee. Ihren Gedanken nehme ich mit…Mal sehen, was passiert.
    Dalassen tue ich einen herzlichen Gruß, Ihre Frau Knobloch.

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  4. Bin da etwas anderer Ansicht und glaube, daß eine solche Überlegung zumindest ohne Wert, wenn denn nicht sogar eher seelenschädlich, allein schon deswegen ist, weil m.E. diesbezüglich keinerlei belastbare Empirie existiert. 🙂

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  5. Mit diesem Gedanken hab ich auch als Kind zum ersten Mal gespielt. Ich habe mich dann immer gefragt, wie viel Eigenes man dann noch haben kann und ob man überhaupt etwas eigenes haben kann. Ob die Person, die sich uns ausgedacht hat, die volle Kontrolle hat, ob wirklich alles gesteuert wird.
    Wenn man davon ausgeht, dass man sich ein Stück weit von der Person trennen kann und ohne ihr Wissen eigene Gedanken spinnen kann, finde ich es vom Gefühl her ganz amüsant, die Linie hin und her zu schieben, die eigenes und fremdes trennt. Wahrscheinlich ist es eine Linie mit Löchern und überhaupt nicht gerade sondern mit großen Wellen, Knoten, Unterbrechungen und insgesamt total fransig. Ständig in Bewegung. So stellt sie sich mir jedenfalls vor. Dann müsste das Innere eine Fläche sein, die sich durch eine Linie definieren lässt, aber eigentlich ist für mich das Innere ein Raum. Trotzdem komme ich nicht von der Vorstellung einer Linie weg. Vielleicht, weil es sowieso keine konkrete Trennung geben kann. Na, vielleicht kann mir trotzdem jemand folgen.

    Ein schönes Portrait eines Gedankens und ein sehr passendes Musikstück :).

    Liebe Grüße,
    Yuliya

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